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Oberstaatsanwalt warnt vor Betrügern
Geldwäsche: Lkw-Fahrer als Opfer vor Gericht

Ein unbescholtener Fernfahrer aus dem Raum Betzdorf steht bald wegen Geldwäsche vor Gericht. Es spricht einiges dafür, dass er selbst zum Opfer einer Betrügerbande geworden ist.
  • Ein unbescholtener Fernfahrer aus dem Raum Betzdorf steht bald wegen Geldwäsche vor Gericht. Es spricht einiges dafür, dass er selbst zum Opfer einer Betrügerbande geworden ist.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Betzdorf/Koblenz. Das Wort „Geldwäsche“ eignet sich bestens, um das Kopfkino zu starten: Man denkt an den Paten, an Schutzgelderpressung und vielleicht auch an Männer, die mit den Füßen in Zement stehend im Hafenbecken von Palermo versenkt werden. Was in dieser Assoziationskette sicher nicht auftaucht, ist ein unbescholtener Lastwagenfahrer aus dem Raum Betzdorf, der etwas leichtgläubig seine Bankkarte verschickt hat. Aber auch er ist der Geldwäsche angeklagt.
Allerdings: Vieles spricht vor dem Prozessbeginn dafür, dass der Mann eher Opfer denn Täter ist.

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damo Betzdorf/Koblenz. Das Wort „Geldwäsche“ eignet sich bestens, um das Kopfkino zu starten: Man denkt an den Paten, an Schutzgelderpressung und vielleicht auch an Männer, die mit den Füßen in Zement stehend im Hafenbecken von Palermo versenkt werden. Was in dieser Assoziationskette sicher nicht auftaucht, ist ein unbescholtener Lastwagenfahrer aus dem Raum Betzdorf, der etwas leichtgläubig seine Bankkarte verschickt hat. Aber auch er ist der Geldwäsche angeklagt.
Allerdings: Vieles spricht vor dem Prozessbeginn dafür, dass der Mann eher Opfer denn Täter ist.

Oberstaatsanwalt warnt vor Betrügern

Denn es war offenbar nicht sein erklärtes Ziel, Einnahmen aus zweifelhafter Quelle in saubere Banknoten umzuwandeln – auch wenn sein Konto genau dafür genutzt worden ist: Knapp 20 000 Euro sind von seinem Konto in Westafrika aus dem Automaten gezogen worden.
Wie es dazu gekommen ist, ahnt Sven Regner nur allzu genau. Der Koblenzer Oberstaatsanwalt ist schwerpunktmäßig für Wirtschaftskriminalität zuständig, und so kennt er die Tricks der Betrügerbanden. Und eine Masche ist eben die, der der oben erwähnte Angeklagte offenbar aufgesessen ist.
Denn: Bei vielen Betrugsmaschen spielen illegal genutzte Konten eine entscheidende Rolle. Ob Passwörter gehackt werden und anschließend Konten geplündert werden oder ob bei Ebay-Kleinanzeigen teure Waren verkauft und nie verschickt werden: Diese Maschen funktionieren mit dem eigenen Konto natürlich nicht. Denn es wäre nur begrenzt clever, 20 nicht existente i-Phones zu verkaufen und sich das Geld dafür auf das eigene Konto überweisen zu lassen. Wenn das Geld aber auf einem Konto landet, auf das sich der Betrüger heimlich einen Zugriff erschlichen hat, klappen die diversen Betrügereien deutlich besser.

Betrüger wechseln häufig ihre Maschen

Häufig, berichtet Regner, agieren zwei Betrüger-Gruppen Hand in Hand: Die einen beschaffen die Konten und geben sie weiter, die anderen sehen zu, dass sie mit krummen Geschäften für üppige Zahlungseingänge sorgen.
Dabei beobachtet Regner, dass die Kontenbeschaffer häufig ihre Maschen wechseln: „Die Banken bekommen ja mit, welche Betrugsmuster gerade praktiziert werden. Wenn sie darauf reagieren und ihre Sicherheitsbestimmungen anpassen, ändern die Betrüger ihre Maschen. Das ist ein Katz- und Mausspiel“, sagt der Oberstaatsanwalt.
So sind ihm schon die unterschiedlichsten Varianten untergekommen, wie die Betrüger sich den illegalen Zugriff auf ein Konto verschaffen. In dem Fall, der bald in Betzdorf verhandelt werden soll, ging es um einen offenbar windigen Kredit, für den der Lkw-Fahrer ein neues Konto bei einer Online-Bank eröffnen sollte. Das hat er getan. Und er hat nach Aufforderung die Bankkarte verschickt. Damit war er zwar noch Besitzer des Kontos – was sich dort aber tat, lag längst nicht mehr in seiner Hand.
Aber Regner kennt noch andere Varianten, um ein fremdes Konto zu übernehmen.

Viele Varianten zur Übernahme eines fremden Kontos

Er berichtet von Mietkautionskonten: In Gegenden, wo Wohnungen knapp sind, werden Anzeigen geschaltet und Termine für die Besichtigung vereinbart. Voraussetzung dafür: Die potenziellen Mieter sollen bitteschön vorab ein Kautionskonto eröffnen und dem vermeintlichen Vermieter die Daten übermitteln. Erst dann, wenn die Wohnungssuchenden beim Besichtigungstermin vor verschlossener Tür stehen, merken sie, dass irgendetwas schiefgelaufen ist.
Beliebt ist auch das Jobangebot als App-Tester: Die „Beschäftigten“ – richtiger wäre: die Betrogenen – sollen prüfen, wie benutzerfreundlich mit einer neuen App online Konten eröffnet werden können …
Zeiterfassungsbankkonten: „Da werden Leute mit einem gut bezahlten Nebenjob geködert – und sie sollen schon mal ein Zeiterfassungsbankkonto eröffnen“, berichtet Regner. Und da mag der Begriff „Zeiterfassungsbankkonto“ noch so abstrus erscheinen: Auch auf diese Masche sind schon Menschen hereingefallen.

Verdacht auf Geldwäsche bei den Opfern

Wenn Betrüger fremde Konten nutzen, kann das für den gutgläubigen Kontobesitzer ziemlich unangenehm werden: Zwar ist es erst einmal nicht sein Geld, das verloren geht. Aber wenn zig Leute bei Ebay-Kleinanzeigen abgezockt worden sind, nennen sie natürlich das Konto, auf das sie überwiesen haben. „Und dann haben die Kontobesitzer ganz schnell ein Betrugsverfahren an der Backe“, sagt Regener. Wenn sich später im Ermittlungsverfahren herausstellt, dass der Kontobesitzer nicht selbst betrogen hat, bleibt oft der Verdacht der Geldwäsche – schließlich ist sein Konto genutzt worden, um schmutziges Geld irgendwo auf der Welt sauber aus dem Automaten zu ziehen oder auf kaum nachvollziehbaren digitalen Pfaden in Bitcoins umzuwandeln.
Kein Wunder also, dass Regner alles daran setzt, den Betrügern das Handwerk zu legen. Aber das wird nur funktionieren, wenn die Menschen auch verantwortungsbewusst mit ihren sensiblen Daten umgehen. Regner liefert eine gute Richtschnur für das eigene Handeln: „Angebote, die sehr verlockend sind, sollte man kritisch prüfen. Und wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es im Regelfall auch nicht wahr.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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