Im Stil der alten Patrizierhäuser des Siegerlandes

100 Jahre Schulgebäude von Giesecke und Wenzke / Haus beherbergte erst das Gymnasium und dann die Geschwister-Scholl-Realschule

goeb Betzdorf. 100 Jahre alt wird in diesem Jahr das Gebäude der Geschwister-Scholl-Realschule Betzdorf. Das Jubiläum soll am kommenden Montag gefeiert werden. Ursprünglich wurden dort die örtlichen Pennäler beschult. Deren Geschichte hatte 1901 mit der »Höheren Knabenschule zu Betzdorf« auf dem Äuchen begonnen. Und dank steigender Anmeldezahlen suchte man bald nach einem repräsentativen Gebäude »zwischen Betzdorf und Kirchen«, zumal man 1904 nach der Vereinigung mit der privaten Höheren Knabenschule in Kirchen zum Progymnasium Betzdorf-Kirchen verschmolzen war.

Landschaftlich prächtige Lage

Das neue Schulgebäude übertraf alle Erwartungen, lag es doch »in einer landschaftlich prächtigen Lage, wie sie selten eine Schule aufzuweisen hat«, so geht aus einer Chronik des Gymnasiums hervor, die 1951, zum 50-Jährigen also, bei der Siegerland-Druckerei in Betzdorf erschien.

Das Haus – die heutige GeschwisterScholl-Realschule – wurde von den Architekten Giesecke und Wenzke in Charlottenburg geplant. »Dunkler Schiefer neben hellem Mauerwerk und das hochragende, ebenfalls beschieferte Dach erinnern an die alten Patrizierhäuser des Siegerlandes.« Die Einweihung fand am 27. November 1906 in feierlicher Weise statt, schreibt der Chronist. Lehrer und Schüler zogen von dem alten Schulgebäude auf dem »Äuchen« in Betzdorf nach einigen Abschiedsworten des Direktors und in Begleitung der Musikkapelle zur Aula des neuen Gebäudes (später Turnhalle), wo man bereits auf eine stattliche Festversammlung traf. Direktor Stenger hielt damals nach einer Begrüßung durch den Landrat die Festrede, in der er Grundsätzliches über die hohen Aufgaben der Schule sagte.

1911 wurde im Zuge eines Ministerialerlasses der Ausbau der Schule zum Realgymnasium genehmigt. Es folgten weitere Umbenennungen der Schule, nicht immer zur Freude und Zufriedenheit des Lehrkörpers, wie man der Schrift weiter entnehmen kann (In der 105-jährigen Geschichte des Gymnasiums gab es ein Dutzend verschiedene Benennungen). Auf einem Teil des oberen Schulhofs errichtete man ab dem 27. September 1928 (Grundsteinlegung) ein neues selbstständiges Gebäude als Erweiterungsbau des Kreisgymnasiums. Es wurde am 18. Dezember 1929 feierlich eingeweiht und im Schulbericht als Werk gepriesen, »das allen Anforderungen der Neuzeit entspricht und eine Ruhmestat des Kreises Altenkichen und namentlich seines Landrats, Dr. Boden, bleibt.«

Nach Erstellung des Neubaus nahm man ab 1930 Umbauten im alten Gebäude vor. Beispielsweise wurden Direktorenzimmer und Bücherei verlegt, ein zweites Lehrerzimmer kam hinzu sowie Übungsräume für den naturwissenschaftlichen Unterricht. Studienrat Dr. Dinkelacker leitete die rege besuchte astronomische Arbeitsgemeinschaft, und seinen Bemühungen ist es auch zu verdanken, dass das Gebäude mit einer weithin sichtbaren Sternwarte mit drehbarer Kuppel gekrönt wurde. Leider fehlten später die Mittel für einen Ausbau der schönen Anlage.

Im neuen Gebäude wurde die Turnhalle endgültig zur Aula umgebaut, die ehemalige Aula im Altbau wurde wieder Turnhalle (wie bereits vor 1929). Neben vielen Schülern und Lehrern, die den Zweiten Weltkrieg nicht überlebten, erlitten auch Gebäude und Einrichtung der Schule Kriegsschäden. Der Altbau wurde im September 1944 von der Wehrmacht als Lazarett beschlagnahmt, schließlich auch der Neubau, sodass mit dem Direktorenzimmer am 8. Dezember 1944 der letzte Schulraum hergegeben wurde.

Bei den Luftangriffen auf Betzdorf gegen Kriegsende wurde der Altbau schwer getroffen und der Nordflügel mit Zeichensaal und naturwissenschaftlichen Räumen größtenteils vernichtet. Auch der Neubau erhielt Treffer, das Denkmal vor dem Altbau wurde dabei fast vollständig zerstört.

Nach dem Krieg setzte der Wiederaufbau ein, auch die Lehrpläne (Aufnahme des Schulbetriebs am 16. Oktober 1945) prägte in den kommenden Jahrzehnten ein neuer europäischer Geist. Am 18. Dezember 1967 bezog das Staatliche Freiherr-vom-Stein-Gymnasium sein neues Schulgebäude auf dem Struthof. Als Nachfolgerin zieht die Realschule ein.

1970 trennt man die Realschulen in zwei eigenständige Schulen auf. Die Realschule Betzdorf I wird später Geschwister-Scholl-Realschule heißen. Mit der Geschwister-Scholl-Realschule verbindet das Gymnasium bis heute nicht nur die räumliche Nähe, sondern auch die »Schulartübergreifende Orientierungsstufe«, die 1971 eingeführt wurde.

Nicht als »kosmetischen Akt« verstehe er die neue Namensgebung »Geschwister-Scholl-Realschule«, sagt Landrat Dr. Beth bei einem Fest am 14. Juni 1986, sondern er drücke eine geistige und politische Grundhaltung aus.

Den Stab weiter gereicht

Nach 21 Jahren als Schuldirektor gibt Benno Sohlbach im Kreise zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens am 7. August 1986 den Stab an den bisherigen Konrektor der Gesamtschule Altenkirchen, Ernst Schäfer, weiter. Dabei müssen Schüler und Lehrkörper mit räumlicher Enge leben lernen: Wanderklassen und Pavillons gehören für die 778 Schüler zum Alltag. Bald wird aber Abhilfe versprochen: Ab 8. Februar 1991 wird die Geschwister-Scholl-Realschule umgebaut und erweitert. Das Bauvolumen beträgt 13 Mill. DM. Rektor Ernst Schäfer vergleicht das mit einem Getriebewechsel bei laufendem Motor.

Enge und Improvisation finden am 19. Mai 1994 ein Ende, als Kultusministerin Rose Götte den Anbau eröffnet und die Umbauarbeiten in Augenschein nimmt. Es sind insgesamt 14. Mill. DM verbaut worden. Auch die Realschule besitzt jetzt eine eigene Historie, feiert man doch am 28. September 1995 das 25-jährige Bestehen. Am 11. Oktober 2003 übernimmt Doris John die Schulleitung von Ernst Schäfer, der nach 17 Jahren in diesem Amt in den Ruhestand geht.

»Es ist an der Zeit, dass man sich der Geschichte des Gebäudes und der gemeinsamen Anfänge erinnert«, freut sich Frau John auf die Feier, bei der die Schüler unter anderem zahlreiche Luftballons mit ihren Wünschen in die blaue Luft steigen lassen wollen. Mit dem Fest wird das Jubiläumsjahr eingeläutet. Auf die Schüler warten interessante Projekttage, bei denen es natürlich um Zeit geht – und wie sie verrinnt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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