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Heiße Phase der Tarifrunde beginnt
IG Metall fürchtet um den sozialen Frieden

Steffen Schmidt (2. v. l.) ist der Neue im Team der IG Metall Betzdorf. Der Gewerkschaftssekretär arbeitet seit Januar mit Nicole Platzdasch, Uwe Wallbrecher und Bruno Köhler (v. r.) zusammen.
  • Steffen Schmidt (2. v. l.) ist der Neue im Team der IG Metall Betzdorf. Der Gewerkschaftssekretär arbeitet seit Januar mit Nicole Platzdasch, Uwe Wallbrecher und Bruno Köhler (v. r.) zusammen.
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thor Betzdorf. Auch Gewerkschaftsfunktionäre haben Frühlingsgefühle: So würde Uwe Wallbrecher lieber heute als morgen mit einem Megafon vor einem Werkstor stehen – im T-Shirt, versteht sich. Doch eventuell muss der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Betzdorf bald wieder auf eine dickere Jacke zurückgreifen. Denn dass Wallbrecher demnächst vor organisierten Mitgliedern sprechen wird, steht wohl fest. Fraglich ist nur, wie dann die Temperaturen sind. Die IG Metall geht jedenfalls inhaltlich von einer heißen Tarifrunde aus. Daran ließ das Team der Betzdorfer Geschäftsstelle beim Pressegespräch am Mittwoch keinen Zweifel.
Arbeitskampf auch mit Corona-Abstand möglich
Bei diesem Termin wurde zunächst mal die neue Verstärkung vorgestellt: Steffen Schmidt (58) arbeitet seit 1.

thor Betzdorf. Auch Gewerkschaftsfunktionäre haben Frühlingsgefühle: So würde Uwe Wallbrecher lieber heute als morgen mit einem Megafon vor einem Werkstor stehen – im T-Shirt, versteht sich. Doch eventuell muss der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Betzdorf bald wieder auf eine dickere Jacke zurückgreifen. Denn dass Wallbrecher demnächst vor organisierten Mitgliedern sprechen wird, steht wohl fest. Fraglich ist nur, wie dann die Temperaturen sind. Die IG Metall geht jedenfalls inhaltlich von einer heißen Tarifrunde aus. Daran ließ das Team der Betzdorfer Geschäftsstelle beim Pressegespräch am Mittwoch keinen Zweifel.

Arbeitskampf auch mit Corona-Abstand möglich

Bei diesem Termin wurde zunächst mal die neue Verstärkung vorgestellt: Steffen Schmidt (58) arbeitet seit 1. Januar als Gewerkschaftssekretär für die IG Metall. Der gebürtige Thüringer, gelernter Werkzeugmacher, bringt jede Menge Erfahrung im Haupt- und Ehrenamt mit. Und er weiß vor allem, wie eine Geschäftsstelle tickt.
Wallbrecher hatte es in der vergangenen Woche gegenüber der SZ schon kurz umrissen: Ein Arbeitskampf werde in der Pandemie auch mit Abstand möglich sein. Er wiederholte seinen Vorwurf, dass ein Teil der Arbeitgeber das Virus als Vorwand nutzte, um hart erkämpfte Errungenschaften der Beschäftigten anzugreifen: „Es wird alles mit Corona begründet.“
Dabei gehen Gewerkschafter in diesem Tarifkonflikt noch einen Schritt weiter: „Hier wird die Sozialpartnerschaft in Frage gestellt“, meinte Gewerkschaftssekretärin Nicole Platzdasch. Vonseiten der Arbeitgeber erlebe man derzeit eine bewusste Provokation. „Sie haben wieder mal nicht hinbekommen, in sechs Wochen ein vernünftiges Angebot vorzulegen,“ so Wallbrecher.

IG Metall mit klaren Forderungen

Die Forderung der IG Metall sei ein Dreiklang: Sicherung der Arbeitsplätze, Stabilisierung der Entgelte, Zukunftsgestaltung. Bei den Löhnen stehe ein Plus von 4 Prozent im Raum, knapp oberhalb der erwarteten Inflation. Wallbrecher machte dabei deutlich, dass das Modell der Arbeitszeitverkürzung (Vier-Tage-Woche) eine wichtige Rolle spielen werde: „Wir wollen lieber Arbeitszeit entlassen als Menschen.“ Die Frage sei nur die, ob auch die Arbeitgeberseite dieses wichtige Instrument als solches erkenne.
Derzeit hat der Bevollmächtigte eher einen anderen Eindruck: Es gehe den Unternehmen ums Geld; so werde u. a. verlangt, dass Sonderzahlungen künftig nur noch ertragsabhängig erfolgen sollten. „Das Weihnachtsgeld nach Kassenlage auszuzahlen reicht schon aus, um die Kollegen auf die Straße zu treiben“, prognostizierte Wallbrecher und berichtete von weiterem Konfliktpotenzial: Bedingt durch einen Arbeitsplatzabbau (Auslaufen befristeter Verträge) beobachte man eine Verdichtung von Arbeit. Azubis würden zwar übernommen, erhielten dann aber nicht das ihnen eigentlich zustehende Gehalt. Überhaupt sei die Zahl der Auszubildenden im Vergleich zum vergangenen Jahr um 16 Prozent gesunken. Ein großer Fehler, wie der 2. Bevollmächtigte Bruno Köhler anmerkte. Denn diese Arbeitskräfte fehlten dann in einigen Jahren. „Dann ist das Geschrei wieder groß.“ Die Unternehmen würden wieder auf Fachkräfte aus dem Ausland zurückgreifen, die dann wiederum in der Heimat fehlten.

Den Betrieben in der Region geht es gut

Wallbrecher stellte noch einmal heraus, dass die wirtschaftliche Situation der heimischen Betriebe nach Einschätzung der IG Metall in der Region nicht besorgniserregend sei. Natürlich gebe es Firmen, die schon lange Kurzarbeit fahren würden, andererseits würden aber auch schon wieder Überstunden „gebolzt“. Und er wollte auch nicht jeden Geschäftsführer über einen Kamm scheren: „Es gibt Arbeitgeber, die den Schulterschluss suchen.“
Doch wie gesagt: Wallbrecher sieht sich und seine Kollegen bald wieder im Einsatz „an der Front“. 24-stündige Warnstreiks seien dabei eine Option, ebenso wie eine Urabstimmung, denn: „Es geht um deutlich mehr als 4 Prozent.“ Doch zunächst wird der Arbeitskampf noch virtuell sein: Zum Auftakt in die heiße Phase findet am Montag, 1. März, ein bundesweiter Aktionstag statt. Um 17 Uhr startet ein Live-Stream auf der Homepage mit Beiträgen aus den Bezirken, kurzen Talkrunden und Musik.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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