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"Weißer Ring" hat viel Arbeit
Häusliche Gewalt nimmt im Lockdown zu

Der „Weiße Ring“ hat eine deutliche Zunahme von häuslicher Gewalt im Lockdown registriert. Viele Tragödien spielen sich im Verborgenen ab: Die Dunkelziffer bleibt hoch.
  • Der „Weiße Ring“ hat eine deutliche Zunahme von häuslicher Gewalt im Lockdown registriert. Viele Tragödien spielen sich im Verborgenen ab: Die Dunkelziffer bleibt hoch.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Betzdorf. Dass zwölf Monate im Pandemie-Betrieb manchmal an den Nerven zehren können, merken wohl selbst die Menschen, die ansonsten das Gemüt eines Zen-Buddhisten aufweisen. Und da, wo’s vorher schon geknirscht hat, fallen bisweilen die letzten Hemmschwellen: Die Opferschutzorganisation „Der Weiße Ring“ hat für Rheinland-Pfalz landesweit eine Zunahme von knapp 10 Prozent bei den häuslichen Gewaltdelikten registriert. Das berichtet der stellv. Landesvorsitzende und Chef des Kreisverbands AK, Dieter Lichtenthäler, jetzt im Gespräch mit der SZ: „Die Befürchtung, dass im Lockdown die Gefahr häuslicher Gewalt zunimmt, hat sich bewahrheitet.“
Hohe Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt
Zumal zu den offiziell gemeldeten Fällen eine hohe Dunkelziffer kommt, wie Lichtenthäler betont.

damo Betzdorf. Dass zwölf Monate im Pandemie-Betrieb manchmal an den Nerven zehren können, merken wohl selbst die Menschen, die ansonsten das Gemüt eines Zen-Buddhisten aufweisen. Und da, wo’s vorher schon geknirscht hat, fallen bisweilen die letzten Hemmschwellen: Die Opferschutzorganisation „Der Weiße Ring“ hat für Rheinland-Pfalz landesweit eine Zunahme von knapp 10 Prozent bei den häuslichen Gewaltdelikten registriert. Das berichtet der stellv. Landesvorsitzende und Chef des Kreisverbands AK, Dieter Lichtenthäler, jetzt im Gespräch mit der SZ: „Die Befürchtung, dass im Lockdown die Gefahr häuslicher Gewalt zunimmt, hat sich bewahrheitet.“

Hohe Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt

Zumal zu den offiziell gemeldeten Fällen eine hohe Dunkelziffer kommt, wie Lichtenthäler betont. Ob sich dieser deutliche Zuwachs eins zu eins auf das AK-Land übertragen lässt, kann er nicht sagen: „Wir führen für die einzelnen Kreise keine Statistiken.“
Es spricht einiges dafür, dass die Statistik im ländlich geprägten AK-Kreis nicht ganz so dramatisch aussieht, schließlich wohnen die Menschen hierzulande nicht so beengt wie in vielen Großstädten – aber trotzdem ist jeder einzelne Fall von häuslicher Gewalt einer zu viel.

Schon seit jeder nehmen Gewaltdelikte im häuslichen Raum beim „Weißen Ring“ eine exponierte Stellung ein – aber in Zeiten des Lockdowns haben sie einen traurigen Rekord erreicht. Aktuell gehen rund 35 Prozent aller Fälle, um die sich die ehrenamtlichen Opferschützer kümmern, auf Sexualstraftaten oder Körperverletzungen innerhalb des sozialen Nahraums zurück – damit liegen diese Delikte erstmals auf Platz 1 der Statistik des „Weißen Rings.“ Und fast immer seien die Täter männlich, ergänzt der Kreisvorsitzende.

Frauen sollen sich an Frauen wenden

Umso zufriedener ist es, dass er mittlerweile von drei ehrenamtlichen Helferinnen unterstützt wird: „Es ist enorm wichtig, dass den Frauen, die zum Opfer von Gewalt geworden sind, beim Gespräch mit uns eine Frau gegenübersitzt.“ Besagte Helferinnen durchlaufen eine umfassende Ausbildung, berichtet Lichtenthäler: Sie sollen optimal geschult sein, um hilfreich beraten zu können – denn wenn es eine Frau schafft, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen, ist es von enormer Bedeutung, dass sie auch die Unterstützung findet, die sie benötigt.
Dazu bedient sich der „Weiße Ring“ vieler anderer Organisationen: „Wir arbeiten in der Region sehr eng verzahnt, sind Teil eines gut funktionierenden Netzwerks“, sagt Lichtenthäler und verweist auf die Kooperation mit Frauenhäusern, Traumaambulanzen, Gleichstellungsbeauftragen und sozialen Diensten. „Wir sind keine Psychologen oder Rechtsanwälte“, erklärt er: „Wir verstehen uns in erster Linie als Lotsen.“

"Weißer Ring" unterstützt Opfer auch finanziell und logistisch

Darüber hinaus unterstützt der „Weiße Ring“ die Gewaltopfer auch finanziell: „Wir vermitteln Opferanwältinnen, wir können bei der Wohnungseinrichtung oder einem Umzug helfen. Und wir springen auch ein, wenn eine Frau in eine finanzielle Notlage gerät, weil sie nach der Trennung ohne das Einkommen des Partners dasteht“, berichtet Lichtenthäler.

Eine der wichtigsten Aufgaben – und das ist in der Pandemie nicht anders als zuvor – ist es aber, die Fälle überhaupt ans Tageslicht zu holen und den Opfern dann zur Seite zu stehen. „Vieles spielt sich noch immer im Verborgenen ab“, weiß Lichtenthäler aus seiner langjährigen Erfahrung im „Weißen Ring“. Aber zumindest sieht er einen positiven Trend: Das Thema häusliche Gewalt sei immer mehr in der öffentlichen Diskussion angekommen. „Und das macht den Opfern Mut, sich bei solch tabubehafteten Straftaten Hilfe zu holen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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