Heitere Musik von großen Könnern

Kurpfälzisches Kammerorchester und Hornist Nassauer gastierten in Betzdorf

gmz Betzdorf. Heiter und unbeschwert, aber dennoch bedenkenswert war die Musik, die das Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim unter der Leitung von GMD Georg Fritzsch am Samstagabend in der Betzdorfer Stadthalle spielte: Boccherini, Mozart und Haydn. Der Betzdorfer Hornist Michael Nassauer, stellv. Solohornist der Philharmonie Südwestfalen, überzeugte mit der Interpretation von zwei Mozart-Hornkonzerten: dem Rondo Es-Dur für Horn und Orchester (KV 371) und dem Konzert Nr. 4 Es-Dur für Horn und Orchester (KV 495).

Heiter war die Musik und zeugte so vom großen Können des Kammerorchesters und des Solisten, denn die Leichtigkeit der Musik lebte von der Beherrschung der mühelos variierten Form. Georg Fritzsch, noch Chef-Dirigent der Philharmonie Südwestfalen (zur nächsten Saison wechselt er nach Kiel – die SZ berichtete), dirigierte mit spielerischer Verve und äußerst präziser Gelassenheit, setzte Akzente, die die von dem formalen Variationsreichtum lebenden Stücke mit intensiver Spannung erfüllten. Das Orchester erwies sich dabei sowohl als zurückhaltend-selbstbewusster Begleiter des Solisten wie auch als mitreißend-agierendes Orchester.

Besonders bei Boccherinis Sinfonie D-Dur für Streichorchester und zwei Hörner zeigte sich, wie das fröhliche Fortschreiten der Musik durch markante Signale geformt wurde, um im zweiten Satz durch differenzierte Dynamik die Spannung, die im Nachdenken liegt, zu erhöhen. Im dritten Satz wird das Nachdenken über Musik in grazile, genau geformte Menuett-Schritte geführt, die durch überraschende Wendungen faszinierten.

Auch Haydns bekannte Sinfonie A-Dur Nr. 59, die »Feuer-Sinfonie«, nahm die Zuhörer mit in die Welt der strengen Form und der überraschenden Variation. Der fetzige erste Satz, dessen treibender Charakter von den ruhigen Passagen ausbalanciert wird, endet in einer fragenden Stimmung, die nach der weiteren Entwicklung forscht. Im zweiten Satz werden die musikalischen Möglichkeiten mit großem Ernst dargelegt, um im energisch-zupackenden dritten Satz eine Form zu finden, die aber nicht forsch, sondern selbstbewusst-erkundend wirkt. Im vierten Satz wird sie dann mit dem fanfarenartigen Bläser-Auftakt und der frischen Interpretation der Streicher bestätigt.

Die beiden Mozart-Hornkonzerte lebten, wie auch die beiden anderen Sinfonien, von der musikalischen Reflexion. Das Rondo erinnerte deutlich an die Jagdherkunft des Horns, wurde von Michael Nassauer aber mit wunderbar rundem, schön geformten Ton, mit mühelosem Ansatz, in langen Bögen fast zu tänzerischer Ausgelassenheit geführt und zeigte in fröhlichen, manchmal geradezu witzigen Läufen (man denke nur daran, wie er sich mit den tiefen Tönen »abstieß«, um forsche Höhen zu erreichen) und der stellenweise nachdenklichen Kadenz-Passage, dass die Musik mehr ist als nur ein außermusikalisches Signal.

Auch das von Georg Fritzsch sehr klar strukturierte, folgende Hornkonzert bestach durch ungewöhnliche Wendungen wie den streckenweise tragischen Anklängen im langen Hornsolo im ersten Satz, unerwartet und doch musikalisch begründet nach dem heiteren Mozart-Beginn. Die träumerischen Passagen im zweiten Satz oder das zupackende Rondo (dritter Satz), das alle Sehnsucht in die Tat umsetzen will, klangen wie »neu gespielt«. Kein Wunder, dass die Zuhörer nach diesem schönen Konzert die Musiker nicht ohne eine Zugabe entließen: Der letzte Satz aus Mozarts Sinfonie A-Dur (KV 201) bildete einen ebenso brillierenden wie dramatisch-intensiven Abschluss eines großen Konzertes!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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