SZ

Stiefmütterlich behandelt?
Grüne Kandidatenliste ohne den Norden

Wenn im September der neue Bundestag gewählt wird, spielen die Landeslisten eine gewichtige Rolle. Auf der Liste der Grünen findet sich allerdings kein Kandidat aus dem äußersten Norden des Landes Rheinland-Pfalz.
  • Wenn im September der neue Bundestag gewählt wird, spielen die Landeslisten eine gewichtige Rolle. Auf der Liste der Grünen findet sich allerdings kein Kandidat aus dem äußersten Norden des Landes Rheinland-Pfalz.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen. Wenn auf einer Landstraße ein Schlagloch allmählich die Dimension einer Familienpizza annimmt, dann dauert es meist nicht lange, bis die Entfernung an den Main zur Sprache kommt. „Wir sind einfach zu weit weg von Mainz“ wird gerne geklagt, oder: „Der Norden des Landes wird halt immer vergessen.“ Gut möglich, dass sich all diejenigen, die sich im Sibirien von Rheinland-Pfalz wähnen, bestätigt sehen, wenn sie die Kandidatenliste der Grünen für die Bundestagswahl im September betrachten.

Denn unter den 16 Kandidaten auf der Landesliste, die am Wochenende aufgestellt worden ist, findet sich kein einziger aus den drei nördlichsten Kreisen. AK? Nein. WW? Auch nicht. NR? Fehlanzeige.

damo Kreis Altenkirchen. Wenn auf einer Landstraße ein Schlagloch allmählich die Dimension einer Familienpizza annimmt, dann dauert es meist nicht lange, bis die Entfernung an den Main zur Sprache kommt. „Wir sind einfach zu weit weg von Mainz“ wird gerne geklagt, oder: „Der Norden des Landes wird halt immer vergessen.“ Gut möglich, dass sich all diejenigen, die sich im Sibirien von Rheinland-Pfalz wähnen, bestätigt sehen, wenn sie die Kandidatenliste der Grünen für die Bundestagswahl im September betrachten.

Denn unter den 16 Kandidaten auf der Landesliste, die am Wochenende aufgestellt worden ist, findet sich kein einziger aus den drei nördlichsten Kreisen. AK? Nein. WW? Auch nicht. NR? Fehlanzeige. Und weil die Grünen diesmal gute Karten haben, auf Bundesebene Regierungsverantwortung zu übernehmen, stellt sich die Frage: Was heißt das für’s AK-Land, dass es weit und breit keinen grünen Bundestagsabgeordneten geben wird? Nichts – das versichert der Landesvorstand ebenso wie die Sprecherin der Grünen im Kreis, Anna Neuhof.

"Wir haben keinen Regionalproporz"

„Vom Weglassen des Nordens kann nicht die Rede sein“, heißt es auf SZ-Nachfrage in der Landesgeschäftsstelle. Denn Fakt sei: Die Wahl der Kandidaten orientiere sich ausschließlich an Kompetenzen und Qualifikationen der Bewerber. „Wir haben keinen Regionalproporz, und wir gehen auch nicht mit vorgefertigten Listen in eine Delegiertenkonferenz.“ Außerdem treffe es schlichtweg nicht zu, dass der Norden des Landes stiefmütterlich behandelt worden sei – schließlich gebe es mit Julian Joswig vom Kreisverband Rhein-Hunsrück und Martin Schmitt (Mayen-Koblenz) ja zwei Kandidaten aus dem Norden des Landes.

Aus dem Mainzer Blickwinkel stimmt das auch, und speziell Joswig hat mit Rang 6 einen durchaus ernstzunehmenden Listenplatz – ob ein Mudersbacher oder Friesenhagener allerdings den Rhein-Hunsrück-Kreis als Norden des Landes durchgehen lässt, sei mal dahingestellt.

Ein bekanntes Gesicht

Wer aber definitiv die Region gut kennt, ist Tabea Rösner, die die grüne Landesliste anführt. Denn auch wenn die Bundestagsabgeordnete für den Kreisverband Mainz antritt, hat sie persönliche Bindungen nach Hachenburg. Und so ist sie auch im AK-Land durchaus ein bekanntes Gesicht. Sie werde auch im Wahlkampf wieder in der Region zu sehen sein, kündigt Anna Neuhof im Gespräch mit der SZ an.

Neuhof erklärt auch, warum Dr. Hildegard Lingnau, die aus Mammelzen stammt, es nicht auf die Landesliste geschafft hat. Die Antwort ist mit einem Wort gegeben: Basisdemokratie. Dr. Lingnau, die aufgrund ihres beruflichen Engagements für viele NGOs in weiten Teilen der Welt laut Neuhof gut geeignet gewesen wäre, hat erst eine Woche vor der Listenaufstellung ihren Hut in den Ring geworfen. „Sie hatte wenig Zeit“, meint Neuhof, und das dürfte dann auch dazu beigetragen haben, dass Dr. Lingnau bei der Wahl dreimal den Kürzeren gezogen hat: Sie ist um die Listenplätze 5, 7 und 9 angetreten, wurde aber nicht gewählt. Und so wie ihr ging es noch weiteren Kandidaten aus dem Norden von Rheinland-Pfalz. Für Neuhof ist das kein Problem, denn: „Wir haben einfach wirklich gute Kandidaten gehabt.“

Grüne auch lokal im Aufwind

Dass die Grünen nach der Bundestagswahl zu wenig Präsenz im Norden zeigen könnten, befürchtet die Sprecherin der AK-Grünen nicht. Denn: „Wir orientieren uns ohnehin vor allem an Themen. Und wenn wir ein bestimmtes Thema besetzen, haben wir bislang immer den Richtigen oder die Richtige bekommen.“

Zudem sieht Neuhof die grüne Politik spätestens seit der Kandidaten-Kür auch lokal im Aufwind. Mehr als ein Dutzend neue Mitglieder haben sich dem Kreisverband angeschlossen, und gemeinsam mit den Nachbarn aus Neuwied soll in einigen Tagen auch noch ein Direktkandidat für die Bundestagswahl aufgestellt werden – auch wenn der eben nicht über die Liste abgesichert sein wird. „Sie sehen also: Wir werden natürlich weiter vor Ort unsere grüne Politik machen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen