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Mann spricht vor Gericht von "Späßen"
Familienvater soll seine Nichten sexuell missbraucht haben

Vor dem Schöffengericht in Betzdorf muss sich ein Familienvater aus Syrien verantworten, der seine eigenen Nichten sexuell missbraucht haben soll.
  • Vor dem Schöffengericht in Betzdorf muss sich ein Familienvater aus Syrien verantworten, der seine eigenen Nichten sexuell missbraucht haben soll.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Betzdorf. Für Nurin K. (Name von der Redaktion geändert) war die Sache nach relativ kurzer Beratungszeit mit seinem Pflichtverteidiger Robert Boll klar: Eine „Verständigung“ in Form eines Geständnisses wäre für ihn kein wirklicher Gewinn gewesen. Denn weder Staatsanwaltschaft noch das Schöffengericht unter Vorsitz von Beatrice Haas konnten dem 32-Jährigen Hoffnung auf eine Bewährungsstrafe machen. „Eine Verständigung ist möglich, aber nicht auf Basis der Strafandrohung“, sagte Boll zu einer möglichen Freiheitsstrafe von rund drei Jahren.
Angeklagter kam 2015 aus Aleppo nach Deutschland
Zu schwerwiegend waren die Vorwürfe, die am Montagmorgen im großen Sitzungssaal des Betzdorfer Gerichts im Raum standen.

thor Betzdorf. Für Nurin K. (Name von der Redaktion geändert) war die Sache nach relativ kurzer Beratungszeit mit seinem Pflichtverteidiger Robert Boll klar: Eine „Verständigung“ in Form eines Geständnisses wäre für ihn kein wirklicher Gewinn gewesen. Denn weder Staatsanwaltschaft noch das Schöffengericht unter Vorsitz von Beatrice Haas konnten dem 32-Jährigen Hoffnung auf eine Bewährungsstrafe machen. „Eine Verständigung ist möglich, aber nicht auf Basis der Strafandrohung“, sagte Boll zu einer möglichen Freiheitsstrafe von rund drei Jahren.

Angeklagter kam 2015 aus Aleppo nach Deutschland

Zu schwerwiegend waren die Vorwürfe, die am Montagmorgen im großen Sitzungssaal des Betzdorfer Gerichts im Raum standen. Dem Angeklagten wird sexueller Missbrauch vorgeworfen, Opfer sollen seine beiden Nichten gewesen sein, 2018 im Tatzeitraum zwölf und 14 Jahre alt.
Weil es eben zu keiner Verständigung kam und Nurin K. die ihm zur Last gelegten Taten bestreitet, hat der Prozess seinen ganz normalen Verlauf genommen. Dazu gehörte auch die Vernehmung der beiden Nichten – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Beide treten als Nebenklägerinnen auf.

Laut Anklageschrift hat der verheiratete Familienvater von drei Kindern, der 2015 aus dem syrischen Aleppo nach Deutschland gekommen ist, sich verschiedener Vergehen schuldig gemacht. Die Ältere der beiden Schwestern soll er mehrfach von der Schule abgeholt und anschließend begrapscht haben. Nicht nur, dass er versucht haben soll, sie auf den Mund zu küssen und sie unsittlich zu berühren: Beim schwerwiegendsten Vorwurf soll Nurin K. im Keller seines Wohnhauses die Hose heruntergezogen und seine junge Verwandte aufgefordert haben, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen. Im Raum steht auch eine Erpressung mit Video und Fotos sowie körperliche Gewalt. Auch die jüngere Nichte soll vor ihrem Onkel nicht sicher gewesen sein.

Angeklagter streitet vor dem Gericht in Betzdorf die Vorwürfe ab

„Er ist der Auffassung, dass sich die Dinge anders zugetragen haben“, erklärte Anwalt Boll für seinen Mandanten. In der Tat: Nurin K. gab an, seine Nichte immer nur auf Anforderung von der Schule abgeholt zu haben. Dafür sei er in der Familie zuständig gewesen. Zu sexuellen Übergriffen sei es niemals gekommen, beteuerte er per Dolmetscherin. Natürlich habe er seine Nichten zur Begrüßung auch umarmt und auf die Wangen geküsst („das ist meine Art“), und auch sonst habe er seine „Späße“ mit ihnen getrieben. Aber alles ganz „normal“, versicherte der Angeklagte mehrfach. Vielleicht, so seine Vermutung, hätten die Mädchen das ja missverstanden.

Treffen mit Jungs "als Schande" für die Familie

Nurin K. sah den Grund allen Übels eher im Lebensgefährten der Mutter, mit dem er sich offenkundig nicht gut versteht. Der versuche alle innerfamiliären Probleme auf ihn abzuwälzen. So hätten z. B. die beiden Nichten dessen Handy durchsucht, das sei ihm aber in die Schuhe geschoben worden. Richterin Haas konnte dem nicht ganz folgen: „Das wäre ein Grund, dass der Lebensgefährte sauer wäre, aber wieso ihre Nichten?“
Dass er seinen Whatsapp-Chatverlauf mit den Nichten gelöscht hatte, begründet der 32-Jährige mit einem Virus. Darin waren wohl auch Drohungen enthalten, weil sich die Ältere mit Jungs getroffen hatte. Das, so räumte Nurin K. ein, sei „eine Schande“ für die Familie, allerdings habe er sie nicht mit Aufnahmen von den Treffen erpresst.
Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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