Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingestellt
Gericht: Brüder zahlen 4000 Euro

Das Bruderpaar wurde vom Betzdorfer Amtsgericht zu einer 4000-Euro-Strafe verurteilt.
  • Das Bruderpaar wurde vom Betzdorfer Amtsgericht zu einer 4000-Euro-Strafe verurteilt.
  • Foto: sz-Archiv
  • hochgeladen von Marc Thomas

dach Betzdorf. Einen „Notschlag“ will er seinem Gegenüber verpasst haben. Und ja, da machte Denis M. (27) überhaupt keinen Hehl raus, auch nicht auf der Anklagebank sitzend. Dort hatte er gemeinsam mit seinem Bruder Elias M. (39) Platz genommen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Koblenz: gefährliche Körperverletzung, außerdem Nötigung.

Es war vor elf Monaten: Denis M. brachte abends seine Freundin zum Bahnhof. „Nach zehn Minuten rief sie mich weinend an“, schilderte er vor Gericht. Zwei Typen würden sie belästigen. Denis M. machte sich mit seinem Bruder sofort auf zum Bahnsteig. Er hatte sich von seiner Freundin ein Handyvideo schicken lassen, um seine Ansprechpartner gleich ausmachen zu können. „Als ich von Angesicht zu Angesicht kam, hat er mich sofort auf arabisch beleidigt“, sagte Denis M. über denjenigen, dem er daraufhin „maximal zwei oder drei Schläge gegeben“ habe. Außerdem bestand er auf den Zusatz: „Und die waren gar nicht mal so fest.“

Auch älterer Bruder mischte mit

Auch der ältere Bruder gab auf Nachfrage zu, mitgemischt zu haben: „Ich wollte verhindern, dass er Gegenwehr leistet.“ Der zweite im Bunde, dem die Freundin die Belästigung vorwarf, hielt sich demnach weitestgehend aus dem Geschehen raus.

Und spätestens hier kamen der Vertreter der Staatsanwaltschaft und Richter Tim Hartmann in eine Zwickmühle. „Wenn Sie zu zweit auf einen losgehen, ist das automatisch eine gefährliche Körperverletzung“, so der Staatsanwalt. Und der Richter fügte an: „Da sieht der Gesetzgeber einen Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren vor.“ Sollte heißen: Es geht gleich um eine Freiheitsstrafe.

Juristen hatten Mühe

Es kostete die beiden Juristen einige Mühe, eben das zu verhindern. Und dafür sprachen gleich mehrere Dinge. Einerseits saßen da zwei bis dato unbescholtene Bürger auf der Anklagebank. Darüber hinaus echauffierten sich die beiden Deutsch-Türken permanent über das Verhalten der beiden jungen Männer, derer wegen sie an den Bahnhof gerufen worden waren. „Die waren am jaulen wie ein Hund, am pfeifen. Sowas macht man nicht mit einer Frau.“


"Ich hab dem maximal zwei oder drei
Schläge gegeben,
und die waren gar nicht mal so fest."

Denis M.
Angeklagter

Und überhaupt: Die beiden, die vor einigen Jahren als junge Flüchtlinge nach Deutschland gekommen seien, würden ständig am Bahnhof abhängen und Schülerinnen nachstellen. Außerdem im öffentlichen Raum einfach kiffen. Nur: Es tue niemand was dagegen. „Die werden immer wieder freigelassen.“

Verticken überall Drogen

Die Freundin von Denis M. meinte nach dem Ende der Verhandlung außerdem: „Die verticken überall Drogen“. Außerdem machte sie klar, dass sie sich am Bahnhof damals wirklich bedroht gefühlt habe.
„Und man wird noch bestraft“, meinte auch Denis M. nach dem Prozess, allerdings noch im Gerichtssaal, „wenn man denen den Weg zeigt“. Das rief noch einmal den Staatsanwalt auf den Plan: „Aber schlagen ist nicht den Weg zeigen.“ Richter Hartmann klinkte sich ein: „Selbstjustiz gibt’s bei uns nicht.“

Zuvor hatten sich alle Seiten darauf geeinigt, das Verfahren einzustellen. Dazu müssen die Brüder nun jeweils 2000 Euro zahlen. Dafür sind sie eben nicht Gefahr gelaufen, einen Schuldspruch zu kassieren und die weiße Vorstrafenweste zu verlieren. Voraussetzung dafür war, dass der Geschlagene nicht wirklich Verletzungen davongetragen hatte. Ein Attest gab es jedenfalls nicht.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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