Gelebten Umweltschutz honoriert

»Bankgemeinschaft« Drosselweg aus Scheuerfeld gewann diesjährigen Umweltpreis

ruth Wallmenroth. Zum sechsten Mal wurde gestern Abend der Umweltpreis der Verbandsgemeinde Betzdorf vergeben. Der 1. Preis ging diesmal an eine ganze »Umweltgemeinschaft«. Es sind die Anwohner des Drosselwegs in Scheuerfeld, die seit über 20 Jahren in vorbildlicher Weise Umweltschutz und damit zugleich Dorfverschönerung betreiben. Im großen Sitzungssaal der Kläranlage Muhlau begrüßten Bürgermeister Michael Lieber und Umweltkoordinator Michael Becher Preisträger und »Zaungäste« der Umweltpreisverleihung.

Seit 1992 wird der Umweltpreis vergeben, stets im Abstand von zwei Jahren, erläuterte Lieber den Gästen zu Beginn des Festakts. Die Verbandsgemeinde und die Stadt messen dem Umweltgedanken eine große Bedeutung zu, versicherte Lieber. Standen früher »harte Umweltfaktoren« wie landespflegerische Maßnahmen oder Begrünungen im Vordergrund, sind es heute »globalisierte Ansätze«, unter denen die Vergabe dieses Preises gesehen wird, skizzierte Lieber den Bedeutungswandel des Umweltpreises. Als 1990 ein Umweltbeauftragter eingestellt wurde, mussten konkrete Projekte umgesetzt werden. Nach Gottfried Frings kam Michael Becher, und er nennt sich jetzt Umweltkoordinator. »Der Umweltschutz hat heute in nahezu allen Bereichen Einzug gehalten. Jede Handlung einer Gemeinde wird auch immer unter Umweltgesichtspunkten gesehen und entschieden«, so Lieber zum heutigen Stellenwert des Umweltschutzes.

Den Schwerpunkt der diesjährigen Preisverleihung wurde bewusst auf Jugend und Kinder gesetzt. Hier sehen die Verantwortlichen eine besondere Aussagekraft und Vorbildwirkung. An der Ausschreibung haben sich daher auch Sarah und Laura Kerschbaum sowie Kassandra Schellberg aus Wallmenroth beteiligt. Sie haben an einer Bachexkursion entlang des Lotterbaches teilgenommen und mit Köcher und Becherlupe bewaffnet ihr ungewöhnlich großes Interesse an der Umwelt gezeigt. Lukas Lützenkirchen aus Betzdorf hat am »Dreckwegmachtag« einen ganzen Tag lang mit seinem Vater das Hellerufer gesäubert. Zudem hat er zahlreiche Forellen aus dem ausgetrockneten Imhäuserbach in die Heller umgesetzt und damit vor dem sicheren Tod bewahrt. Auch Felix Keßler (Alsdorf) hat sich am »Dreckwegmachtag« beteiligt und damit wie alle anderen einen Jugendpreis gewonnen.

Einen so genannten Spontanpreis erhielten Theo Stötzel (Alsdorf) für sein Engagement am Daadebach und an der Heller sowie Eberhard Wickler (Betzdorf) für sein Gartenbiotop mit Wildblumen und einer Kräuterwiese. Ruth Otto (Alsdorf) ist engagierte Tierschützerin und hat in diesem Jahr so manchen Froschlaich gerettet, der sich im Netz eines Fischweihers verfangen hatte. Dafür erhielt sie den dritten Spontanpreis.

Auch die Jugendfeuerwehr Betzdorf beteiligte sich am diesjährigen Wettbewerb. Sie nahm ebenfalls mit rund 30 Jungen und Mädchen am »Dreckwegmachtag« teil. Darüber hinaus hat sie eine Fassadenbegrünung am Feuerwehrhaus vorgenommen. Der Jury war das den dritten Preis wert.

Der Hegering Betzdorf hat sich durch zahlreiche gute Aktionen einen Namen gemacht. Ob als Bachpate für den Steinerother oder den Löwe-Bach oder als profunde Naturführer für Kindergärten und Schulklassen – viele Menschen verdanken den Jägern einen umfassenden Einblick in die Natur. Mike Thieke nahm stellvertretend für seine Kollegen den dritten Preis entgegen.

Lothar Sauer (Betzdorf) hat sich seit vielen Jahrzehnten dem Umweltschutz verschrieben. Er legte Biotope an, führte mit Jugendlichen Naturkundeführungen durch, kümmerte sich um die Aufzucht von Froschlaich und brachte in seinem Leben so manchen Mauersegler-Nistkasten an. Mittlerweile macht seine Gesundheit nicht mehr so mit, und so muss er gezwungenermaßen kürzer treten. Zur seiner Preisverleihung kam der Betzdorfer jedoch noch persönlich vorbei. Für sein »Lebenswerk« ehrte ihn die Verbandsgemeinde jetzt mit dem zweiten Preis.

Wie Eingangs schon erwähnt, haben die Anwohner des Drosselwegs den ersten Preis gewonnen. Amneris Bürschel nahm den Preis stellvertretend für die »Bankgemeinschaft« Drosselweg entgegen. Sie dankte besonders dem im vergangenen Jahr verstorbenen Theo Knoll für sein Engagement. »Er war immer einer der ersten, wenn es hieß ,anpacken’. Durch seine fröhliche Art und sein ansteckendes Lachen war er das Maskottchen der Bankgemeinschaft.«

Einen Teil des Preisgeldes wollen die Anwohner dem Tierschutzverein Altenkirchen spenden. Mit dem Rest ist die Anpflanzung entlang des Drosselwegs auch in den kommenden Jahren gesichert. Wer wissen will, wie angewandter Umweltschutz in natura aussieht, sollte einmal im Frühjahr einen Spaziergang nach Scheuerfeld machen und sich den Drosselweg anschauen. Dort steht auch eine Bank und ein Tisch. Samstags, so Anwohnerin Adelgunde Karst, gibt es dort auch schon mal eine Tasse Kaffee für Gäste.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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