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Offenbar verwirrter Mann vor dem Landgericht
Geheimwaffe des Dritten Reichs

Der offensichtlich verwirrte Mann ist nun ein Fall für die Justiz.

damo Koblenz/Wissen/Hachenburg. Der Mann mit den schwarzen Handschuhen und dem langen Ledermantel aus Zeiten des Dritten Reichs ist in Hachenburg ein fester Bestandteil des Stadtbilds. Fast jeder kennt ihn, manche halten ihn für einen harmlosen Sonderling, andere gruseln sich ein bisschen. Wenn die Polizei in den Schulen Unterrichtsbesuche macht, werden die Beamten oft nach dem Mann gefragt. Und in der Bäckerei, wo der Mantelträger einen Ladendiebstahl begangen haben soll, meint die Verkäuferin im März 2018, dass es schlimmer geworden ist. Ganz daneben liegt die Dame damit nicht.

Schon seit einigen Jahren läuft im Leben von Sascha S. (Name geändert) nicht mehr alles ganz rund – zumindest nicht nach objektiven Gesichtspunkten.

damo Koblenz/Wissen/Hachenburg. Der Mann mit den schwarzen Handschuhen und dem langen Ledermantel aus Zeiten des Dritten Reichs ist in Hachenburg ein fester Bestandteil des Stadtbilds. Fast jeder kennt ihn, manche halten ihn für einen harmlosen Sonderling, andere gruseln sich ein bisschen. Wenn die Polizei in den Schulen Unterrichtsbesuche macht, werden die Beamten oft nach dem Mann gefragt. Und in der Bäckerei, wo der Mantelträger einen Ladendiebstahl begangen haben soll, meint die Verkäuferin im März 2018, dass es schlimmer geworden ist. Ganz daneben liegt die Dame damit nicht.

Schon seit einigen Jahren läuft im Leben von Sascha S. (Name geändert) nicht mehr alles ganz rund – zumindest nicht nach objektiven Gesichtspunkten. Sein Drogenkonsum nimmt zu, vor allem aber driftet er immer mehr in seinen eigenen Kosmos ab. Und der ist nach allem, was über ihn gesagt wird, ziemlich bizarr.

Die Gerichtsprotokolle und die Akten der Koblenzer Staatsanwaltschaft zeichnen ein verstörendes Bild. Offenbar gibt es im Leben von Sascha S. immer wieder Phasen, in denen er sich für einen Hauptsturmbannführer der SS hält. Er sei der „gesandte Vollstrecker, die Geheimwaffe des Dritten Reichs“. In solchen Phasen marschiert er in seinem Ledermantel und mit seinen Handschuhen durch die Innenstadt, ein Luftgewehr über der Schulter. Dann marodiert er im Hachenburger Rathaus, wird gegenüber Bürgermeister Peter Glöckner handgreiflich. Er verfolgt seinen früheren Vermieter durch die Gassen der Hachenburger Altstadt, beschimpft ihn unflätig und bedroht ihn mit einem Messer.

Im Frühjahr vergangenen Jahres eskaliert die Lage vollends. Da vergeht eine Woche lang kaum ein Tag, an dem die Polizisten nicht wegen Sascha S. ausrücken müssen. Und es wird nach Angaben der Beamten immer schwerer, zu dem damals Obdachlosen durchzudringen. „Es war kaum einzuschätzen, in welcher Welt er gerade ist“, gibt einer der Beamten im Zeugenstand des Koblenzer Landgerichts zu Protokoll. Für den Abend des 4. Mai 2019 kann man getrost unterstellen, dass Sascha S. in seiner ganz eigenen Welt unterwegs war.

Die Beamten werden zu einem Einsatz in der Judengasse gerufen. Nach Angaben der Polizisten versucht der 43-Jährige mit aller Gewalt, in ein Haus einzudringen. Nach Darstellung der Beamten tritt und hämmert er wie von Sinnen gegen die Tür. Von den Polizisten nimmt er praktisch keine Notiz. „Wir haben geschrieen und Pfefferspray eingesetzt. Aber er hat uns nicht einmal angeschaut“, berichtet einer der beiden Beamten. Obwohl die beiden Polizisten körperlich gut gebaut sind, dauert es fünf Minuten, bis sie Sascha S. endlich überwältigt und fixiert haben. Noch am Abend landet er in der Wissener Psychiatrie.

Der Fall wird aktenkundig, ein Ermittlungsverfahren beginnt. Sascha S. wird zu dem Abend befragt. „Die beiden Beamten werde ich mit einer 9 Millimeter exekutieren“, sagt er dem Ermittlungsrichter.

Dass solche Äußerungen nicht ohne Folge bleiben, liegt auf der Hand. Betrachtet man nur die Straftaten, die im Raum stehen, ist der Fall von Sascha S. kein Fall für ein Landgericht: Bis zu einer bestimmten Schwere der Taten sind die Amtsgerichte zuständig, und diese Grenze ist hier noch nicht überschritten. Aber: Wenn ein Mensch wegen psychischer Beeinträchtigungen für sich und seine Umwelt zur Gefahr wird, kann das Instrument der Unterbringung greifen. Und darüber, ob ein psychisch kranker Straftäter dauerhaft in einer forensischen Anstalt landet, muss eben eine Strafkammer des Landgerichts entscheiden.

Genau das läuft derzeit in Koblenz. In der kommenden Woche will die Kammer ein Urteil fällen. Viel wird vom psychiatrischen Gutachten abhängen, das am Donnerstag verlesen werden soll.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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