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83-Jährige am Zebrastreifen erfasst
Geldstrafe nach tödlichem Unfall

Die Seniorin kam zunächst noch in eine Klinik, erlag dort aber ihren Verletzungen. Archivfoto: sz
  • Die Seniorin kam zunächst noch in eine Klinik, erlag dort aber ihren Verletzungen. Archivfoto: sz
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

damo Betzdorf/Niederschelderhütte. 14. Januar 2019, 7.40 Uhr, Kölner Straße in Niederschelderhütte: Eine 83-Jährige wird auf dem Zebrastreifen von einem Auto erfasst. Sie erleidet heftige Verletzungen, und zwei Tage später stirbt sie im Krankenhaus.

Die Frage nach dem Verursacher ist sofort geklärt: Am Steuer des Opel Zafira hat Hubert M. (Name geändert), ein damals 68-jähriger Rentner, gesessen. Er streitet nicht ab, mit seinem Auto die alte Dame erfasst zu haben. Und die Gerichtsmedizinerin lässt keinen Zweifel daran, dass der Unfall zum Tod geführt hat: „Auch ein jüngerer Mensch ohne Vorerkrankungen hätte diesen Unfall nicht überlebt.“ So viel also ist klar – aber eine zentrale Frage eben noch nicht: Wie viel Schuld hat Hubert M. auf sich geladen?

damo Betzdorf/Niederschelderhütte. 14. Januar 2019, 7.40 Uhr, Kölner Straße in Niederschelderhütte: Eine 83-Jährige wird auf dem Zebrastreifen von einem Auto erfasst. Sie erleidet heftige Verletzungen, und zwei Tage später stirbt sie im Krankenhaus.

Die Frage nach dem Verursacher ist sofort geklärt: Am Steuer des Opel Zafira hat Hubert M. (Name geändert), ein damals 68-jähriger Rentner, gesessen. Er streitet nicht ab, mit seinem Auto die alte Dame erfasst zu haben. Und die Gerichtsmedizinerin lässt keinen Zweifel daran, dass der Unfall zum Tod geführt hat: „Auch ein jüngerer Mensch ohne Vorerkrankungen hätte diesen Unfall nicht überlebt.“ So viel also ist klar – aber eine zentrale Frage eben noch nicht: Wie viel Schuld hat Hubert M. auf sich geladen?

Genau das musste gestern im Betzdorfer Amtsgericht geklärt werden: Dort musste sich Hubert M. wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Schon in seinen ersten Worten, als er lediglich nach seinem Namen und seiner Anschrift gefragt wurde, kämpfte der Rentner mit den Tränen. Kein Zweifel: Ihm hängt der Unfall noch immer nach. Sein Arzt hat eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert, Hubert M. schläft kaum eine Nacht durch, nimmt Medikamente. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran denken muss.“

Natürlich muss er vor allem eine Frage beantworten: Wieso hat er die Rentnerin nicht gesehen? Denn diese Frage drängt sich auf: Hubert M. war nicht zu schnell, der Gutachter geht von rund 40 km/h aus. Er kennt die Strecke, fährt sie seit Jahrzehnten. Der Zebrastreifen ist beleuchtet, er liegt auf einem geraden, vergleichsweise übersichtlichen Abschnitt der B 62. Und: Die alte Dame hatte bereits drei Viertel der Straße hinter sich gelassen, als Hubert M. sie mit seinem Opel erfasste. Also: Wieso hat er sie nicht gesehen?

Hubert M. erklärt das mit den schlechten Sichtverhältnissen. Es habe wie aus Kübeln geschüttet, es sei diesig und dunkel gewesen. Die Lichter der entgegenkommenden Fahrzeuge hätten ihn geblendet. Und zu allem Übel hatte die 83-Jährige dunkle Kleidung an. „Ich habe erst im letzten Augenblick etwas Braunes links vor mir gesehen“, berichtete Hubert M. Sofort habe er gebremst – aber zu spät.

