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Haubergsgenossenschaft Bruche/Scheuerfeld
In den Wäldern wächst der Widerstand

Die Angsthardt hoch über Scheuerfeld gilt für die Haubergsgenossenschaft als wirtschaftlicher Totalausfall. Unklar ist derzeit noch, wie in dem Steilhang das Holz überhaupt aufgearbeitet werden soll. Konrad Theis sieht hier schon einen „Urwald“ entstehen. Foto: thor
  • Die Angsthardt hoch über Scheuerfeld gilt für die Haubergsgenossenschaft als wirtschaftlicher Totalausfall. Unklar ist derzeit noch, wie in dem Steilhang das Holz überhaupt aufgearbeitet werden soll. Konrad Theis sieht hier schon einen „Urwald“ entstehen. Foto: thor
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Scheuerfeld. Wer auch immer einst der Angsthardt ihren Namen gegeben hat, er wird sich mit Sicherheit vor vielem gefürchtet haben. Vor Krieg, Not, Krankheit und vermutlich auch vor dem Jüngsten Gericht – mit Sicherheit aber nicht vor einem kleinen Krabbeltierchen. Heute steht der Name Angsthardt, jener Steilhang alpinen Ausmaßes jenseits der Muhlau, für das ganze Desaster im Zusammenhang mit dem Borkenkäfer. Und jeder Haubergsgenosse zwischen Walpersdorf und Wissen würde lügen, wenn ihm beim Anblick der gewaltigen Schäden in den heimischen Wäldern nicht irgendwann angst und bange geworden wäre. Da bildet die große Haubergsgenossenschaft Bruche/Scheuerfeld keine Ausnahme.

thor Scheuerfeld. Wer auch immer einst der Angsthardt ihren Namen gegeben hat, er wird sich mit Sicherheit vor vielem gefürchtet haben. Vor Krieg, Not, Krankheit und vermutlich auch vor dem Jüngsten Gericht – mit Sicherheit aber nicht vor einem kleinen Krabbeltierchen. Heute steht der Name Angsthardt, jener Steilhang alpinen Ausmaßes jenseits der Muhlau, für das ganze Desaster im Zusammenhang mit dem Borkenkäfer. Und jeder Haubergsgenosse zwischen Walpersdorf und Wissen würde lügen, wenn ihm beim Anblick der gewaltigen Schäden in den heimischen Wäldern nicht irgendwann angst und bange geworden wäre. Da bildet die große Haubergsgenossenschaft Bruche/Scheuerfeld keine Ausnahme.

Dabei war die Angsthardt am vergangenen Freitag nur ein Teilaspekt bei der Jahreshauptversammlung im „Raabenhof“. Die Genossen gewährten dort Einblicke in die momentane Gefühlslage an der waldbaulichen Basis. Dass die Stimmung hier wie andernorts eine Mischung aus Unsicherheit, Wut und Kampfgeist ist, versteht sich von selbst.

Rund 160 Hektar groß und fast 3000 Anteile erklären das Selbstverständnis, das Haubergsvorsteher Konrad Theis in seinen einleitenden Worten so auf den Punkt gebracht hatte: „Wir sind ein Unternehmen, kein Klüngelsverein.“ Und im Gegensatz zu manchen anderen Waldbesitzern muss man in Scheuerfeld und Bruche auch nicht über einen Insolvenzverwalter nachdenken, Kassierer Willi Grothe hatte über ein wachsendes Polster einschließlich 14 Euro Zinsen für 2019 berichtet.

„Uns geht es nicht schlecht“, sagte Theis zur finanziellen Situation der Genossenschaft. Was entscheidend daran liegt, dass hier seit Jahrzehnten das alte Siegerländer Unternehmer-Motto „Wir haben es nicht vom Geben“ beherzigt wird. Daher machte der Vorsteher in der Versammlung angesichts der momentanen Situation unmissverständlich klar, dass bitte niemand mit einer „Dividende“ rechnen solle. Das Geld werde in den nächsten Jahren dringend gebraucht.

„Es tut einem leid“, sagte Theis mit Blick auf die Wälder im Allgemeinen und die Angsthardt im Speziellen. „Das ist ein Totalschaden.“ Es sei dabei extrem schwierig, in diesem Gelände das Holz aufzuarbeiten, zumal es zum Teil schon verfault sei. „Das ist Urwald, das freut die Grünen“, unkte der Haubergsvorsteher. Allerdings wurden in der Versammlung auch Stimmen laut, den Hang nicht komplett sich selbst zu überlassen, sondern wenigstens im unteren Bereich aktiv zu werden.

