Zwei Hunde und zwei Herrchen im Clinch
Gassi-Runde endet vor Gericht

Zwei Hunde und zwei Herrchen im Clinch - ein Mischling landete in der Tierklinik.
  • Zwei Hunde und zwei Herrchen im Clinch - ein Mischling landete in der Tierklinik.
  • Foto: Symbolfoto: pixabay
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Betzdorf. Oskar und Sammy werden in diesem Leben keine Freunde mehr, soviel ist sicher. Und ihre beiden Herrchen werden sich noch das eine oder andere Mal im Gerichtssaal begegnen. Da ist es doch immerhin eine gute Nachricht, dass die erste Runde im juristischen Kräftemessen für alle Beteiligten ziemlich schmerzlos über die Bühne gegangen ist.

Schmerzlos: So ist das Treffen der beiden Hunde im Betzdorfer Wald am frühen Morgen des 30. Oktober 2019 keineswegs verlaufen. Der Belgische Schäferhund Oskar musste eine Kopfverletzung einstecken, Mischling Sammy landete sogar in der Tierklinik. Wie es zu der Beißerei bei der Gassirunde gekommen ist, musste jetzt der Betzdorfer Strafrichter Tim Hartmann klären. Und das war gar nicht so einfach.

Auf der Anklagebank musste Oskars Herrchen Platz nehmen – zumindest an diesem Vormittag. Denn auch gegen den Halter von Sammy liegt eine Anzeige vor; diesmal aber war der 29-jährige Ben E. (Namen geändert) lediglich als Zeuge geladen. Denn er hatte nach dem Vorfall im Herbst 2019 Anzeige erstattet, und zwar wegen fahrlässiger Körperverletzung und Beleidigung. Er sei von Oskar böse in den Arm gebissen worden und noch dazu von dessen Herrchen, dem 59-jährigen Horst R., übelst beschimpft worden: „Du Spinner, verpiss Dich endlich!“

Von beiden Vorwürfen wollte der Angeklagte aber nichts wissen. Er berichtete, dass sein Hund bei der Morgenrunde an der Leine gewesen sei – obwohl das eigentlich nicht nötig sei. Denn Oskar sei perfekt ausgebildet: Er habe lange von Hundeführern des Bundesgrenzschutzes und der Polizei gelernt, und nach wie vor sei er regelmäßig im Training. „Der gehorcht aufs Wort“, versicherte Horst R.

Dass es trotzdem zu einer Beißerei mit Sammy gekommen sei, gehe aufs Konto des Mischlings: Der habe den gesamten Spielraum seiner Flexileine genutzt, um sich auf Oskar zu stürzen und ihn in den Kopf zu beißen. „Da hat sich mein Hund natürlich gewehrt“, berichtete der Angeklagte. Ben E. habe keinen Schaden erlitten – zumindest nicht von Oskar. „Der Mischling war total außer Rand und Band und hat sein eigenes Herrchen mit der Flexileine eingeschnürt.“ Vielleicht sei Ben E. ja bei dem Gerangel von seinem eigenen Hund verletzt worden? Oskar jedenfalls sei unschuldig: „Da wird der von seinem eigenen Hund gebissen – und ich soll bezahlen?“ Und auch der Vorwurf der Beleidigung gehe ins Leere: „Ich hab dem anständig gesagt, dass er sich melden soll, wenn was passiert ist, dann kann das die Versicherung regeln.“

Wie so oft vor Gericht, gingen die Wahrnehmungen auch in diesem Fall spürbar auseinander. Ben E. berichtete, dass Oskar keineswegs angeleint gewesen sei: „Der Hund kam auf mich zugestürmt und hat sich sofort in meinem Hund verbissen“, berichtete der 28-Jährige. Natürlich habe er versucht, die Tiere voneinander zu trennen – aber: „Ich habe den Schäferhund nicht zu fassen bekommen.“

Allerdings: Von seiner Verletzung am Arm wollte der Zeuge vor Gericht plötzlich nichts mehr wissen, und auch die Beleidigung klang etwas anders als in der polizeilichen Vernehmung. „Er hat mich Spinner und Idiot genannt. Das ist das Standardmäßige, was er immer zu mir sagt.“

Dem Rechtsanwalt des Angeklagten, Carsten Marx aus Siegen, kam die Aussage spanisch vor: „Ich will den Zeugen nicht in eine Falschaussage laufen lassen“, meinte er und regte daher an, nicht noch tiefer einzusteigen. Stattdessen plädierte er für eine Einstellung des Verfahrens: Vom Tatvorwurf der Körperverletzung sei nichts geblieben, und die Beleidigung erscheine fraglich.

Also blieb unterm Strich nur die Beißerei – und die ist kein Fall für den Strafrichter: Laut deutscher Rechtsprechung sind Tiere Sachen. Und für eine fahrlässige Sachbeschädigung kann niemandem der Prozess gemacht werden, stellte Staatsanwalt Maximilian Fritz klar. Und so wurde das Verfahren eingestellt.

Im Gegenzug hat Horst R. seine Anzeige gegen Ben E. zurückgezogen. Und was bleibt? Ein juristischer Streit vor dem Zivilgericht, einer vor dem Verwaltungsgericht. Und die Hoffnung, dass sich die Wege von Oskar und Sammy nicht noch einmal kreuzen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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