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Amtsgericht Betzdorf
Haft und Therapie als einzige Chance für jungen Mann

Mit Diebstählen und Einbrüchen sollte der Drogenkonsum finanziert werden. Vor dem Amtsgericht Betzdorf wurde jetzt ein junger Mann verurteilt,
  • Mit Diebstählen und Einbrüchen sollte der Drogenkonsum finanziert werden. Vor dem Amtsgericht Betzdorf wurde jetzt ein junger Mann verurteilt,
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nb Betzdorf. Es sagt viel über ein Leben aus, wenn die Jugendstrafanstalt besser ist, als vieles zuvor. Für Niklas M. ist sie das – und im Grunde sogar noch etwas mehr: ein sicherer Hafen, von dem aus der Sprung in ein neues Leben gelingen soll. Bewährung, so das Urteil des Jugendschöffengerichts, war für Niklas M. (Namen von der Red. geändert) nicht drin. Zum einen aufgrund seiner Taten, zum anderen aber vor allem auch, weil draußen kaum etwas ist, was den 20-Jährigen auffangen wurde. Jetzt sollen ihm Haft und eine Therapie helfen, vom Drogenkonsum wegzukommen, der in den vergangenen Jahren sein Leben bestimmt hat und letztendlich auch auf die Anklagebank des Amtsgerichts führte. Ebenso wie seinen Kumpel Pascal D.

nb Betzdorf. Es sagt viel über ein Leben aus, wenn die Jugendstrafanstalt besser ist, als vieles zuvor. Für Niklas M. ist sie das – und im Grunde sogar noch etwas mehr: ein sicherer Hafen, von dem aus der Sprung in ein neues Leben gelingen soll. Bewährung, so das Urteil des Jugendschöffengerichts, war für Niklas M. (Namen von der Red. geändert) nicht drin. Zum einen aufgrund seiner Taten, zum anderen aber vor allem auch, weil draußen kaum etwas ist, was den 20-Jährigen auffangen wurde. Jetzt sollen ihm Haft und eine Therapie helfen, vom Drogenkonsum wegzukommen, der in den vergangenen Jahren sein Leben bestimmt hat und letztendlich auch auf die Anklagebank des Amtsgerichts führte. Ebenso wie seinen Kumpel Pascal D.

Einbrüche in Altenkirchen und Betzdorf

Beide gemeinsam waren, so räumten sie ein, in der Nacht auf den 7. September vergangenen Jahres durch ein Fenster in das Westerwald-Gymnasium in Altenkirchen eingestiegen und hatten versucht, einen Fernseher und einen Bildschirm mitgehen zu lassen. Doch der Diebstahl der Geräte misslang, es blieb beim Sachschaden von knapp 300 Euro.
Der Einbruch ohne Beute war jedoch nicht das Einzige, was Staatsanwältin Walendsius in den Akten hatte. Zumindest nicht, was Niklas M. betraf. Jeweils mit anderen Kumpels, so die Anklage, habe der heute 20-Jährige Ende Dezember 2019 vom umzäunten Gelände des Altenkirchener Rewe-XL-Marktes Leergut im Wert von 26,40 gestohlen. Diese Beute sollte an einer Tankstelle zu Geld gemacht werden, was wiederum an einer argwöhnisch gewordenen Mitarbeiterin scheiterte.
Nächster Tatort: Betzdorf. Hier stahlen Niklas M. und ein weiterer Delinquent einen Motorroller, kurvten damit herum und ließen das Gefährt schließlich einfach in der Gegend liegen.

Dorfladen und Steineroth geplündert

Der größte „Posten“ in der Akte aber datierte vom Januar 2020. Damals sind Niklas M. und zwei Kumpane – beide sind inzwischen verurteilt – in den Steinerother Dorfladen eingebrochen und haben das kleine Geschäft regelrecht geplündert.

