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"Natur hilft sich selbst“
Haubergsvorsteher Konrad Theis gegen übertriebenen Aktivismus im Wald

Die vor zwei Jahren eingeschlagene Fläche am Werlenkopf wird erst einmal zu großen Teilen sich selbst überlassen.
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  • Die vor zwei Jahren eingeschlagene Fläche am Werlenkopf wird erst einmal zu großen Teilen sich selbst überlassen.
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thor Bruche/Scheuerfeld. Keck reckt sich die blutjunge Rotbuche dem Sonnenlicht entgegen. der feste Wille ist jetzt schon erkennbar: Aus 20 Zentimetern sollen irgendwann 20 Meter werden. Ähnliche Ziele verfolgen nebenan einige kleine Fichten, Eichen, Ahorn-Bäume, ja sogar Weißtannen. Sie alle sind mehr oder weniger zufällig hier gelandet, hier, auf einer Anhöhe am sogenannten Werlenkopf im Gebiet der Haubergsgenossenschaft Bruche/Scheuerfeld. Es ist Naturverjüngung pur.

Konrad Theis setzt auf Naturverjüngung im Wald
Keiner freut sich mehr darüber als Konrad Theis.

thor Bruche/Scheuerfeld. Keck reckt sich die blutjunge Rotbuche dem Sonnenlicht entgegen. der feste Wille ist jetzt schon erkennbar: Aus 20 Zentimetern sollen irgendwann 20 Meter werden. Ähnliche Ziele verfolgen nebenan einige kleine Fichten, Eichen, Ahorn-Bäume, ja sogar Weißtannen. Sie alle sind mehr oder weniger zufällig hier gelandet, hier, auf einer Anhöhe am sogenannten Werlenkopf im Gebiet der Haubergsgenossenschaft Bruche/Scheuerfeld. Es ist Naturverjüngung pur.

Diese kleine Rotbuche will mal aus eigener Kraft groß und stark werden.

Konrad Theis setzt auf Naturverjüngung im Wald

Keiner freut sich mehr darüber als Konrad Theis. Der dienstälteste Haubergsvorsteher zwischen Hilchenbach und Hachenburg ist ein klarer Verfechter dieser natürlichen Wiederaufforstung: „Die Natur hilft sich selbst“, sagt Theis und verweist dabei auf seine acht Jahrzehnte Erfahrung im Wald. Dass er mit seiner Meinung durchaus Widerspruch erntet und Kollegen auf andere Erfahrungen verweisen, ist dem Brucher dabei sehr wohl bewusst. An seiner Haltung ändert das indes nichts. Er plädiert für mehr Ruhe und Gelassenheit im Wald.

Haubergsvorsteher Konrad Theis, wo Fichtennadeln den Boden hermetisch abgeriegelt haben, sodass kaum Feuchtigkeit eindringen kann.
  • Haubergsvorsteher Konrad Theis, wo Fichtennadeln den Boden hermetisch abgeriegelt haben, sodass kaum Feuchtigkeit eindringen kann.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Der Werlenkopf sei vor zwei Jahren eine der ersten Flächen gewesen, wo man infolge der Kalamitäten großflächig eingeschlagen habe. „Das sah so kahl aus, man hätte heulen können.“ Inzwischen haben die Schäden der 160 ha großen Haubergsgenossenschaft längst ganz andere Ausmaße erreicht. Theis spricht von Millionenverlusten.

Jäger bei der Wiederbewaldung mit Schlüsselrolle

Seinerzeit hatten auch die Brucher und Scheuerfelder 2000 junge Pflanzen bekommen. Doch nach Angaben von Theis hatte man Schwierigkeiten, für alle Setzlinge einen Platz zu finden, eben weil die Natur schneller war: „Wir wussten gar nicht, wohin damit. Danach haben wir beschlossen, wir lassen alles so, wie es ist.“ Dazu herrsche Einigkeit im Vorstand. Der Haubergsvorsteher will dabei nicht verschweigen, dass man topografisch an vielen Stellen begünstigt ist.

"Fichtenbestand wirkt wie ein Strohdach"

Und auch bei einem weiteren Thema hat Theis seine ganz persönliche Meinung: So haben die Rodungen nach seinen Beobachtungen nicht dazu geführt, dass das (Regen-)Wasser nicht mehr versickert und gespeichert wird, sondern schnell abläuft. Nach diesem sehr nassen Sommer sei der Scheuerfelder Bach nur ein Rinnsal: „Wo ist denn all das Wasser hin?“, fragt sich der Haubergsvorsteher und gibt die Antwort selbst. „Ein Fichtenbestand wirkt wie ein Strohdach.“ Soll heißen: Durch die oftmals dicke Schicht an Nadeln fließe das Wasser rasend schnell ab. In diesem Zusammenhang bricht Theis auch eine Lanze für den Harvester: Dieser schaffe auch Rillen und Senken, wo sich Wasser sammeln könne.

Nasser Sommer, aber relativ wenig Wasser im Scheuerfelder Bach.

Waldbesitzer aus Bruche und Scheuerfeld steigen aus Beförsterung aus

Darüber hinaus dürften die privaten Waldbesitzer aus Bruche und Scheuerfeld aber erstmals mit einer ganz anderen Sache Aufmerksamkeit erregen. Denn beschlossen wurde auch, dass man aus der Beförsterung aussteigen will. Zum Hintergrund: Jährlich zahlen Haubergsgenossen (und auch Kommunen) einige Tausend Euro. Dafür erstellt der Revierförster einen Wirtschaftsplan, zeichnet Bäume etc. Die Haubergsgenossenschaft wolle so auch ein Zeichen des Protests setzen, dass Landesforsten die Region personell zuletzt immer weiter ausgedünnt habe und die Förster inzwischen riesige Reviere betreuen müssten, so Theis.
Noch im September wird es hierzu Gespräche zwischen dem Forstamt und dem Kreis-Waldbauverein geben. Im Raum steht auch die Variante, Förster nach ihrem tatsächlichen Aufwand zu bezahlen. Je nachdem, wie die Verhandlungen ausgehen, könnte die Haubergsgenossenschaft Bruche/Scheuerfeld allein mit ihrem Exempel bleiben – oder aber es wird eine „Revolution“ größeren Ausmaßes geben.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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