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Unter Drogen „komplett ausgetickt“
Ex-Freundin die Luft abgedrückt, Polizisten beleidigt: Urteil gegen 20-Jährigen

Packt Nick B. die Therapie nicht, drohen 14 Monate Gefängnis - so urteilt die Schöffenkammer des Amtsgerichts Betzdorf.
  • Packt Nick B. die Therapie nicht, drohen 14 Monate Gefängnis - so urteilt die Schöffenkammer des Amtsgerichts Betzdorf.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nb Betzdorf. Heftige Gegenwehr, Drohungen, Beleidigungen der allerübelsten Sorte: Selbst dem erfahrenen Polizeibeamten der Inspektion Betzdorf war anzumerken, dass ihn der Einsatz in der Nacht zum 19. März 2021 noch nicht losgelassen hat. Dabei war der junge Mann, der für den Polizeieinsatz gesorgt hatte, für ihn kein unbekannter – aber diese Nacht war in Sachen Gefährdungspotenzial von einem ganz neuen „Kaliber“. Nick M., inzwischen 20 Jahre alt, musste sich nun wegen jener verhängnisvollen Nacht vor der Schöffenkammer des Amtsgerichts verantworten. Die Liste der Vorwürfe war lang – und Nick M. (Namen von der Redaktion geändert) räumte die Taten ein.

nb Betzdorf. Heftige Gegenwehr, Drohungen, Beleidigungen der allerübelsten Sorte: Selbst dem erfahrenen Polizeibeamten der Inspektion Betzdorf war anzumerken, dass ihn der Einsatz in der Nacht zum 19. März 2021 noch nicht losgelassen hat. Dabei war der junge Mann, der für den Polizeieinsatz gesorgt hatte, für ihn kein unbekannter – aber diese Nacht war in Sachen Gefährdungspotenzial von einem ganz neuen „Kaliber“. Nick M., inzwischen 20 Jahre alt, musste sich nun wegen jener verhängnisvollen Nacht vor der Schöffenkammer des Amtsgerichts verantworten. Die Liste der Vorwürfe war lang – und Nick M. (Namen von der Redaktion geändert) räumte die Taten ein. Zumindest soweit er sich an sie erinnern konnte – denn er hatte große Gedächtnislücken, was seiner Aussage nach an seiner damaligen psychischen Verfassung und dem Mix aus Amphetamin und Alkohol lag, den er intus hatte, lag.

Plötzlich eskaliert die Situation

Doch aufgrund des Geständnisses sowie der detaillierten und glaubwürdigen Aussage der Hauptzeugin Emily B. und den Ausführungen des Polizeibeamten stand nach der Beweisaufnahme fest, was in der Märznacht passiert war.

Nick M. und Emily B., einst ein Paar, hatten gemeinsam mit einem Bekannten in der Wohnung des Angeklagten in der Sieg-Heller-Stadt zusammengesessen. Es kam zu einem, zunächst harmlos scheinenden, Streit, aber plötzlich eskalierte die Situation: „Von jetzt auf gleich ist er dann komplett ausgetickt“, so Emily B. über ihren Ex-Freund.

Als sie die Wohnung verlassen wollte, hielt er sie brutal davon ab, drückte ihr mit dem Arm die Luft ab. Nach einem weiteren gescheiterten Fluchtversuch sperrte er sie in die Küche und bedrohte sie mit einem Messer, das er aber dann wieder weglegte.

20-Jähriger "hochgradig aggressiv"

Der ebenfalls 20-jährigen Emily B. gelang es dann per Handy, die im selben Haus wohnende Mutter von Nick M. zu informieren. Und so stand kurze Zeit später die Polizei vor der Tür. Zwischen „hochgradig aggressiv“ und durchaus gefährlich und später zeitweilig depressiv: So beschrieb der Beamte die extremen Stimmungsschwankungen von Nick M. Beleidigungen, Bedrohungen, Spucken: „Es war eine Kraftanstrengung, mit ihm überhaupt die Dienststelle zu erreichen“, so der Zeuge über den Einsatz.
Auch in der Zelle ging es weiter: Nick M. schlug mit dem Kopf gegen die Wand und drohte damit, sich etwas anzutun. So alarmierte die Polizei Notarzt und Krankenwagen und – begleitet von Beamten – wurde Nick M. in die Psychiatrie nach Wissen gebracht, wo der 20-Jährige ebenfalls wüst tobte. „Das hat mich schon belastet, das war eine hochgradig gefährliche Situation“, so erinnerte sich der Zeuge an die Einsatznacht.

Urteil vor dem Schöffenkammer des Amtsgerichts: Stationäre Therapie

Wegen Freiheitsberaubung in Tateinheit mit Körperverletzung, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Beleidigung und Bedrohung sowie wegen Drogenbesitzes wurde Nick M. schließlich zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt. Dabei kam Jugendstrafrecht zum Tragen. Und die für Nick M. entscheidende sogenannte Weisung: Er muss sich nicht nur unverzüglich bei der Drogenberatungsstelle der Caritas melden, sondern sich zudem einer stationären Drogentherapie unterziehen. Richterin Tanja Becher wandte sich an den Verurteilten: „Wir haben den Eindruck, dass Sie weit davon entfernt sind, ehrlich zu sich selbst zu sein.“ Immer wieder hatte die Richterin in der Verhandlung Aussagen aus Nick M. „herauskitzeln“ müssen – zudem wurde klar: Wirkliche Bemühungen um eine Therapie, eine neue Wohnung oder Arbeit hatte es bei ihm in den vergangenen Monaten nicht gegeben.
Und all die Probleme, die er habe, seien eben auf ein Grundproblem zurückzuführen, so Richterin Becher: seinen Drogenkonsum. Würde er die Therapie nicht wollen oder abbrechen, drohe das Gefängnis, so Becher – auch das sei eine Möglichkeit. Und an Nick M. gewandt: „Sie entscheiden, wo der Weg hingeht.“

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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