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Patres geben Kloster Bruche auf
Fast 100-jährige Geschichte geht zu Ende

Die Missionare von der Heiligen Familie werden das Kloster Bruche aufgeben. Für viele Menschen war und ist es ein wichtiger Ankerpunkt in ihrem Leben. Wie die Gebäude und das Areal künftig genutzt werden, ist derzeit noch völlig offen.
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  • Die Missionare von der Heiligen Familie werden das Kloster Bruche aufgeben. Für viele Menschen war und ist es ein wichtiger Ankerpunkt in ihrem Leben. Wie die Gebäude und das Areal künftig genutzt werden, ist derzeit noch völlig offen.
  • Foto: Rainer Schmitt
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

thor Bruche. Was im säkularen Leben der Stadt Betzdorf und speziell des Ortsteils Bruche der Verlust der Fa. Wolf war, dürfte in religiöser Hinsicht diese Nachricht sein: Die Missionare von der Heiligen Familie werden mittelfristig das Kloster Bruche aufgeben. Das bestätigte gestern Pater Egon Färber auf Anfrage der Siegener Zeitung. Ja, es sei mehr als nur ein Gerücht. „Die Überlegungen gehen in diese Richtung. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir uns nicht mehr selbst versorgen können“, sagte der deutsche Provinzleiter des Ordens.
Brüder gehen vermutlich 2022 nach MünsterDabei ist es nicht so, dass die Patres in Bruche bereits auf gepackten Koffern sitzen. „Im nächsten Jahr wird es noch nicht so weit sein“, meinte Färber, der den Abschied eher 2022 kommen sieht.

thor Bruche. Was im säkularen Leben der Stadt Betzdorf und speziell des Ortsteils Bruche der Verlust der Fa. Wolf war, dürfte in religiöser Hinsicht diese Nachricht sein: Die Missionare von der Heiligen Familie werden mittelfristig das Kloster Bruche aufgeben. Das bestätigte gestern Pater Egon Färber auf Anfrage der Siegener Zeitung. Ja, es sei mehr als nur ein Gerücht. „Die Überlegungen gehen in diese Richtung. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir uns nicht mehr selbst versorgen können“, sagte der deutsche Provinzleiter des Ordens.

Brüder gehen vermutlich 2022 nach Münster

Dabei ist es nicht so, dass die Patres in Bruche bereits auf gepackten Koffern sitzen. „Im nächsten Jahr wird es noch nicht so weit sein“, meinte Färber, der den Abschied eher 2022 kommen sieht. Die verbliebenen Ordensbrüder würden dann in eine von Schwestern betriebene Pflegeeinrichtung in die Nähe von Münster wechseln. Derzeit lebten noch 24 Patres in Bruche. „Allein seit Mai sind vier verstorben“, berichtete Färber, der gebürtig aus Rahrbach im Kreis Olpe stammt.
Damit geht eine fast 100-jährige Geschichte zu Ende – nicht nur an der Sieg, sondern in ganz Deutschland, ist Bruche doch die letzte Niederlassung. 1926 entstand als erstes Gebäude des Missionshauses Heilige Familie die Druckerei für den „Sendboten“. Dann ging es mit den Arbeiten am eigentlichen Kloster unverzüglich weiter: „Der günstige Bauplatz, die eisenbahnverkehrsgünstige Lage Bruches, aber auch das tatkräftige Zupacken der Brucher und ihre Opferbereitschaft ließen den Aufbau des Klosters der Missionare von der Hl. Familie zügig voranschreiten“, schrieb einst der frühere Vorsitzende des Betzdorfer Geschichtsvereins, Ernst-Helmut Zöller.

