29-jähriger Ungar kämpft vor Gericht
Geblitzt - aber in welchem Auto?

Am Starenkasten auf der B 62 in Mudersbach wurde der 29-Jährige geblitzt. Nur: in welchem Auto? Das war die entscheidende Frage vor Gericht.
  • Am Starenkasten auf der B 62 in Mudersbach wurde der 29-Jährige geblitzt. Nur: in welchem Auto? Das war die entscheidende Frage vor Gericht.
  • Foto: cs (Symbolfoto)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

dach Betzdorf/Mudersbach. 6 Stundenkilometer zu schnell, das macht 615 Euro: Diese Rechnung bekam jetzt ein 29-Jähriger präsentiert, der vor knapp zwei Jahren vom Starenkasten in Mudersbach „geblitzt“ worden war.
15 Euro Bußgeld hatte die Verbandsgemeinde Kirchen aufgerufen – und von Erich U. (Name geändert) auch per Überweisung erhalten. Doch dann kam die Justiz ins Spiel. Denn der Wagen, der da (als erstes) fotografiert worden war, war nicht angemeldet und ergo auch nicht versichert. Das hatte einen Strafbefehl zur Folge: 600 Euro sollte Erich U. berappen, wegen eines Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz.

Auto angeblich verkauft

Dagegen ging der Ungar vor, erschien dieser Tage bereits zum zweiten Mal vor dem Betzdorfer Amtsgericht. Und er blieb bei seiner Version der Geschichte, die Richter Tim Hartmann zusammenfasste: Er habe die Mercedes A-Klasse, die auf dem Blitzerfoto zu sehen ist, zuvor verkauft. An wen, wisse er nicht. Er habe keinen Kaufvertrag gemacht. „Sonst hätte ich das längst beweisen können“, ließ er über einen Dolmetscher mitteilen.
Er selbst habe nicht die A-Klasse gesteuert, deren Kennzeichen deutlich sichtbar entsiegelt waren. Er habe am Lenkrad des Wagens dahinter, eines VW Golfs, gesessen. Dieses Auto wurde eine Sekunde nach dem Mercedes ebenfalls mit 6 km/h zu viel geknipst.

Gutachter bringt hohe Kosten mit sich

Alle Beteiligten schauten sich die Aufnahmen genau an. Und der Vertreter der Staatsanwaltschaft kam zu dem Schluss: Der Angeklagte sei eben doch der Mercedes-Fahrer. „Und zwar ziemlich eindeutig.“ Doch Erich U. dementierte weiterhin hartnäckig. Nun hätte nur noch ein Gutachten geholfen, was der Staatsanwalt aber offenbar nicht als verhältnismäßig einstufte. Er beantragte, das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldauflage einzustellen.
Das aber stieß bei dem 29-Jährigen nur auf begrenzte Gegenliebe. Er habe doch schon gezahlt, sagte er und meinte besagte 15 Euro. „Aber Sie sehen dem Fahrer des ersten Autos wesentlich ähnlicher …“, versuchte Richter Hartmann dem Angeklagten, der ohne Anwalt erschienen war, klarzumachen. Ein Gutachter könne schon anhand eines Ohres erkennen, ob er die fragliche Person sei oder nicht. Und: Günstig seien solche Dienste nicht gerade. Wenn der Experte zu dem Schluss komme, dass er, also der Angeklagte, am Steuer gesessen hatte, werde die Staatsanwalt garantiert nicht noch ein zweites Mal beantragen, das Verfahren einzustellen. Und bei einem Schuldspruch würden diese Kosten beim Verurteilten hängen bleiben.

200 Euro Strafe

Diesen Samba mit dem Zaunpfahl verstand Erich U. schließlich. Er gab sich aber weiterhin streitlustig: 600 Euro seien zu viel. Mit 300 Euro würde er hingegen leben können. Es kam noch deutlich besser für ihn. Auf die Frage nach dem Verdienst (1300 Euro) folgte die nach der Anzahl der Kinder (drei). Heraus kam schließlich eine Auflage in Höhe von 200 Euro. Erich U. abschließend: „Okay, danke.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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