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Liquisign näht jetzt Schutzanzüge
Innovation für die Helfer

Bei Liquisign, dem Unternehmen von Florian Baldus und Daniel Geldsetzer (r.), werden ab sofort Schutzanzüge genäht. MdB Sandra Weeser stellt den Kontakt zu möglichen Abnehmern her.
  • Bei Liquisign, dem Unternehmen von Florian Baldus und Daniel Geldsetzer (r.), werden ab sofort Schutzanzüge genäht. MdB Sandra Weeser stellt den Kontakt zu möglichen Abnehmern her.
  • Foto: Unternehmen
  • hochgeladen von Nadine Buderath (Redakteurin)

nb Betzdorf. Die besten Ideen können durchaus ihren Anfang im Brauhaus nehmen. So geschehen beim neuen Großprojekt der Firma Liquisign aus Betzdorf. Dort läuft nämlich heute die Produktion von Schutzanzügen an – Hilfe für Helfer im medizinischen Sektor, bei Feuerwehren und Co. und natürlich auch für die eigenen Mitarbeiter, die so von Kurzarbeit in der Corona-Krise verschont bleiben.

Aber welche Rolle in der ganzen Geschichte der Augustinerbräu-Keller in München, die Umsicht von Schweizern und Geschäftspartner aus der Auto-Industrie spielen, das muss hier von Anfang an erzählt werden.
Messe entfallen - Idee geboren Der Name Liquisign ist inzwischen weit über die Grenzen der Sieg-Heller-Stadt bekannt.

nb Betzdorf. Die besten Ideen können durchaus ihren Anfang im Brauhaus nehmen. So geschehen beim neuen Großprojekt der Firma Liquisign aus Betzdorf. Dort läuft nämlich heute die Produktion von Schutzanzügen an – Hilfe für Helfer im medizinischen Sektor, bei Feuerwehren und Co. und natürlich auch für die eigenen Mitarbeiter, die so von Kurzarbeit in der Corona-Krise verschont bleiben.

Aber welche Rolle in der ganzen Geschichte der Augustinerbräu-Keller in München, die Umsicht von Schweizern und Geschäftspartner aus der Auto-Industrie spielen, das muss hier von Anfang an erzählt werden.

Messe entfallen - Idee geboren 

Der Name Liquisign ist inzwischen weit über die Grenzen der Sieg-Heller-Stadt bekannt. Seit 20 Jahren gibt es das Unternehmen, Geschäftsführer sind Florian Baldus und Daniel Geldsetzer. Auf zwei Feldern fußt der Erfolg der OHG: Zum einen auf dem Bereich der Werbetechnik, zum anderen auf dem sehr viel größeren Bereich der „Corporate Fashion“. Heißt: Für Kunden aus Industrie und Wirtschaft wird Bekleidung bedruckt oder bestickt. Die Kunden – ein Schwerpunkt ist der derzeit besonders gebeutelte Bereich Reisen und Touristik – kommen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Erst vor wenigen Wochen ist Liquisign an den neuen Standort am Rangierberg gezogen, wo alle Geschäftsbereiche unter einem Dach vereint sind.

Insgesamt 40 Mitarbeiter hat man beschäftigt, 35 davon in der „Corporate Fashion“. Gearbeitet wird an Stick– und Druckmaschinen – eigentlich, denn ab sofort wird Liquisign zur Näherei.

Die Idee, Schutzanzüge zu nähen, entstand in München. Dort war am 10. März eigentlich ein gemeinsamer Messeauftritt mit dem Stickmaschinenhersteller Melco geplant. Doch da die Messe abgesagt wurde, stand stattdessen ein strategisches Gespräch mit den Geschäftskunden auf dem Programm.

