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Lockdown je nach Dauer existenzbedrohend
"Fitness-Studios haben keine Lobby"

Rüdiger Schneider verdeutlichte der Bundestagsabgeordneten Sandra Weeser, dass auf der weitläufigen Trainingsfläche die Einhaltung sämtlicher Hygieneregeln kein Problem ist.
  • Rüdiger Schneider verdeutlichte der Bundestagsabgeordneten Sandra Weeser, dass auf der weitläufigen Trainingsfläche die Einhaltung sämtlicher Hygieneregeln kein Problem ist.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

thor Dauersberg. „Ich verzichte gerne auf alle Hilfen, Hauptsache, ich kann wieder arbeiten.“ Rüdiger Schneider bringt genau das auf den Punkt, was sich derzeit Abertausende Gastronomen, Kulturschaffende, Messebauer und eben auch Betreiber von Fitness-Studios als kombiniertes Nikolaus- und Weihnachtsgeschenk wünschen. Auch die „Körperwelt“ im Gewerbepark ist seit Anfang November ein zweites Mal in diesem Jahr dicht. Die Auswirkungen auf das Geschäft von Schneider, ja auf die gesamte Branche, sind derzeit noch nicht abzusehen.
Am Montagmorgen ließ sich die Bundestagsabgeordnete Sandra Weeser die Situation schildern.

thor Dauersberg. „Ich verzichte gerne auf alle Hilfen, Hauptsache, ich kann wieder arbeiten.“ Rüdiger Schneider bringt genau das auf den Punkt, was sich derzeit Abertausende Gastronomen, Kulturschaffende, Messebauer und eben auch Betreiber von Fitness-Studios als kombiniertes Nikolaus- und Weihnachtsgeschenk wünschen. Auch die „Körperwelt“ im Gewerbepark ist seit Anfang November ein zweites Mal in diesem Jahr dicht. Die Auswirkungen auf das Geschäft von Schneider, ja auf die gesamte Branche, sind derzeit noch nicht abzusehen.
Am Montagmorgen ließ sich die Bundestagsabgeordnete Sandra Weeser die Situation schildern. Nach einer Stunde stand für die FDP-Politikern fest: Für die Schließung derart großer Studios, die der Gesundheit dienten, wo Abstände möglich und Kontaknachverfolgen kein Problem seien, gebe es eigentlich keinen triftigen Grund.

Fitnessstudios neun Wochen lang geschlossen

Anfang des Jahres war die (Körper-)Welt noch in Ordnung. Die Aufträge für Außenanlagen und neue Fenster waren raus, die Entwicklung steuerte auf 1400 bis 1500 Abos zu. Hinzu kamen 50 bis 80 Präventionsmaßnahmen pro Monat. „Damit konntest du wirklich vernünftig rechnen“, sagt Schneider. Dann kam der Lockdown, sämtliche Studios waren neun Wochen lang geschlossen. „Wir haben 0,0 Cent an Subventionen bekommen, außer der Kurzarbeitergeld-Geschichte“, berichtet der Unternehmer.
Als es wieder losgegangen sei, „hätten wir eigentlich gar keine Schilder aufstellen müssen“. Alle Kunden seien sehr sensibilisiert gewesen. „Du konntest erkennen, wie der Laden regeneriert.“ Bei 1600 Quadratmeter Trainingsflächen hätten theoretisch 120 Personen gleichzeitig anwesend sein können (so viele waren es aber zu keinem Zeitpunkt). Und bis in den Oktober hinein war Schneider noch optimistisch. Seit 2. November warten Laufbänder, Spinning-Bikes und Hanteln nun erneut auf eine Nutzung.

Hilfen konnten erst Ende November beantragt werden

Schneider und Weeser sind sich in dieser Hinsicht einig: Es sei klar gewesen, dass die zweite Welle der Pandemie kommt. Monatelang habe man sich vorbereiten können. „Dass es jetzt wieder so läuft, ist der eigentliche Skandal“, meint die Abgeordnete. Auch in Berlin erlebe sie leider immer wieder eine gewisse Realitätsferne der Kollegen. Dazu gehört für die Betzdorferin auch, dass der Elster-Zugang zu den November-Hilfen erst vergangene Woche freigeschaltet wurde.

Zwischen Solidarität und Drohungen

Apropos Unterstützung: Schneider selbst rechnet damit, dass er die erste Rate dieser Hilfe frühestens Mitte/Ende Dezember erhalten wird. Wobei dieser berühmte 75-Prozent-Zuschuss dann auch noch mit den laufenden Einnahmen verrechnet wird. Denn nach wie vor halten die meisten Kunden der „Körperwelt“ die Treue. Aber: Seit Anfang November hat Schneider sage und schreibe 408 Mails beantworten müssen, in denen es um laufende Verträge und den Umgang damit gegangen ist. Die Bandbreite der Reaktionen reicht von Verständnis und Solidarität bis zu Drohungen, dass, sollte keine außerordentliche Kündigung möglich sein, in den sozialen Medien Stimmung gemacht wird.
Dabei sind schon im Frühjahr 700 Ausgleichspakete (Ruhemonate etc.) im Wert von 35.000 Euro geschnürt worden, diese Bürde wird nun nochmals schwerer. Überhaupt ist die Jahreskalkulation längst ein Fall für die Tonne. Zwar „leiden“ alle Fitness-Studios deutschlandweit immer unter einer recht hohen Fluktuation, Schneider aber fehlen in diesem Jahr allein 200 Neuanmeldungen. Wie und wann das wieder reingeholt werden kann, weiß er selbst nicht. Sollte die Schließung noch bis weit in den Januar andauern, werde die Lage langsam existenzbedrohend. Einzig die regionalen Kreditinstitute würden noch ihrer Verantwortung gerecht.

"Fitness-Studios haben keine Lobby"

Schneider hat kürzlich aus Frust und Enttäuschung über die Politik ein Video bei Facebook gepostet, für das er Lob und Tadel zugleich bekommen hat. Für ihn steht fest: „Die Studios haben keine Lobby.“ Dem wollte Sandra Weeser gestern nicht widersprechen, wenngleich sie das Thema mit in die Bundeshauptstadt nehmen will. Denn bei all den Bemühungen um die Gesundheitsförderung sei eine gewisse Systemrelevanz nicht zu verleugnen.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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