Geld klauten sie ebenso wie eine ganze Warenpalette von Kaffee und Milch über Butter und Süßigkeiten bis hin zu alkoholischen Getränken. Besonders aber schlugen die Tabakwaren zu Buche, deren Wert allein sich auf fast 1180 Euro belief. Insgesamt entstand ein Schaden von ca. 1800 Euro. Noch in der Nacht ermittelte die Polizei die drei jungen Männer als Tatverdächtige und die Handschellen klickten.
Auch diese Diebestour und die weiteren genannten Taten leugnete Niklas M. vor Gericht nicht. Und auch nicht einen Drogenbesitz von Herbst 2020. Ohnehin zog sich das Drogenthema wie ein roter Faden durch die Verhandlung.

Mit 17 das erste Mal zu Drogen gegriffen

Maike Naumiuk, Verteidigerin von Niklas M., berichtete, ihr Mandant habe mit 17 zum ersten Mal Marihuana genommen und mit der Volljährigkeit dann den Drogenkonsum gesteigert: Amphetamin und Ecstasy zum Aufputschen, Marihuana zum Runterkommen. „Es war der typische On-Off-Konsum“, so Naumiuk.

Möglicherweise war es eine Flucht aus der Wirklichkeit, denn die hatte für Niklas M. nur wenig Schönes bereitgehalten. Der Bericht der Jugendgerichtshilfe zählte zahlreiche Heimaufenthalte auf, einen Schulabschluss schaffte der 20-Jährige nicht. Irgendwann bekam er dann einen Platz in einer Pflegefamilie, aber Niklas M. wollte mit der Volljährigkeit auf eigenen Beinen stehen, was gründlich schiefging.

Drogen, Obdachlosigkeit - und keine Perspektive

Er landete in einem Kreislauf, den die Vorsitzende Richterin Tanja Becher so beschrieb: Drogen, zeitweilige Obdachlosigkeit, Perspektivlosigkeit.
Schwer zu ertragen war auch die Schilderung des bisherigen Lebenweges von Pascal D. Die Eltern hatten selbst Drogenprobleme, der heute 21-Jährige leidet am sogenannten Fetalen Alkoholsyndrom, weil seine Mutter in der Schwangerschaft getrunken hatte. Teils tagelang sei er früher eingesperrt gewesen, habe sogar Tapete von der Wand gerissen und gegessen.

Auch für ihn folgten mehrere Aufenthalte in Hilfseinrichtungen und Schulwechsel. Zeitweilig sei er von Mitschülern sexuell missbraucht worden. Und auch Pascal D. griff irgendwann zu Drogen.
Beide, so das Fazit der Jugendgerichtshilfe, seien nach Jugendstrafrecht zu verurteilen, da sie geistig und sittlich noch auf dem Stand von Jugendlichen seien.

Haftstrafe als einzige Chance für den Angeklagten

Eine Haftstrafe „ist wirklich seine einzige Chance“, so Naumiuk über Niklas M. Während Sven Bromba unterstrich, dass sein Mandant Pascal D. es inzwischen selbst geschafft habe, sich aus seinem Umfeld zu lösen. Er ist zur Familie seiner Freundin in Hessen gezogen, fühlt sich dort wohl und hat einen Job gefunden.

Bei beiden Angeklagten wurde ein vorheriges Urteil mit einbezogen. Sozialstunden hat Pascal D. daher noch abzuleisten, neu hinzugekommen ist jetzt ein Interventionskurs einer Jugendhilfeeinrichtung.
Ein Jahr und vier Monate Jugendstrafe – so lautete das Urteil der Kammer für Niklas M. „Die Haft ist für Sie die richtige Entscheidung“, so Tanja Becher. Denn die bietet nicht nur einen geschützte Rahmen, sondern: Sobald ein Platz frei werde, wird der 20-Jährige eine stationäre Drogentherapie antreten. Hoffentlich das Ende des Teufelskreises.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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