Gassenhauer im Metalgewand

Sechs Bands ließen es beim Betzdorfer Rockforum krachen

rio Betzdorf. Die Bässe wummerten, die E-Gitarren schwirrten, das Publikum tobte – auch nach 17 Auflagen hat das Betzdorfer Rockforum nichts an Attraktivität eingebüßt. Die Stadthalle war brechend voll, die sechs Bands aus dem Umland bzw. aus dem polnischen Krapkowice allesamt bestens aufgelegt.

Den Auftakt machten Identity Crisis, eine junge Band, die ihren Stil irgendwo zwischen Screamo und Alternative Rock sucht. Frontmann Marcus Eisentraut, der sich mehr als Shouter denn als Sänger definierte, verausgabte sich auf der Bühne völlig und erntete dafür ab und an sogar Sonderapplaus. In der Tradition der Ärzte stand derweil der Auftritt des Hilchenbacher Trios Mamas Sünden, das mit seinem Punkrock die ersten Zuhörer zum Pogen animierte.

Doch war das erst das Aufwärmprogramm, denn so richtig ging der Punk ab bei einer Band, die gar keinen Punk spielt, sondern Ska. Destination Anywhere, die in diesem Jahr schon den Siegener Rockförderpreis abräumten, waren auch das absolute Highlight in der Betzdorfer Stadthalle. Die Stakkato-Rhythmen von Bass, Gitarre und Schlagzeug – mit Blechblasinstrumenten untermalt – ließen keinen im Publikum kalt. Denn nicht nur die originelle Instrumentierung hatte ihren Reiz; was die junge Nachwuchsband bot, war Party vom Feinsten.

Da hatten es die drei Jungs von Anahata, einer Metalband aus Krapkowice, der polnischen Partnerregion des Landkreises Altenkirchen, zunächst schwer, mit ihrem Kontrastprogramm die tolle Stimmung am Leben zu halten. Frontmann »Drops« verstand sich nämlich überwiegend aufs Grölen und Grollen denn aufs Singen. Doch spätestens beim Cover von Gloria Gaynors »I Will Survive«, hatte das Trio die Gunst des Publikums erobert – auch wenn »Drops« den Text (ebenso wie bei Iggy Pops »Passenger«) vom Blatt ablesen musste, die Anahata-Version des 70er-Jahre-Gassenhauers war schlichtweg ein genialer Schelmenstreich. Angefangen als Funkversion, steigerten die Polen das Lied schließlich zu einem Metalkracher.

Solch ausgefallenes Liedgut hatten Gardens of Grief zwar nicht zu bieten, doch knüpften sie mit ihrem dichten, treibenden Metalsound nahtlos an ihre Vorgänger an. Melodien waren auch bei dieser Band zweitrangig. Hauptsache, es krachte, wummerte, und die Haarpracht der Anhängerschar wurde kräftig durchgeschüttelt.

Angesichts dieses massiven Soundteppichs hatte es die Siegener Band Meadow Saffron schwer, die Stimmung am Leben zu halten. Die Organisatoren von Kreisjugendamt und den Jugendpflegen der Verbandsgemeinden Betzdorf und Kirchen wären in Zukunft gut beraten, die Zahl der Bands auf fünf zu reduzieren. Sechs Stunden lang vor der Bühne powern – das hält selbst der austrainierteste Rockfan nicht durch. Und so spielten Meadow Saffron vergeblich dagegen an, dass sich die Stadthalle zunehmend leerte. Das lag nicht sicher nicht am eingängigen Indie-Rock der Band, sondern schlicht daran, dass nach fünf Stunden Dauerbeschallung beim Publikum einfach die Luft raus war.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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