Exklusive, meisterliche Klaviermusik

Bayreuther Pianist Stefan Mickisch konzertierte in der Betzdorfer Stadthalle

sz Betzdorf. Ein exklusives Vergnügen meisterlicher Klaviermusik ermöglichte die Musikgemeinde Betzdorf-Kirchen am Freitagabend den Besuchern der Betzdorfer Stadthalle. Stefan Mickisch aus Bayreuth brachte Werke von Friedrich Nietzsche, Sergej Rachmaninoff, Robert Schumann, Johannes Brahms und Richard Wagner zu Gehör. Mickisch, geboren in Schwandorf in der bayerischen Oberpfalz, gilt als einer der profiliertesten deutschen Pianisten. Seinen künstlerischen, weltweiten Durchbruch schaffte er durch seine Richard-Wagner-Paraphrasen. Ausgedehnte Solo-Konzertreisen und CD-Einspielungen folgten.

Nachdem Mickisch bereits am Morgen im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium über das Thema „Richard Wagner zwischen Tonalität und Atonalität” referiert hatte, erfreute er abends ganz und gar musikpraktisch die Besucher der Stadthalle. Der große Ansturm war diesem Konzert nicht beschieden, nicht einmal 100 Besucher waren gekommen. Mickisch eröffnete sein Programm mit sechs Klavierstücken von Friedrich Nietzsche. Unter allen musiktreibenden Philosophen und Dichtern sei Nietzsche sicherlich der beste Komponist gewesen, meinte der Pianist einführend. Er ließ es sich nicht nehmen, seine einzelnen Darbietungen vor jedem Programmblock zu kommentieren. Facettenreich, davon konnten sich die Zuhörer überzeugen, waren Nietzsches Kompositionen auf jeden Fall: perlend in „Da geht ein Bach”, stark und zerbrechlich zugleich mit der „Heldenklage”; mit „Fragment eines Klavierstücks” oder „Das zerbrochene Ringlein” in seiner bewegenden Weise überzeugte Mickisch von den kompositorischen Talenten Nietzsches.

Einprägsam und voll diffiziler Emotionen, bestach anschließend Mickischs Rachmaninoff-Interpretation „Vocalise in cis op.34/4” im Arrangement von Alan Richardson. Gänsehaut war garantiert beim „Prelude in cis op. 3/2”, in dem Rachmaninoff seiner panischen Angst Ausdruck verlieh, lebendig begraben zu werden: schwere Totenglocken, langsames Aufwachen, entsetztes Erkennen. In welch krassem Gegensatz dazu stand „Papillons op.2” von Robert Schumann! Diese vom Literaten Jean Paul beeinflusste Komposition befasst sich mit einem Maskenball und dem Larventanz. Das spielerische, vergnügliche Element spielt eine entsprechend übergeordnete Rolle. Dem Ländler wird überdies ein Denkmal gesetzt in diesem Schumann-Werk, dem der Schalk und die Fabulierlust anzumerken sind.

„Sieben Phantasien op.116” von Johannes Brahms erwartete die Konzertbesucher nach der Pause. Mickisch wies auf die irreführende Bezeichnung der Arbeiten hin, enthielten diese doch ausschließlich Capriccios und Intermezzi, nach reihentechnischen Mustern organisiert. Bei diesen Phantasien handelt es sich um späte Monologe Brahms’ auf seinem Lieblingsinstrument, in denen der Meister seine Kunst, Stachelig-Ruppiges mit Verletzlich-Idyllischem zu verbinden, zur Vollendung brachte.

Eine erstaunlich weite Bandbreite musikalischer Motive entfaltete der Solist abschließend mit dem Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg” von Richard Wagner im eigenen Arrangement. Das 1860 in einer persönlichen Notzeit Wagners entstandene Werk vereint die Freude an der deutschen Kunst ebenso wie die Huldigung weiblicher Schönheit und eine Hommage an die frische Jugendliebe. Aber auch die gern gescholtenen „Beamten und Kritiker”, Letztere mit einem unflätigen Ausdruck bedacht, und die Zusammenführung gesellschaftlicher Gegensätze wie Liebe und Kunst, fanden hier meisterlich Eingang. Mit dem Gedanken an einen vorzüglichen Konzertabend traten die Gäste den Heimweg an.

sib

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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