Photovoltaikanlage zieht jährlich 750.000 Kilowattstunden
Grünebach versorgt sich selbst mit Strom

Bei einem Pressegespräch stellten Gerd Stein, Mike Pfeifer und Friedrich Hagemann den im Bau befindlichen Solarpark vor. Ende des Monats soll die Anlage den ersten Strom aus erneuerbarer Sonnenenergie ins Netz einspeisen.
  • Bei einem Pressegespräch stellten Gerd Stein, Mike Pfeifer und Friedrich Hagemann den im Bau befindlichen Solarpark vor. Ende des Monats soll die Anlage den ersten Strom aus erneuerbarer Sonnenenergie ins Netz einspeisen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

rai Grünebach. Mehr Strom als in den 185 Haushalten in Grünebach im Jahresmittel verbraucht wird, wird demnächst auf der „Alten Hütte“ aus erneuerbarer Energie gewonnen: Die noch im Bau befindliche Photovoltaikanlage soll jährlich aus den Sonnenstrahlen 750 000 Kilowattstunden Energie ziehen. Das entspricht im Durchschnitt dem Jahresbedarf von rund 250 Haushalten. Grünebach wäre damit bei der Stromversorgung autark – zumindest gedanklich.

Photovoltaik-Anlage bei Grünebach wird gebaut

„Ja, ein Teil des künftig hier erzeugten Stromes wird auch in Grünebach abgenommen“, sagte Gerd Stein, Vorstand der Maxwäll Energiegenossenschaft, mit Verweis auf die Nähe zwischen Solarpark und dem Dorf als Abnehmer. Die Sonne stand bei dem Ortstermin über der seit 2012 brachliegenden Fläche. Stein, Aufsichtsratsvorsitzender Friedrich Hagemann und Ortsbürgermeister Mike Pfeifer freuten sich, dass die Photovoltaikanlage ab Ende September aus erneuerbarer Energie Strom erzeugen wird. „Im Großen und Ganzen sind wir jetzt im grünen Strombereich“, so Pfeifer.

Viel Lob für die Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain

Auf der Fläche hatte es verschiedene Nutzungen gegeben, so waren dort mal eine Betonfirma, ein Entsorgungsbetrieb und eine Spedition ansässig. Eine Nachnutzung der Brache war der Kommune immer ein Anliegen. Weil sich das gesamte Gelände in einer Insolvenzmasse befand, hätten andere Institutionen darüber zu bestimmen gehabt, so Pfeifer. Im Herbst 2019 kam der Kommune der Gedanke, dass ein Solarpark entstehen könnte. Bei einem Termin mit der Sparkasse Westerwald-Sieg wurde erörtert, ob dies möglich wäre. Die Sparkasse sei sehr aufgeschlossen dafür gewesen, so Pfeifer: „Langsam kam der Vorgang ins Rollen.“ Die Gemeinde ließ einen Entwicklungsplan erstellen. Im Flächennutzungsplan war die Brache als Gewerbefläche ausgewiesen. Die erste Vorstellung sei gewesen, alles als Innenbereich zu deklarieren. Es mussten allerdings dann doch ein Bebauungsplan „Sondergebiet Photovoltaik“ erstellt und der Flächennutzungsplan angepasst werden. Seinen Dank entrichtete Pfeifer an die Verbandsgemeindeverwaltung Betzdorf-Gebhardshain, die das „im Rekordtempo hinbekommen“ habe. Zu dem erstellten Umweltbericht seien keine Bedenken gekommen.

Im Herbst 2019 hatte die Kommune Kontakt zu Maxwäll geknüpft: „Wir waren immer fest entschlossen, wenn jemand Betreiber wird, dann nur Maxwäll“, so der Ortsbürgermeister, der u. a. den Aspekt der Bürgerbeteiligung erwähnte. „Wir sind allem aufgeschlossen, was in Richtung erneuerbare Energien geht“, betonte Stein, z. B. Windkraft und Nahwärmenetz. Der Investor und Betreiber Maxwäll Energiegenossenschaft investiert etwas mehr als eine halbe Million Euro in den Solarpark in Grünebach, teilten Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzender mit.

Einwohner aus Grünebach können sich an Photovoltaikanlage beteiligen

Die Kommune erwarb den hinteren Teil der Brache sowie 3000 Quadratmeter angrenzende Grünfläche. Von dem etwas mehr als einem Hektar Fläche sind 8000 Quadratmeter für die Photovoltaik eingezäunt. Es sei schwierig, Standorte zu bekommen, und dieser sei ein guter, sagte Stein. Es sei eine Konversionsfläche. „Diese sind rar.“ Das nun mit Photovoltaik ausgestattete Gelände sei einst aufgeschüttet worden, eine landwirtschaftliche Nutzung ist nicht möglich. Man möchte nicht mit wertvollen Flächen konkurrieren, sagte Hagemann. Positiv ist die Nähe zur Mittelspannungsleitung jenseits der Straße. Im Mai wurde mit der Planung begonnen, „und jetzt stehen wir kurz vor der Vollendung“, freuten sich alle vor Ort. Für die 750-kW-Peak-Anlage wurden Pfähle in den Untergrund gerammt. Auf dieser Konstruktion wurden die Module installiert, die künftig aus Sonnenenergie Strom erzeugen, der über Wechselrichter und Trafo ins Netz eingespeist wird. „Unser Bestreben war es, dass die Einwohner aus Grünebach sich beteiligen können“, betonte der Ortsbürgermeister.

10 Prozent sind der Genossenschaft schon beigetreten

Knapp 10 Prozent sind bereits der Genossenschaft beigetreten, so Stein. „Für mich sind die 10 Prozent ein erfreulicher Wert“, sagte Pfeifer. „Manche denken, es ist ein Goldesel“, sagten die Maxwäll-Vertreter: „Das ist es bei weitem nicht.“ Vorteilhaft sei es, dass Aufsichtsrat und Vorstand ehrenamtlich tätig sind. Die Nebenkosten seien relativ gering. Im Gründungsjahr 2012 wurde die erste Freilandanlage in Rennerod errichtet. Inzwischen kamen weitere dazu, auch in Wissen, wo im März 2022 zum zweiten Mal mit 750-kW-Peak erweitert werden soll. Im Vergleich zu Windrädern mit beweglichen Teilen sei der Wartungsaufwand für eine Solaranlage gering. Wenn es möglich ist, soll die Fläche, die die Gemeinde an die Genossenschaft verpachtet, mit Schafen beweidet werden. „Wir stehen noch am Anfang“, sagte Hagemann und verwies auf die Zuwachsgeschwindigkeiten beim Bau von Solaranlagen. Aus seiner Sicht müssten Aufdachanlagen Pflicht werden, denn „viele Quadratkilometer Dach sind noch nicht bestückt“. Man werde noch viele Parks bauen müssen, sagte Hagemann und nannte das Jahr 2045, und Stein ergänzte: „Plus Windräder.“

Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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