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34-Jähriger bekommt acht Monate auf Bewährung
Hepatitis-Patient spuckt Rettungsassistentin ins Gesicht

Der mit Hepatitis C infizierte Angeklagte Anton R. spuckte Rettungssanitäterin Tanja N. ins Gesicht und traf sie knapp unter dem Auge.
  • Der mit Hepatitis C infizierte Angeklagte Anton R. spuckte Rettungssanitäterin Tanja N. ins Gesicht und traf sie knapp unter dem Auge.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

dach Betzdorf. Anton R. benötigte Hilfe. Der heute 34-Jährige war im Januar vergangenen Jahres am Betzdorfer Bahnhof nicht mehr Herr seiner Sinne, fiel zeitweise in Ohnmacht. Das lag an den Substanzen, mit denen er „vollgepumpt“ war, wie es Richter Tim Hartmann am Ende der Verhandlung ausdrückte. Denn der Vorfall am Bahnhof hatte für Anton R. juristische Konsequenzen.

Als er ohne Bewusstsein war, riefen Dritte den Rettungsdienst. An diesem Tag erschien unter anderem Tanja N. (alle Namen geändert) in Betzdorf. Die Rettungssanitäterin führte Anton R. – mittlerweile wieder „da“ – zur Trage. Er sei zunächst auch kooperativ gewesen, sagte die 41-Jährige als Zeugin vor Gericht. Doch als sie ihn für den Transport ins Krankenhaus festschnallen wollte, brannten Anton R.

dach Betzdorf. Anton R. benötigte Hilfe. Der heute 34-Jährige war im Januar vergangenen Jahres am Betzdorfer Bahnhof nicht mehr Herr seiner Sinne, fiel zeitweise in Ohnmacht. Das lag an den Substanzen, mit denen er „vollgepumpt“ war, wie es Richter Tim Hartmann am Ende der Verhandlung ausdrückte. Denn der Vorfall am Bahnhof hatte für Anton R. juristische Konsequenzen.

Als er ohne Bewusstsein war, riefen Dritte den Rettungsdienst. An diesem Tag erschien unter anderem Tanja N. (alle Namen geändert) in Betzdorf. Die Rettungssanitäterin führte Anton R. – mittlerweile wieder „da“ – zur Trage. Er sei zunächst auch kooperativ gewesen, sagte die 41-Jährige als Zeugin vor Gericht. Doch als sie ihn für den Transport ins Krankenhaus festschnallen wollte, brannten Anton R. offenbar alle Sicherungen durch: Er spuckte Tanja N. ins Gesicht und traf sie knapp unter dem Auge. Sie habe den Speichel mit Kochsalzlösung abgespült und ihr Gesicht mit Desinfektionsmittel behandelt, berichtete sie.

Schock für Rettungssanitäterin

Zunächst dürfte der Vorfall eher unter unangenehm bis ekelhaft eingestuft worden sein. Tanja N: „Dass wir im Rettungsdienst beleidigt oder angegriffen werden, kommt leider öfter vor.“ Doch auf der Fahrt zum Krankenhaus habe sich dann herausgestellt, dass Anton R. mit dem Erreger Hepatitis C infiziert ist. Ein Schock für Tanja N., die den Rettungswagen steuerte und von der Nachricht unmittelbar durch die geöffnete Scheibe erfuhr.

"Dass wir im Rettungsdienst beleidigt oder
angegriffen werden,
kommt leider öfter vor."

Zeugin Tanja R.
Rettungsassistentin

Das Gute: Die anschließenden Tests fielen bei Tanja N. allesamt negativ aus: „Zum Glück bin ich nicht infiziert. Das hätte mein Leben gravierend geändert, privat und beruflich.“

Tanja N. richtete nach der „Freigabe“ durch Richter Hartmann noch im Gerichtssaal das Wort direkt an den Angeklagten: „Mir ist wichtig, dass Sie begreifen, dass sie eine Infektionskrankheit haben. […] Ich habe Mitgefühl für Ihre Situation, aber denken Sie an die anderen!“

Freigänger einer Haftstrafe

Eingangs des Prozesses hatte Anton R., der als Freigänger gerade eine Haftstrafe aus einer anderen Sache verbüßt, Reue gezeigt. Er könne sich nicht mehr an besagten Tag erinnern. Aber: „Das ist mir schon peinlich.“ Und: „Welcher Mensch macht schon sowas?“ Kurz vor dem Richterspruch: „Ich habe echt ein schlechtes Gewissen.“

Es kam nicht von ungefähr, dass Anton R. sich seinerzeit nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Der Alkohol (0,37 Promille) spielte dabei eine eher untergeordnete Rolle. Zum damaligen Zeitpunkt habe er unter Medikamenteneinfluss gestanden, hatte diverse Benzodiazepine eingeworfen – starke Mittel, die unter anderem sedierend und hypnotisch wirken. In einer Blutprobe wurden später auch Spuren von Cannabis und Methadon gefunden.

Methadon-Dosis heruntergefahren

Den Ersatzstoff Methadon nimmt Anton R. nach wie vor, auch wenn er nach eigenen Angaben dabei ist, die tägliche Dosis merklich herunterzufahren. In der Haft besuche er außerdem einen Grundlagenkurs in Metallbearbeitung. Und auch seine Freundin sehe er regelmäßig. Das alles hielt ihm auch sein Verteidiger zugute. Vorher, so Rechtsanwalt Kunze, habe Anton R. in einer Notunterkunft in Burbach gelebt, wo Alkohol und Drogen „immer greifbar“ gewesen seien: „Es ist schon krass, was da passiert.“ Er plädierte dafür, seinen Mandaten mit einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe zu belegen.

"Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, für das, was Sie jeden Tag für uns alle auf sich nehmen."
Richter Tim Hartmann
zu Tanja R.

Staatsanwältin Zimmermann hatte zuvor acht Monate gefordert, ohne Bewährung. Richter Hartmann machte acht Monate auf Bewährung aus den beiden Anträgen. Außerdem muss sich der mehrfach vorbestrafte Anton R. einem Bewährungshelfer unterstellen sowie 300 Euro ans Rote Kreuz überweisen.
Zuvor hatte Hartmann aber eindrückliche Worte an Rettungsassistentin Tanja R. gerichtet: „Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, für das, was Sie jeden Tag für uns alle auf sich nehmen.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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