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Amtsgericht Betzdorf
Hundebiss: Halterin muss zahlen

Vor dem Betzdorfer Amtsgericht ging es am Montag um einen Hundebiss in ein Menschenbein.

dach Betzdorf. „Hundehalter haben immer recht.“ Auf diese kurze Formel brachte es Staatsanwältin Roedig am Montag bei einer Verhandlung am Betzdorfer Amtsgericht. Dabei stand ein Biss ins Bein im Fokus. Und selbst wenn Roedig mit ihrer Einschätzung ins Schwarze getroffen haben sollte: Es saßen allerdings zwei Hundehalterinnen im Gerichtssaal. Ergo musste es zu offenen Meinungsverschiedenheiten kommen. Buddy, so der Name des Australian Cattle Dog von Verena U. (alle Namen geändert), soll im April vergangenen Jahres Anja B. ins Bein gebissen haben. So stand es in der Anklageschrift, und so schilderte es Anja B. auch aus dem Zeugenstand heraus. Daraufhin hatte Verena U. einen Strafbefehl erhalten: 600 Euro hätte sie zahlen müssen.

dach Betzdorf. „Hundehalter haben immer recht.“ Auf diese kurze Formel brachte es Staatsanwältin Roedig am Montag bei einer Verhandlung am Betzdorfer Amtsgericht. Dabei stand ein Biss ins Bein im Fokus. Und selbst wenn Roedig mit ihrer Einschätzung ins Schwarze getroffen haben sollte: Es saßen allerdings zwei Hundehalterinnen im Gerichtssaal. Ergo musste es zu offenen Meinungsverschiedenheiten kommen. Buddy, so der Name des Australian Cattle Dog von Verena U. (alle Namen geändert), soll im April vergangenen Jahres Anja B. ins Bein gebissen haben. So stand es in der Anklageschrift, und so schilderte es Anja B. auch aus dem Zeugenstand heraus. Daraufhin hatte Verena U. einen Strafbefehl erhalten: 600 Euro hätte sie zahlen müssen. Doch die 51-Jährige legte über ihren Anwalt Wigbert Emde Einspruch ein. Und so landete der Fall auf dem Schreibtisch von Richter Tim Hartmann und schließlich im Gerichtssaal.

"Ich war am bluten wie verrückt"

Sie sei, so schilderte es Anja B., an diesem Tag wie so oft am Haus von Verena U. in Betzdorf vorbeigegangen. Mit dabei der kleine Sohn auf einem Fahrrad und ihr Hund an der Leine. Dann sei Buddy aus einem Gebüsch des Grundstücks aufgetaucht. „Erstmal nur der Kopf, dann kam der ganze Hund hinterher.“ Buddy sei auf ihren Vierbeiner „drauf“. Das habe sie aber zu verhindern versucht, ihren Hund immer wieder an der Leine von Buddy weggezogen. Dabei habe Buddy zugebissen, so ihre Schilderung. „Ich war am bluten wie verrückt.“ Ein Foto von einer blutüberströmten Hose in der Gerichtsakte bestätigt diese Einschätzung.
Verena U. kam demnach angelaufen, brachte Anja B. einen Schal, um die Wunde notdürftig abzubinden, und begleitete die Verletzte anschließend nach Hause. Verena U. fuhr Anja B. dann sogar ins Kirchener Krankenhaus, wo sie mit einer Tetanusspritze und einem Verband versorgt wurde.
In der Zeit danach sei das Bein immer wieder dick geworden. Das verbliebene Hämatom habe schließlich aufgeschnitten und ausgeräumt werden müssen. Bis in den Sommer hinein habe sie Probleme gehabt, so Anja B., wochenlang Schmerzmittel eingenommen.

"Warum sind Sie überhaupt zur Polizei gegangen?"

Zu diesem Zeitpunkt war das Verhältnis zwischen den beiden Frauen bereits deutlich abgekühlt. Beide bezichtigten sich im Gerichtssaal gegenseitig, unter Nachbarn und Bekannten jeweils Stimmung gegen die andere gemacht zu haben. Anwalt Emde versuchte die Kuh mit einer Einstellung des Verfahrens vom Eis zu kriegen. Staatsanwältin Roedig merkte an, dass dazu eine gewisse Reue bzw. Einsicht bei der Angeklagten zu erkennen sein müsse. Und das falle ihr schwer. Auf den Wink des Richters, ob sich die Damen denn noch etwas zu sagen hätten, folgten erneut lediglich gegenseitige Vorwürfe.
Emde trieb derweil ein ganz anderer Aspekt um. „Warum sind Sie denn überhaupt zur Polizei gegangen?“, wollte er von Anja B. wissen. „Ist das Bein davon besser geworden?“ Das hatte ein empörtes „Herr Rechtsanwalt!“ des Richters in Richtung des Betzdorfer Juristen zur Folge. Das brachte Emde aber nicht davon ab der Zeugin vorzuwerfen, „heimtückisch und hintenrum Anzeige erstattet“ zu haben. Überhaupt: Seine Mandantin habe das Ausbüxen von Buddy nicht kommen sehen können. Das Grundstück sei schließlich von einem Zaun bzw. von einer Hecke eingefriedet. Allerdings so die Schilderung der Angeklagten, hätten sie die Hecke kurz zuvor zurückgeschnitten. Dennoch beharrte sie auf ihrem Standpunkt: „Mein Hund rennt ja nicht raus und greift irgendwelche Leute an.“

Das Der-macht-nix-Prinzip

Und es sei auch nicht auszuschließen, dass Anja B. von ihrem eigenen Vierbeiner gebissen worden sein könnte. Denn den Biss an sich habe Anja B. in der Aufregung der Situation ja gar nicht wirklich bemerkt, sondern eher das Austreten des Bluts. Richter Hartmann ließ durch die Blume anklingen, dass er davon ausgehe, dass es Buddy gewesen ist. Und Verena U. habe als Halterin dafür Sorge zu tragen, dass genau das eben nicht passiere. Und er pflichtete der Staatsanwältin bei: Auch wenn ein Hund noch so aggressiv sei, dessen Herrchen würde das niemals so sagen. Das Der-macht-nix-Prinzip, wenn man so will.
Emde hatte aber noch einen Joker dabei, nämlich ein Schreiben, das offenbar den Briefkopf einer polizeilichen Hundestaffel trägt. Es sei im Nachgang zur Anzeige nämlich ein Beamter bei ihr gewesen, um Buddy zu begutachten, so Verena U. Der Hund habe alle Tests „freundlich und aufmerksam“ absolviert, verlas Richter Hartmann das gerade erhaltene Schriftstück. Bei Buddy sei „keinerlei aggressives Verhalten festzustellen“. Lediglich beim Aufeinandertreffen mit unkastrierten Rüden könne es zu Problemen kommen.
Am Ende einigten sich die Prozessbeteiligten doch darauf, das Verfahren vorläufig einzustellen. Überweist Verena B. nun 400 Euro an den Förderverein des Neuwieder Zoos, ist die Sache endgültig vom Tisch.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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