Unterrichtsbedingungen lassen viele Schüler vorzeitig ins Berufsleben wechseln
Gesamtschule beklagt heftigen Corona-Frust

Vielleicht wird es die letzte Zeugnisübergabe unterCorona-Bedingungen gewesen sein: Ohne ihre Angehörigen wurden die Schüler an der IGS verabschiedet, dafür wurde alles wieder mit der Kamera aufgezeichnet.
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  • Vielleicht wird es die letzte Zeugnisübergabe unterCorona-Bedingungen gewesen sein: Ohne ihre Angehörigen wurden die Schüler an der IGS verabschiedet, dafür wurde alles wieder mit der Kamera aufgezeichnet.
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thor Betzdorf/Kirchen. Noch sind sich Wissenschaftler und Bildungsprofis nicht ganz klar darüber, wie sich die Unterrichtsbedingungen während der Pandemie langfristig auf Schule und Schüler auswirken werden. Es gab schließlich noch keine vergleichbare Situation. An der Integrierten Gesamtschule Betzdorf-Kirchen ist man allerdings schon einen ganzen Schritt weiter als in einem pädagogischen Institut. Der Abschlussjahrgang 2021 wird definitv als derjenige in die Geschichte eingehen, der massiv vom Corona-Frust geprägt war. Was das heißt? Viele Jugendliche beenden nach den Klassen 9 und 10 ihre schulische Laufbahn, obwohl sie von ihren Leistungen her locker hätten weitermachen können.

„Ja, sie verkaufen sich unter Wert“, sagte IGS-Leiterin Betty Berg-Bronnert am Donnerstag in der Jahnhalle in Kirchen, wo die Schüler ihre Abschlusszeugnisse erhielten. Alles wurde wieder per Video aufgezeichnet und ist heute für Angehörige abrufbar. Für Berg-Bronnert war es die letzte Zeugnisübergabe. In der nächsten Woche wird sie selbst verabschiedet – in den Ruhestand.

"Vielen Schülern hat das Homeschooling
große Probleme bereitet."

Betty Berg-Bronnert
Leiterin IGS Betzdorf-Kirchen

Aber so wird auch das Ende ihrer „Schulzeit“ vom Virus überschattet. „Vielen Schülern hat das Homeschooling große Probleme bereitet“, schilderte sie gegenüber der SZ die Erfahrungen der vergangenen Monate. Der Frust sei so groß, dass viele mit der Schule einfach abschließen wollten. In einer der 10. Klassen verließen gleich 14 Schüler die IGS, obwohl sie die Qualifikation für die Oberstufe hätten, so die Schulleiterin. Aber auch die Jahrgangsstufen 11 und 12 seien von verfrühten Abgängen betroffen. „In dieser Größenordnung hat es das noch nie gegeben“, sagte Berg-Bronnert. Dabei könne man doch auch nach dem Abitur eine Ausbildung beginnen.

Etliche Schüler Leistungen verbessert

Simone Löcherbach berichtete als stellv. Schulleiterin aber auch von umgekehrten Fällen: Etliche Schüler hätten sich noch einmal „richtig reingehangen“ und ihre Leistungen verbessert. Auch lägen für die Oberstufe im nächsten Jahr 80 Anmeldungen vor (externe Schüler schon eingeschlossen).

An Schulleiterin Betty Berg-Bronnert war es, den Schülern zum Abschied noch eine weiße Rose mit auf den Weg zu geben.
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Dennoch: Das Fazit des zu Ende gehenden Schuljahrs fällt durchwachsen aus. „Die Digitalisierung kann den persönlichen Unterricht nicht ersetzen.“ Und nicht nur bei den Älteren wirke sich die Pandemie aus: „Die Kleinen müssen erst wieder sozialisiert werden.“

Schülern würdigen Abschied bereiten

Trotz allem war das Bemühen der Schulleitung und des Kollegiums groß, den Schülern eine würdigen Abschied zu bereiten. Einzeln betraten die Klassen die Jahnhalle und nahmen mit Abstand und Masken Aufstellung. Auf der Bühne nahmen sie dann Zeugnis und jeweils eine weiße Rose in Empfang – die Erinnerung an die Geschwister Scholl ist mehr als nur Teil des Schulnamens.

In ihrer Videobotschaft wollte die Schulleiterin gar nicht mehr auf Vergangenes eingehen, sondern eher den Blick nach vorn richten. Und so ging sie in erster Linie auf das Motto der Schüler ein: „Genug geheult – das Rudel zieht weiter.“ Sowohl bei Hunden als auch bei Wölfen sei das Heulen ein Ausdruck des Jammers, aber auch von Geselligkeit, von Gruppendynamik: „Es geht darum, die soziale Ordnung zu erhalten.“ Die Schüler hätten nun genug gejammert, die Gemeinschaft breche zu neuen Taten und Ufern auf. Aufbruch bedeute Veränderungen, so Berg-Bronnert: „Und Veränderungen müssen nicht negativ sein.“

Schuljahr mit permanenten Ungewissheiten

Ebenso wie Kirchens Bürgermeister Andreas Hundhausen hatte auch Landrat Dr. Peter Enders seine Grüße aufzeichnen lassen. Es sei ein Schuljahr mit permanenten Ungewissheiten gewesen. Gleichwohl machte Enders Hoffnung: „Ich bin zuversichtlich: Die Pandemie wird einmal Geschichte sein, wir werden mit ihr leben, ohne die Einschränkungen der Jahre 2020 und 2021. Dann werdet Ihr vielleicht zurückschauen darauf, dass Ihr Euren Abschluss anders feiern musstet als Generationen vor Euch. Aber: Den heutigen Tag wird Euch niemand nehmen können – einen Tag voller Stolz, Anerkennung und Freude!“

Lana Sophie Weber wurde dabei noch für das beste Zeugnis der Jahrgangsstufe 10 geehrt.
  • Lana Sophie Weber wurde dabei noch für das beste Zeugnis der Jahrgangsstufe 10 geehrt.
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Weitere Video-Grüße kamen von den Klassenlehrern und den Schülersprechern Joshua Pagnia und Linus Schramm: Es habe Höhen und Tiefen gegeben. Doch nun liege ein Weg vor den Jugendlichen, „der ganz von euch bestimmt wird“. Darauf seien sie bestmöglich vorbereitet worden.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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