Kloster war „Wahnsinns-Segen“ für Bruche

Was die jetzige Zäsur bedeutet, kann vielleicht niemand besser als Konrad Theis zum Ausdruck bringen. Der dienstälteste Haubergsvorsteher in Siegerland und Westerwald ist nicht nur neben, sondern auch im Kloster aufgewachsen. „Das ist, als würde man in Köln das Fenster aufmachen, und der Dom wäre nicht mehr da“, sagt er zum Rückzug der Missionare. Das Kloster sei ein „Wahnsinns-Segen“ für Bruche gewesen und habe Generationen geprägt – nicht nur in religiöser Hinsicht. „Alle meine handwerklichen Fertigkeiten habe ich dort gelernt“, erzählt Theis.
Er weiß noch, dass das Gelände des Klosters einst einer Hute-Gemeinschaft als Viehweide diente. Die Fläche abzugeben, sei den Bruchern leicht gefallen, hätten sie doch endlich vor Ort in die Kirche gehen können – zum Ärger der Betzdorfer.

„Die ganze Stadt hängt am Kloster“

Auch Stadtbürgermeister Benjamin Geldsetzer ist sich über die Bedeutung dieses „ganz wichtigen und sehr emotionalen“ Themas im Klaren: „Die ganze Stadt hängt am Kloster.“ Daher freue er sich, dass der Orden von Anfang an mit offenen Karten gespielt und die Stadt mit ins Boot genommen habe. Die alles entscheidende Frage: Wie könnte die Nachnutzung aussehen? Geldsetzer sprach von einem „fantastischen Refugium“, das unglaublich viele Möglichkeiten biete. Für das Thema „Kloster“ sei in der Verwaltung ein spezielles Team gegründet worden, das von einem externen Beratungsbüro unterstützt werde.

Orden 1895 in Grave bei Nijmegen gegründet

Zur Historie: Der Orden war 1895 in Grave bei Nijmegen von Jean Baptiste Berthier gegründet worden. 1911 folgte die päpstliche Anerkennung. Das Ordenskürzel MSF steht für den lateinischen Namen der Kongregation: Missionarii a Sancta Familia. In Deutschland waren die Brüder seit 1919 aktiv: Da wurde die erste deutsche Missionsschule in Schloss Adolfsburg in Oberhundem eingerichtet. Noch im vergangenen Jahr war in Bruche das 100-jährige Wirken der Missionare gefeiert worden. Zu diesem Anlass war eigens der Generalobere Edmund Michalski aus Rom angereist. Trotz vieler Schwierigkeiten blickte dieser hoffnungsvoll in die Zukunft, würden doch zahlreiche Theologiestudenten in aller Welt dem Orden beitreten.

Herber Verlust für die Seelsorge

Auf das Kloster Bruche hat diese Entwicklung aber offensichtlich keinen Einfluss. Schon bei der Feier war das hohe Durchschnittsalter (81 Jahre) der hier lebenden Brüder angesprochen worden. Und wer die Entwicklung des Ordens in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt hat, wird auch vom sich anbahnenden Abschied nicht überrascht sein. Das Missionshaus Maria Königin in Altenhundem wurde im Oktober 2015 aufgelöst, das in Biesdorf (Eifel) im August 2017. Die Zeitschrift „Der Sendbote“ war schon 2010 eingestellt worden. In beiden Orten werden noch Gymnasien in der Tradition der Ordensprovinz von Trägervereinen geführt.
2016 war die deutschlandweite Leitung des Ordens nach Bruche verlegt worden, wo es seit 1988 auch eine Pflegestation für alte und kranke Brüder gibt. Wenn das Kloster schließt, gibt es deutschlandweit nur noch eine Niederlassung der polnischen Ordensprovinz im Taubertal.
Manche Auswirkungen sind noch gar nicht abzusehen, nur eines ist gewiss: Auch für die Seelsorge im gesamten Dekanat ist es ein herber Verlust, denn immer und immer wieder sprangen die Patres ein, wenn mal wieder Not am Pfarrer war. Diese Option fällt auf der Trier’schen Insel nunmehr flach.

Die Missionare von der Heiligen Familie werden das Kloster Bruche aufgeben. Für viele Menschen war und ist es ein wichtiger Ankerpunkt in ihrem Leben. Wie die Gebäude und das Areal künftig genutzt werden, ist derzeit noch völlig offen.
Im Sommer vergangenen Jahres war in Bruche das 100-jährige Wirken des Ordens in Deutschland gefeiert worden.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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