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Anklage-Liste ist lang
Geiselnahme, Freiheitsberaubung, versuchte Vergewaltigung...

Die Liste der Vorwürfe, für die sich Farid A. vor dem Landgericht Koblenz verantworten muss, ist lang.
  • Die Liste der Vorwürfe, für die sich Farid A. vor dem Landgericht Koblenz verantworten muss, ist lang.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

dach Betzdorf/Kirchen. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Farid A. (Name geändert) ist wegen Geiselnahme, Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung, versuchter Vergewaltigung und wegen Drogenhandels angeklagt. Seit Freitag muss sich der Afghane, der zuletzt in Betzdorf lebte, aber seit geraumer Zeit in Untersuchungshaft sitzt, vor dem Koblenzer Landgericht verantworten. Die Anklage gegen den 36-Jährigen unterteilt sich im Wesentlichen in drei Komplexe:

Drogenhandel: Ihm wird vorgeworfen, unter dem Decknamen „Arian“ mit Marihuana, Amphetamin und Kokain gedealt zu haben, und zwar gewerbsmäßig. Während er Amphetamin und Kokain laut Staatsanwaltschaft ausschließlich an Erwachsene verkauft hat, soll er „Gras“ auch an Minderjährige abgegeben haben.

dach Betzdorf/Kirchen. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Farid A. (Name geändert) ist wegen Geiselnahme, Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung, versuchter Vergewaltigung und wegen Drogenhandels angeklagt. Seit Freitag muss sich der Afghane, der zuletzt in Betzdorf lebte, aber seit geraumer Zeit in Untersuchungshaft sitzt, vor dem Koblenzer Landgericht verantworten. Die Anklage gegen den 36-Jährigen unterteilt sich im Wesentlichen in drei Komplexe:

  • Drogenhandel: Ihm wird vorgeworfen, unter dem Decknamen „Arian“ mit Marihuana, Amphetamin und Kokain gedealt zu haben, und zwar gewerbsmäßig. Während er Amphetamin und Kokain laut Staatsanwaltschaft ausschließlich an Erwachsene verkauft hat, soll er „Gras“ auch an Minderjährige abgegeben haben. Der jüngste „Kunde“ war demnach 15 Jahre alt. Einige Dutzend Fälle sind in der Anklageschrift vermerkt, oft geht es um 10-Euro-Portionierungen.
  • Sexualdelikte: Bei zwei seiner Kundinnen soll Farid A. übergriffig geworden sein, eine davon seinerzeit 16 Jahre alt. In beiden Fällen legte er sich laut Anklageschrift im Rahmen von Drogendeals auf seine Opfer, versuchte sie an den Geschlechtsteilen zu streicheln und/oder drückte seinen Intimbereich auf den seines Gegenübers. Die Frau konnte Farid A. mit Schreien vom Weitermachen abhalten, das Mädchen mit einem Kniestoß in die Weichteile, heißt es weiter.
  • Freiheitsberaubung etc: Im Mittelpunkt dessen steht eine inzwischen geschiedene Ehe, aus der drei Kinder entstanden sind. Zunächst soll es einen Streit zwischen den Eheleuten gegeben haben, Farid A. dabei mit den Fäusten auf seine Gattin eingeschlagen haben. Ebenfalls in der Anklageschrift vermerkt: eine Todesdrohung. Die Frau trennte sich von Farid A. Bei einem Wiedersehen soll der Angeklagte seiner Frau dann mit einer Eisenstange auf den Kopf geschlagen haben. In der Folge soll er sich einer Freundin seiner Frau, eine entfernte Verwandte, bemächtigt haben. Am Frankfurter Hauptbahnhof soll er es geschafft haben, dass die Freundin in einen Wagen einstieg, in dem er selbst saß. Dort habe er sie mit einem langen Messer bedroht. Das Auto brachte beide zu seiner damaligen Wohnadresse in Kirchen. Dort bot er ihr demnach 10 000 Euro, wenn er ihr helfe, seine Frau zurückzubekommen. Andererseits habe Farid A. der Freundin gedroht, sie in der Wohnung über eine Woche festzuhalten. Danach stiegen beide aber in einen Zug nach Siegen, dann nach Frankfurt. Dabei habe Farid A. die Frau dazu genötigt, seine Gattin anzurufen. Dabei soll er sowohl das Messer als auch eine Pistole dabei gehabt haben. Mit einem Vorwand habe sich die Freundin schließlich nach sieben Stunden aus der Gewalt des Angeklagten befreien können.

Zu all diesen Vorwürfen schwieg Farid A. beim Prozessauftakt. Einer seiner beiden Pflichtverteidiger, Markus Herzog (der zweite ist der Kirchener Anwalt Marcel Arnal), regte eine Verständigung an und bat Staatsanwaltschaft sowie Kammer darum, für den Fall eines Geständnisses einen Strafrahmen anzugeben. Von der Anklageseite kam die – zu diesem Zeitpunkt – vorsichtige Prognose von sechs bis sieben Jahren Freiheitsstrafe. Der Vorsitzende Richter Andreas Bendel wollte und konnte keine Angaben machen: Man müsse sich zunächst intern beraten, vor allem auch aufgrund der Vielzahl an Vorwürfen im Zusammenhang mit Drogen: „Das hängt ein bisschen in der Luft.“

Herzog meinte, falls der Strafrahmen zwischen vier Jahren und neun Monaten sowie fünf Jahren und neun Monate liege, werde er seinem Mandanten ein Geständnis empfehlen.

In Heimat bedroht worden

Farid B. war 2016 samt Familie mithilfe eines Schleppers nach Deutschland gekommen, nachdem er zuvor einige Zeit in Tadschikistan verbracht hatte. Laut seinem Wahlverteidiger Dr. Dr. Seyed Iranbomy sei er in seiner Heimat von den Taliban bedroht worden. Dorthin werde er aber, bei einem entsprechenden Urteil, wohl abgeschoben. Iranbomy bemängelte im Gespräch mit der SZ den Umgang mit Männern aus dem muslimischen Kulturkreis, die bei den Institutionen in Deutschland keine Anlaufstelle hätten – und auch keine Lobby.

Auch sein Mandant – Iranbomy verteidigt Farid A. ohne Vergütung – habe schlicht und ergreifend seine Kinder sehen wollen, was ihm verwehrt worden sei. Außerdem verwies er auf ein Urteil des Landgerichts Gießen gegen den 36-Jährigen, das sich ebenfalls mit einer vermeintlichen Geiselnahme besagter Freundin befasst habe. Die hessischen Richter hatten eine solche allerdings nicht bestätigt gesehen, Farid A. stattdessen wegen Nötigung – und anderer Delikte – zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt.

Angeklagter war Opfer eines Überfalls Farid A. war vor rund zwei Jahren Opfer eines Überfalls geworden. Seinerzeit hatten drei junge Männer an der Tür zur Wohnung in Betzdorf geklingelt, in dem den nun Angeklagte gemeinsam mit seiner Mutter lebte. Sie zerrten ihn Räume eines leerstehenden Gastro-Betriebs, zogen ihn aus, fotografierten ihn so, wie Gott ihn schuf, und fesselten ihn. Sie forderten Bargeld und Drogen – denn auch das Trio hielt Farid A. für einen Dealer. Die Täter erbeuteten an jenem Abend einige Hundert Euro Bares, landeten aber am Ende selbst vor dem Kadi.
Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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