Folk-Rock bewegte etwas

Betzdorfer Open-Air-Festival mit »Paddy« lockte 1000 Fans

fram Betzdorf. Es soll sich was bewegen in der Stadt: Das hat sich der erst im Januar gegründete Aktionskreis »Betzdorf live« fest vorgenommen – und mit den Darmstädtern Paddy goes to Holyhead zum ultimativen Rezept gegriffen. Als Deutschlands führende Folk-Rocker am Samstag um 21 Uhr die Open-Air-Bühne auf dem AKA-Parkplatz betraten, waren rund tausend Zuhörer ganz Ohr.

Und mussten ihr Bier erst mal auf Seite stellen, denn Paddy live erleben, bedeutet Schwerstarbeit fürs Tanzbein. Der irische Drache steppte auf und vor der Bühne. »The Dragon« erzählt mit Mystik und augenzwinkender Ironie aus dem Land von Apfelbier, St. Patricksday und vierblättrigem Kleeblatt, wie ein alter Mann zur Drachenjagd aufbricht. Doch das Glück verlässt ihn wie so oft im Leben, er fliegt von seinem Pferd – wird dafür aber vom Drachen zu einer Tasse Tee eingeladen. Jens Kempgens dominiert als Teufelsgeiger die mächtigen Bass-Beats. Da kommen die Füße kaum noch mit, und trotzdem fragt man sich ständig: Kann es der Fiedler noch schneller? Er kann, jenseits der Schallmauer!

Dass Kempgens neben dem Frontmann die erste Geige spielt, hat irische Musik an sich, aber Bassist Wolfgang Ritter, Pianist und Keyboarder Jürgen Köhler und Schlagzeuger Kalle Spriestersbach machen ihre Sache genauso gut: druckvoll, markant, routiniert, auf jedes Tempo eingespielt. Hinlänglich bekannt ist, dass der aus den USA stammende Sänger und Gitarrist Marc Patrick der Band neue Geschlossenheit gegeben hat. Niemand singt mit so ausdrucksstarkem, hinreißend irischem Englisch und so voller Wehmut von heimischen Gefilden. »Doolin« hieß die Ballade, entführt in die »Doolin Bay«, in ein Werk aus urigem Hafen, brodelnder Wetterküche und einer Küste aus Fels und grünstem Gras. Musik, als wären die Fünf dort aufgewachsen.

Nach einer halben Stunde auf dem Gaspedal ist dann mal Zeit, das Feuerzeug auszukramen, mit der Dämmerung abgestimmt. In jedem Detail merkt man, dass die »Paddies« eine echte Live-Band sind. Seit ihrer Gründung 1986 haben sie kontinuierlich schöne Scheiben rausgebracht, die volle Wirkung entfalten sie aber zweifelsohne live.

Als Schwungkörper hat es die erste Band eines Open-Airs meistens schwerer. Gegen Nachmittag schwirrten noch viele woanders herum, als Silberblick aus Betzdorf die Bühne einweihten. »On the Rocks« heißt die Debüt-CD, aus der Admasu Tsygie (Gitarre und Gesang), Yilma Tsygie (Schlagzeug und Gesang) und Wolfgang Kuhl (Bass und Gesang) engagierten, frechen deutschen Punk-Rock präsentierten.

Obedion, 1998 aus der Schulband der Realschule Bad Marienberg hervorgegangen, hat sich seitdem zunehmend zu einer selbstständigen Combo entwickelt, die mit Stücken wie »Help me« und »Like an angel« die Cover-Palette getrost zur Seite legen konnte. Stephan Wallis (Gesang), Simon Denker (Gitarre), Peter Schuster (Gitarre), Tobias Krumm (Bass), Christoph Vetter (Piano und Keyboards) und Tobias Vetter (Schlagzeug) lieferten brettharten Rock.

Taxfree aus Kreuztal übernahmen die Mikros und wurden ihrer selbstgestellten Aufgabe, Spaß an der Musik zu vermitteln, völlig gerecht. Der Siegparkplatz füllte sich rechtzeitig, damit Silke Hähner (Gesang), Martin Schöler (Gitarre), Olaf Schröder (Keyboards) und Thorsten Blöck (Schlagzeug) die »Party time« (Titel auf dem letzten Album) einläuten konnten.

Die Betzdorfer Formation Newgrange ist mit ihrem »Super-Rock« neuester Generation auf dem großen Sprung. Am 9. Juni wird sie als Vorband von Rayman im Schlosspark Lich auftreten – am Samstag rockten sie erst einmal auf heimischen Terrain. Oliver Gritschke (Gesang), Björn Saul und Heinrich Pfeifer (Gitarre), Achim Dörner (Bassist), Jenny Jung (Violine) und Melanie Schütz (Keyboards) ließen neben älteren Dauerbrennern vor allem Stücke des neuesten Silberlings über die Verstärker rauschen: Gnadenlos bass- und rifflastig haben das sphärische »Let me live« oder das von sanften Geigen zu harten Gitarren wechselnde, äußerst melodische »Believe« echtes Hitpotenzial. Fand auch das Publikum.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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