Zwei Augenzeugen hatten den Unfall beobachtet. Der eine davon, ein 49-Jähriger, war mit seinem Wagen in Richtung Niederschelden unterwegs; auf seiner Straßenseite hatte die 83-Jährige die Fahrbahn betreten. „Ich habe sie sehr spät wahrgenommen“, sagte der Zeuge. Und: Ja, die Sicht sei an diesem Morgen wirklich schlecht gewesen.

Er berichtete auch, dass die 83-Jährige die Straße überquert habe, ohne den Blick vom Boden zu heben: „Sie hat sich nicht umgesehen.“ Trotzdem: Obwohl der 49-Jährige viel weniger Zeit zum Bremsen hatte, brachte er seinen Wagen rechtzeitig zum Stehen. Und er wunderte sich, warum Hubert M. im entgegenkommenden Wagen keinerlei Anstalten machte, seinen Opel zu stoppen: „Ich habe noch gedacht: Jetzt wird es aber langsam Zeit zum Bremsen.“

Auch eine Zahnarzthelferin, die noch vor der verschlossenen Praxis wartete, bestätigte, dass es ein ausgesprochen trüber Januarmorgen war. Und der Zebrastreifen sei wirklich miserabel ausgeleuchtet. Sie hatte die 83-Jährige beim Betreten des Zebrastreifens beobachtet. Und sich ein bisschen gewundert: „Sie ist unvorsichtig über den Zebrastreifen gegangen, das muss ich leider so sagen.“

Aber: Wie die 83-Jährige die Straße betreten hat, spielt für den eigentlichen Unfall keine Rolle mehr, gab Oberstaatsanwältin Gertraud Harnischmacher zu bedenken. Schließlich sei sie ja längst über die Mitte der Straße hinaus gewesen, als sie vom Wagen des Angeklagten erfasst wurde.

Harnischmacher beantwortete die Frage, ob der Angeklagte die Frau hätte sehen müssen, mit einem „deutlichen Ja“. Und sie stellte klar: „Niemand denkt, dass Sie das absichtlich getan haben. Aber wir müssen einfach feststellen, dass Sie nicht genug aufgepasst haben.“ Denn wenn man sich bei schlechten Sichtverhältnissen einem Zebrastreifen nähere, dann „muss man eben besonders vorsichtig fahren“.

Harnischmachers Fazit fiel eindeutig aus: „Sie hätte von Ihnen bemerkt werden müssen, wenn Sie hingeschaut hätten. Und da muss man hinschauen.“ Ergo forderte sie, dass der Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 7200 Euro (120 Tagessätze zu je 60 Euro) verurteilt werde – wohl wissend, dass „der Tod eines Menschen durch eine Strafe nicht aufgewogen werden kann“.

Die Verteidigerin des Angeklagten, Sabine Stahlschmidt aus Siegen, stimmte in einem elementaren Punkt nicht mit der Staatsanwältin überein: Für sie war die Schuldfrage keineswegs so klar, was sie mit den schlechten Sichtverhältnissen begründete. Und wenn es schon zu einer Verurteilung kommen solle, dann bitte mit einer niedrigeren Geldstrafe: Sie plädierte auf maximal 90 Tagessätze.

Richterin Anke Puntschuh folgte beiden Vorrednerinnen. Mit Harnischmacher war sie sich bei der Beurteilung der Schuld einig: „Der Angeklagte ist seiner Sorgfaltspflicht nicht im genügenden Maß nachgekommen.“ Und mit Stahlschmidt stimmte sie beim Strafmaß überein: Am Ende wurde Hubert M. wegen fahrlässiger Tötung zu 5400 Euro Strafe verurteilt.

Dem Angeklagten bleibt zu wünschen, dass ihm der Prozess hilft, den Vorfall zu verarbeiten: „Das ist die Hoffnung des Arztes“, sagte seine Anwältin.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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