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Amtsgericht Betzdorf
Für zig Handys kassiert - aber keins geliefert

Pärchen aus der Sieg-Heller-Stadt muss sich vor dem Amtsgericht Betzdorf für Internetabzocke rechtfertigen.
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  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

dach Betzdorf. Ein iPhone gefällig? Oder doch lieber ein Smartphone aus koreanischer Herstellung, also eines von Samsung? Oder darf es eine Playstation sein, zum Daddeln nach Feierabend? All das haben über einen Zeitraum von fast einem Jahr Heike F. und ihr Lebensgefährte Roland B. (alle Namen geändert) beinahe wöchentlich im Angebot gehabt. Per Kleinanzeige oder Versteigerung im Internet boten sie hochwertige Elektronikartikel feil. Sie ließen sich das Geld dafür überweisen – nur taten sie eines nicht: die Waren verschicken.
Davon jedenfalls ist die Koblenzer Staatsanwaltschaft überzeugt. Nun wird dem Paar aus Betzdorf am hiesigen Amtsgericht der Prozess gemacht. „Wir haben zahlreiche Anklageschriften zu verlesen“: Mit diesen Worten stieg Richter Erich Massow in die Verhandlung ein.

dach Betzdorf. Ein iPhone gefällig? Oder doch lieber ein Smartphone aus koreanischer Herstellung, also eines von Samsung? Oder darf es eine Playstation sein, zum Daddeln nach Feierabend? All das haben über einen Zeitraum von fast einem Jahr Heike F. und ihr Lebensgefährte Roland B. (alle Namen geändert) beinahe wöchentlich im Angebot gehabt. Per Kleinanzeige oder Versteigerung im Internet boten sie hochwertige Elektronikartikel feil. Sie ließen sich das Geld dafür überweisen – nur taten sie eines nicht: die Waren verschicken.
Davon jedenfalls ist die Koblenzer Staatsanwaltschaft überzeugt. Nun wird dem Paar aus Betzdorf am hiesigen Amtsgericht der Prozess gemacht. „Wir haben zahlreiche Anklageschriften zu verlesen“: Mit diesen Worten stieg Richter Erich Massow in die Verhandlung ein. Und er hatte Recht: Oberamtsanwalt Seibert musste zu insgesamt sieben verschiedenen Mappen greifen, um alle Vorwürfe vorzulesen. Mal war er angeklagt, mal sie, im Hauptverfahren aber beide gemeinsam.

Angeklagte spricht über ihre Spielsucht

Dabei ging es – mit einer Ausnahme – stets um dieselbe Masche: Im Netz wurden beliebte Unterhaltungsartikel angeboten, eben Smartphones und Spielekonsolen, meist unter falschen Persönlichkeitsprofilen, also unter sogenannten Fake-Accounts. Sobald sich Käufer und Verkäufer handelseinig waren – entweder per Nachrichtenaustausch oder aber per Auktion – wurde das Geld, meist mittlere dreistellige Beträge, überwiesen, allerdings auf ein echtes Konto. Dann wurde das Geld abgehoben, fertig.
Über 30 Mal soll das so gelaufen sein. Und Heike F. gab auch zu, dass sie damit eine Zeit lang ihre Spielsucht finanziert habe. Immer dann, wenn sie in einer Spielhalle war, habe sie 200 bis 250 Euro benötigt. „Und ich war jeden Tag drin.“
Die 45-Jährige gab an, für ihre Missetaten die Girokonten ihres Partners genutzt zu haben. Roland B. habe davon nichts mitbekommen. Die Spielsucht habe sie verheimlicht. Die Karten dafür habe sie ohne sein Wissen aus seinem Portemonnaie genommen. Wie sie dann die PIN-Abfrage am Geldautomaten überwunden habe, wollte der Richter wissen. Heike F: „Herr B. ist leider so dumm und schreibt seine PIN-Nummern hinten auf die Karten.“

Oberamtsanwalt hat erhebliche Zweifel

Seit drei Monaten aber gehe sie nicht mehr zocken, sondern daddele stattdessen auf ihrem Handy, allerdings ohne Geldeinsatz, sagte Heike F. Sie habe sich zudem eine Therapeutin gesucht und sogar die Einsetzung eines Betreuers beantragt.
Roland B. – der wie seine Freundin von Hartz IV lebt – gab stoisch zu Protokoll, von den Betrügereien nichts gewusst zu haben. Er habe zudem weite Teile des in Rede stehenden Zeitraums in Krankenhäusern verbracht, könne damit also nichts zu tun gehabt haben.
Das wiederum interessierte Oberamtsanwalt Seibert. Denn schließlich könnte es den 40-jährigen Angeklagten durchaus entlasten, wenn er eine stationäre Behandlung außerhalb der Region nachweisen könne, während von seinem Konto etwa in Betzdorf Geld abgehoben worden ist. Jedenfalls regte er an, bei den betroffenen Banken nach Videoaufzeichnungen der Überwachungskameras zu fragen. Außerdem sollen die Kontobewegungen im Einzelnen überprüft werden. Die Ergebnisse dessen werden dann in einen neuerlichen Prozess einfließen: Richter Massow entschied, dass ein neuer Termin von Amts wegen anberaumt wird.
Falls das Paar also dachte, es wäre mit dem Geständnis von Heike F. aus dem Schneider, hatte es sich jedenfalls geschnitten. Denn nicht zuletzt Oberamtsanwalt Seibert hatte erhebliche Zweifel an der Geschichte, die Heike F. und Roland B. präsentierten: „Es wäre nicht das erste Mal, dass man zwei Angeklagte hat und der eine sagt: ,Ich nehme alles auf mich.’“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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