Habe man vor ein paar Jahren noch 90 Euro für den Festmeter bekommen, seien es jetzt 10 bis 15 Euro, so Theis. Der Haubergsgenossenschaft Bruche/Scheuerfeld könne sich aber noch glücklich schätzen, dass rechtzeitig Wege für die Holzabfuhr ausgebaut worden seien. Pro Woche seien 70 Lkw mit Containern voller Holz nach Rotterdam gefahren, um nach China verschifft zu werden. „Die kommen dann wahrscheinlich als Suppenlöffel von Ikea wieder zurück.“

Klar ist für den Haubergsvorsteher auch: Als Brennholz muss derzeit ausschließlich die Fichte geworben werden. Seine Botschaft an die Genossen: „Ihr könnt Holz kriegen, so viel ihr wollt.“

Dass Revierförster Ralf Hoss erneut zu Gast bei den Haubergsgenossen war, ist ebenfalls dem Ausnahmezustand geschuldet, hatte doch eigentlich längst eine erneute Forstreform greifen sollen (zum Unmut der privaten Waldbesitzer). Auch Hoss selbst kann derzeit nur in die Glaskugel schauen: „Wie es weitergeht, weiß kein Mensch.“ Er lieferte Zahlen, die das ganze Ausmaß der Zerstörung verdeutlichten: Mit 11 000 Festmetern sei im vergangenen Jahr das 24-Fache des normalen Hiebsatzes eingeschlagen worden. Auch wenn die Witterung momentan eher schädlich für den Borkenkäfer sei, habe er für das neue Jahr wenig Hoffnung. Es seien einfach viel zu viele Insekten: „Der Käfer kommt mit Macht aus der Überwinterung.“ Doch nicht nur der sei ein Problem, auch auf Mäuse und den Rüsselkäfer müsse man extrem aufpassen, sagte Hoss.

3500 neue Pflanzen sind bereits gesetzt worden, 2020 plant der Förster im Bereich der Haubergsgenossenschaft mit weiteren 18 400. Wichtig sei für die Zukunft, für eine gewisse Vielfalt zu sorgen. Hoss erwähnte die Weißtanne, die Große Küstentanne, die Pazifische Edeltanne und bei den Laubbäumen Bergahorn, Roteiche und Esskastanie.

Während Konrad Theis keinen Anlass zu großer Eile bei den Pflanzmaßnahmen sah und lieber die Naturverjüngung abwarten würden, sah der Förster durch einen zeitnahen Handlungsbedarf auf den Kahlflächen, die mittlerweile 20 ha umfassen. „Es sind sehr große Flächen, wo nichts kommen wird. Wenn man da nichts macht, entsteht kein vernünftiger Wald.“

Und dann wurde noch ein ganz heißes Eisen angesprochen: die Beförsterungskosten. Denn theoretisch muss der Hauberg an den Staat 3,58 Euro pro Festmeter als Hiebsatz abführen. Das wären also für die Brucher und Scheuerfelder fast 40 000 Euro. „Das werden wir nicht bezahlen“, stellte Beisitzer Günter Schuhen klar. Notfalls ziehe man vor Gericht. Konrad Theis hatte auf die Problematik schon mehrfach Politiker aller Coleur hingewiesen, allerdings scheinen ihm die die Sache (noch) auf die leichte Schulter zu nehmen.

Revierförster Hoss zeigte Verständnis für den Widerstand, zumal die Arbeit bei Käferholz ja auch nicht mit einem normalen Einschlag zu vergleichen sei. Eigentlich, so seine Meinung, müssten die Beförsterungskosten an die Leistungsfähigkeit der Betriebe angepasst werden.

Keine Frage also: Derzeit – und vermutlich noch über einen langen Zeitraum – bleibt die Unsicherheit die einzige Konstante im Schaffen der Haubergsgenossen. Doch trotz der schonungslosen Sachstandsberichte hörte man an diesem Abend von Konrad Theis kein Wort der Resignation. Sein Ratschlag: „Wir sollten das Vertrauen in die Natur und die Schöpfung nicht verlieren.“ Thorsten Stahl

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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