„Wir empfangen Reichtum, indem wir ihn weitergeben“
Hitze: Weniger Pilger bei Wallfahrt nach Marienstatt

Weihbischof Franz Josef Gebert beim Einzug.
7Bilder

dach Marienstatt. Wenn deutlich mehr Sonnenmilch benötigt wird als Weihwasser, dann meint es der heilige Petrus wirklich gut. Und genau das dürfte gestern Vormittag rund um die Zisterzienserabtei in Marienstatt so gewesen sein. Die Sonne lachte den Gläubigen vom blauen Himmel – erwies sich allerdings als nicht so erbarmungslos wie noch die Tage zuvor.

Zum Pilgern zu früher Morgenstunde und im Schatten der Bäume war es sogar ideal, wie Konrad Schwan die Lage einschätzte: „Besser hätte es nicht sein können.“ Der 1. Kreisbeigeordnete war wie immer mit der Gruppe aus seinem Heimatdorf Kausen unterwegs.

Seit „anno dazumal“ ist der Mittsechziger am Oktavtag von Fronleichnam per pedes gen Marienstatt unterwegs. Und doch gab es gestern für ihn eine kleine Premiere. „Soldaten hab’ ich hier noch nicht gesehen.“ In Uniform waren einige Bundeswehrangehörige der Kasernen in Mayen, Büchel und Daun nach Dierdorf gereist und von dort in Richtung Abtei aufgebrochen. Unter dem Pilgerkreuz der Pfarrei St. Clemens liefen sie auf dem Abteihof ein.

Allerdings waren es gestern deutlich weniger Wallfahrer als in den vergangenen Jahren. Vermutlich kommt hier doch wieder Petrus ins Spiel. Nicht nur, dass kaum jemand auch den Rückweg zu Fuß antrat – offenbar hatten viele Katholiken der Region aus Angst vor brütender Hitze sogar komplett darauf verzichtet, an der Wallfahrt teilzunehmen. Dabei erlebte nicht nur Konrad Schwan die Morgenstunden zwischen Eichen, Birken und Fichten als durchaus angenehm. Auch aus der Herdorfer Fußgruppe, die wie immer eine der größten Abordnungen stellte, war zu vernehmen, dass es gestern eine wirklich schöne Tour gewesen ist.

Klar, ganz ohne Schweiß geht es nicht, schließlich sind die Anstiege einfach zu steil. Hans-Werner Werder von der Kolpingfamilie Bruche etwa verschwand nach der Ankunft mal schnell hinter der Basilika. Hatte er zuvor noch ein leicht getränktes Funktionsshirt übergestreift, tauchte er im knitterfreien Karohemd wieder auf. „Ohne zweite Garnitur hat das keinen Zweck“, sagte er kurz darauf im Plausch mit der SZ. Anders gewandet zeigte sich auch Pfarrer Heinz Christ, im Hellertal vielen Gläubigen bis heute in bester Erinnerung geblieben. Er hatte einmal mehr den Weg von Neuwied aus auf sich genommen – zunächst „in zivil“. Im Priestergewand betrat er dann gemeinsam mit den anderen Geistlichen den Altarraum. Hier stand sicherlich die Predigt von Franz Josef Gebert im Mittelpunkt. Der Trierer Weihbischof ging dabei auf das Evangelium ein: die Wundersame Brotvermehrung Jesu.

„Wenn Gott gibt, gibt er reichlich und im Überfluss“: Das sei die Quintessenz der Geschichte von den fünf Broten und zwei Fischen, die 5000 Menschen satt gemacht haben. Aber: „Der Überfluss Gottes entsteht im Teilen.“ Und so umschrieb Gebert das tiefste Geheimnis christlicher Spiritualität so: „Wir empfangen Reichtum, indem wir ihn weitergeben.“ Das Geben und Empfangen sei ein einziger Vorgang, der sich nicht voneinander trennen lasse, so der Weihbischof.

Auf der Erde sei beinahe alles begrenzt. „Nur mit uns selber müssen wir nicht sparsam umgehen. Wir alle sind Teil des Reichtums Gottes.“ Im Heiligen Geist offenbare sich seine Kraft, die „eben nicht bewirkt, dass wir in einem kleinen Kreis bleiben.“ Gerade die Zusammenkunft vieler Menschen, wie hier in Marienstatt, zeige doch, dass „wir alle Mitspieler im Geschehen des göttlichen Heilswerks“ seien.

Immer wieder fühlten sich die Menschen zum Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes hingezogen. „Es ist ein Bild der Trauer und trotzdem der Zuversicht, des inneren Friedens.“

Das war auch gestern einmal mehr zu beobachten. Denn alle Pilger betraten auf dem Gelände der Abtei zunächst einmal die Basilika. Manch einer griff zur Kerze und entzündete ein Licht. So ziemlich jeder dürfte aber den Moment in dem kühlen Gotteshaus genutzt haben, um in sich zu gehen, einen Moment lang innezuhalten.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.