Für 24-Jährigen war die eigene Befriedigung Hauptsache

Angeklagter des schweren sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen für schuldig befunden

malu Betzdorf. »Ich habe in meiner Videosammlung keine Pornos.« Das allein wäre schließlich auch nicht strafbar. Bei der Verlesung der Anklagepunkte im Schöffengericht Betzdorf jedoch wurde schell klar, dass es hier um wesentlich gravierendere Vorwürfe ging: Der Angeklagte Franz K. (Name geändert) hatte sich am Montag in Betzdorf wegen sexuellen Missbrauchs sowie schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern zu verantworten.

Im Hinblick auf diese schwerwiegenden Beschuldigungen schien Anklagepunkt Nummer drei, die Verbreitung pornografischen Materials, vergleichsweise harmlos. Franz K. wollte von all dem jedoch nichts wissen selbst nachdem Richter Hubert Ickenroth den Angeklagten darauf hinwies, dass ein umfassendes Geständnis den bereits Vorbestraften vor einer Freiheitsstrafe bewahren könnte, stritt dieser jegliche gegen ihn erhobene Vorwürfe ab.

Im Laufe des Prozesses zeigte er dann jedoch keineswegs die Initiative, um seinen zweifelhaften Standpunkt zu untermauern. Fast lethargisch verfolgte er die Prozedur, die kaum darauf hinauslaufen konnte, seine selbsternannte Unschuld zu beweisen.

Schritt für Schritt versuchte sich Richer Ickenroth an die Wahrheit heranzutasten. Zwei 13–jährigen Mädchen, bei denen es sich um die Klägerin und die Hauptzeugin handelte, erklärten, sich an einem nicht genau bestimmbaren Freitag Anfang August letzten Jahres gegen 24 Uhr heimlich getroffen zu haben, um »etwas zu unternehmen«. Sie beschlossen, einem mehr oder weniger Bekannten der beiden einen Besuch in seiner Wohnung abzustatten. Als sie an dessen Haustür klingelten, öffnete jedoch nicht wie erwartet ihr Bekannter Erik T. Der junge Mann, der ihnen aufmachte und sie in sein Zimmer bat, sei der Angeklagte gewesen, erklärten Beate S. und Theresa U. einstimmig.

Erik T. hingegen war weder in besagter Nacht noch beim Gerichtsverfahren, zu dem er als Zeuge geladen war, anwesend. Im Laufe der Nacht hatten die drei nach und nach einige Gläser Bier getrunken, welches der Gastgeber großzügig reichte. Als der junge Besuch schließlich einen Blick in die Videosammlung des Angeklagten warf, entdeckten die Mädchen einen Pornofilm, den sie auf eigene Initiative in den Videorekorder legten und abspielten. Franz K. habe an dieser Stelle zwar Bedenken geäußert, verhinderte jedoch nicht, dass der Film letztendlich angeschaut wurde. Auf dem Bett des Angeklagten sei es schließlich zu einer sexuellen Annäherung zwischen Franz und Beate gekommen, die vom Angeklagten ausging.

Die mit Details gespickte Rekonstruktion dessen, was nun folgte, lieferte jedoch nicht das Opfer selbst. Während sich Beate an die verhängnisvolle Nacht kaum erinnern konnte, wusste ihre Freundin Theresa, die sich während der Tatzeit nach wie vor im Zimmer des Angklagten aufhielt, Genaueres: Franz habe sich dem betrunkenen jungen Mädchen mehr und mehr angenähert und sie schließlich ausgezogen. Daraufhin habe er mit der 13–Jährigen den Beischlaf vollzogen, obwohl Theresa ihn auf das Alter des Mädchens hingewiesen hatte. Zwar habe er dabei keinerlei körperliche Gewalt angewendet und von dem Mädchen abgelassen, als es darum bat. Offensichtlich war aber, dass er die alkoholbedingte Willenlosigkeit zu seiner eigenen Befriedigung ausgenutzt hatte.

Erst durch die Schwester des Opfers kam es schließlich zu einem Gespräch, in dem Beate ihrer Mutter von dem Vorfall berichtete. Frau S., die ihre Tochter in jener Nacht im eigenen Bett wähnte, ging mit Beate zunächst zum Frauenarzt und erstattete schließlich Anzeige. In diesem Alter verpasse man ja vieles, was die Kinder so machten, erklärte sie aufgebracht.

Nachdem die beiden Mädchen und ihre Mütter vernommen worden waren, bestand kaum ein Zweifel an der Schuld von Franz K. So hatte Verteidiger Michael Kolowski dem Antrag des Staatsanwaltes Jens Bügel, der für drei Jahre Haft plädierte, wenig entgegenzusetzen. Der Hinweis, es könne sich um ein Komplott der Mädchen gegen den Angeklagten handeln, ließ Ickenroth aufgrund fehlender Motive für eine solche Intrige nicht zu. Auch dass das Mädchen zum Zeitpunkt der Tat einen 24-jährigen Freund hatte, mit dem es vielleicht bereits sexuell verkehrt hatte und den es schützen wollte, schloss das Gericht aus. Das nicht eindeutige Gutachten der Gynäkologin, die Beate nach dem Vorfall untersucht hatte, konnte diese Vermutung jedenfalls nicht entkräften.

Der Hinweis auf den besonderen Umstand, der sich aus dem plötzlichen Verschwinden des Mitbewohners ergab, ließ für das Gericht ebenfalls keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten aufkommen. Die Tatsache, dass der Angeklagte sich nicht einmal ansatzweise zu der Tat bekannte, wurde von der Staatsanwaltschaft als weiterer Belastungspunkt vermerkt.

Richter Hubert Ickenroth sprach den Angeklagten in allen Punkten schuldig, ließ sein Urteil jedoch ein wenig milder ausfallen als von der Staatsanwaltschaft gefordert: Aufgrund verminderter Schuldfähigkeit durch Alkoholeinfluss wurde Franz K. zu zwei Jahren und neun Monaten ohne Bewährung verurteilt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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