Melco ist ein schweizer Unternehmen und die Schweizer „waren schon immer ein wenig restriktiver“, erläutert Daniel Geldsetzer im Telefoninterview mit der SZ. Sprich: Die Eidgenossen ergriffen schon früher Maßnahmen gegen das Virus und den Betzdorfer Geschäftsmännern begann nach dem Gespräch zu schwanen: „Hier kommt was auf uns zu.“ Und das zu einem Zeitpunkt, als in Deutschland noch mehr oder auch sehr viel weniger gelungene Witze über das Virus gerissen wurden.

Den Aufenthalt in München wollten Geldsetzer und Baldus dann noch für einen Museumsbesuch nutzen, aber – so die eigene Darstellung – während des Fußmarsches dorthin wurden sie vom starken Regen in den Augustiner-Keller getrieben. Doch nicht das bayerische Bier sorgte dafür, dass ihnen „auf einmal komisch wurde“, sondern die Nachrichten, die sie auf einem Fernsehschirm verfolgten. Ziemlich genau um 13 Uhr wurde den beiden klar: „Wenn wir jetzt nicht handeln, gibt es Liquisign bald nicht mehr.“ Ein weiterer Hinweis, dass schnelles Handeln gefragt war: der fast menschenleere Flughafen München am Rückflugtag.

Viel Näh-Expertise

Zwei Fragen standen nun im Mittelpunkt der Überlegungen: „Wo ist die Not während der Pandemie am größten?“ Und: „Was können unsere Mitarbeiter am besten?“

Klar war schnell: Schutzbekleidung wird zur ebenso knappen wie dringend benötigten Ware. Und noch schneller war klar: „Wenn unsere Mitarbeiter eines können, dann nähen.“ Denn: Viele der Beschäftigen sind ausgebildete Schneiderinnen (sogar eine Schneidermeisterin gibt es) und Näherinnen – darunter einige „Steilmann-Frauen“ des ehemaligen Werkes in Alsdorf. Und so wurde entschieden: „Wir nähen Schutzanzüge“. Es sollten aber nicht irgendwelche Schutzanzüge werden, sondern solche aus einem besonderen Material.

Hier kam dann ein langjähriger Liquisign-Partner ins Spiel – die Mailinger GmbH mit Standorten in Scheuerfeld und Sontra. Mailinger fertigt insbesondere Spezial-Stoffe und -Vliese für die Automobilindustrie und verfügt über eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Mailinger entwickelt neues Vliesmaterial

Die hat in kürzester Zeit ein vollkommen neues Vliesmaterial für die Betzdorfer Schutzanzüge entwickelt. Es ist ein dreischichtiger Verbund aus drei Einzelmaterialien, wobei die mittlere Lage wasserundurchlässig ist. Produziert wird das besondere Material am Mailinger-Standort Sontra. Die Innovation soll zeitnah zertifiziert werden, aber zum Einsatz kommt das Vlies schon jetzt, denn es gilt eben: Der Bedarf ist enorm.

Vertrieben werden die Anzüge unter dem Namen „Liqui Guard“ – aber : Bestellungen von Privatpersonen werden vorerst noch nicht entgegengenommen. Vielmehr sind sie beispielsweise für den Einsatz in Krankenhäusern, Altenheimen und Fieberambulanzen gedacht, bei der Feuerwehr oder beim Technischen Hilfswerk.

Kontakte zu Abnehmern herstellen – dafür ist derzeit auch die heimische Bundestagsabgeordnete Sandra Weeser mit an Bord gekommen. So berichtet sie gestern, dass möglicherweise auch die Bundeswehr zu den Abnehmern der Schutzanzüge gehören wird.

„Wir sind noch am Anfang“, betonen Geldsetzer und Baldus im Gespräch, die deshalb auch noch nicht die genauen Produktionszahlen nennen können. Ein Webshop soll auf jeden Fall auch zeitnah online gehen und weitere Nähereien sollen mit eingebunden werden. Mit dabei sind derzeit schon eine Näherei in Ingolstadt sowie eine weitere in den Niederlanden.

Und auch in Betzdorf werden die Nähmaschinen nun viele Stunden laufen.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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