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"Weltmeister im Verstecken"
Jagd auf Rehe kann früher beginnen

Gerade die ersten Wochen des Jagdjahres sind wichtig, sagen Nikolaus Graf von Hatzfeldt und Dr. Franz Straubinger. Daher begrüßen sie die, dass in diesem Jahr bereits ab dem 15. April Rehe erlegt werden dürfen.  Archivfoto: damo
  • Gerade die ersten Wochen des Jagdjahres sind wichtig, sagen Nikolaus Graf von Hatzfeldt und Dr. Franz Straubinger. Daher begrüßen sie die, dass in diesem Jahr bereits ab dem 15. April Rehe erlegt werden dürfen. Archivfoto: damo
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damo Schönstein. Es ist – wie so vieles im Leben – einzig und allein eine Frage des Blickwinkels, ob diese Nachricht eine gute ist. Im Schloss Schönstein jedenfalls wird die Entscheidung aus Mainz ausgesprochen positiv wahrgenommen; im Unterholz hingegen dürfte sie keine Begeisterung auslösen. Fakt ist:  Die Schonzeit für Rehe endet in diesem Jahr in vielen Forstrevieren zwei Wochen früher, denn die Obere Forstbehörde verkürzt auf Antrag die Schonzeit um gute zwei Wochen.

Zwei Wochen? Und das soll der Rede wert sein? Ja, sagen Nikolaus Graf Hatzfeldt und Forstdirektor Dr. Franz Straubinger unisono: „Gerade diese beiden Wochen sind enorm wichtig.“ Denn ob Rehböcke und einjähriges Schmalwild bereits am 15.

damo Schönstein. Es ist – wie so vieles im Leben – einzig und allein eine Frage des Blickwinkels, ob diese Nachricht eine gute ist. Im Schloss Schönstein jedenfalls wird die Entscheidung aus Mainz ausgesprochen positiv wahrgenommen; im Unterholz hingegen dürfte sie keine Begeisterung auslösen. Fakt ist:  Die Schonzeit für Rehe endet in diesem Jahr in vielen Forstrevieren zwei Wochen früher, denn die Obere Forstbehörde verkürzt auf Antrag die Schonzeit um gute zwei Wochen.

Zwei Wochen? Und das soll der Rede wert sein? Ja, sagen Nikolaus Graf Hatzfeldt und Forstdirektor Dr. Franz Straubinger unisono: „Gerade diese beiden Wochen sind enorm wichtig.“ Denn ob Rehböcke und einjähriges Schmalwild bereits am 15. April erlegt werden dürfen, spielt nach der Meinung der Hatzfeldt’schen Kammer eine gewichtige Rolle. Und ginge es nach von Hatzfeldt und Straubinger, würde die Jagd auf Rehwild bereits am 1. April freigegeben.

„Was früher der Mai war, ist heute der April“, erklärt Nikolaus Graf Hatzfeldt: Die Vegetationsperiode habe sich in den vergangenen Jahrzehnten sukzessive ausgedehnt, und das sei eben auch im Frühling deutlich zu merken. Deutlich früher würden die Bäume ausschlagen – und in den naturnahen Wäldern wäre dann rasch der Punkt erreicht, an dem das Rehwild vor lauter Bäumen nur noch schwer zu bejagen sei. „Gerade zu Beginn der Vegetationszeit können wir jagen“, ergänzt Straubinger.

Und dass intensiv gejagt werden muss, steht für die Hatzfeldt’schen außer Frage. Dort wird die Jagd schon seit Jahrzehnten als wichtiger Faktor für den Waldbau verstanden: „Eine aktive Jagd ist die Voraussetzung für einen gesunden Wald“, sagt Nikolaus Graf von Hatzfeldt im Gespräch mit der SZ. Zu starke Rehwildbestände halte der Wald nicht aus, erklärt er. Und ohne eine konsequente Jagd würden die Rehwildpopulation deutlich zunehmen, sagt Straubinger und erklärt das mit drei wesentlichen Faktoren:

• „Es gibt keine Predatoren mehr“: Wenn Bären, Luchse oder Wölfe fehlen, habe das Rehwild praktisch keine Feinde mehr;

• „Der Winter fehlt als Flaschenhals“: In Zeiten des Klimawandels fehlten strenger Frost und langanhaltende Kälte als Faktoren der natürlichen Auslese;

• „Das Nahrungsangebot wird immer größer“: Deutlich höhere Stickstoffkonzentrate auch im Waldboden ließen viele geeignete Futterpflanzen sprießen, und in den naturnahen Wäldern sei der Tisch für Rehe ohnehin reich gedeckt.

In Kombination führten diese drei Ursachen dazu, dass die Rehe paradiesische Verhältnisse anträfen und sich entsprechend vermehrten – auch, wenn man sie vielleicht seltener zu Gesicht bekomme als früher. „Sie müssen den Wald nicht mehr so häufig verlassen wie früher“, sagt von Hatzfeldt. Und Straubinger nennt Rehe „Weltmeister des Versteckens: Da gehen Sie zehnmal dran vorbei, wenn ein Reh im Wald ruhig stehenbleibt“. Dass aber Jahr für Jahr in den Wäldern der Hatzfeldt’schen Kammer 1100 bis 1200 Rehe erlegt werden (und diese durchschnittlich zwei Kilo schwerer sind als noch vor einigen Jahren), spreche eine klare Sprache: „Denen geht es richtig gut.“

Damit hat in Schloss Schönstein auch keiner ein Problem – solange es eben den Rehen nicht zu gut geht. Denn dann leide der Wald: Rehe als Selektierer bevorzugen zucker- und proteinreiche Kost, also zum Beispiel Knospen. Und manche Arten, die in der Forstwirtschaft längst eine gewichtige Rolle spielen, stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan. Zum Beispiel Weißtannen.

Und anhand dieses Beispiels verdeutlichen Straubinger und von Hatzfeldt, wieso sie bei der Bewirtschaftung der Wälder auf regulierte Wildbestände angewiesen sind. Eine junge Weißtanne kostet – je nachdem, ob sie aus Naturverjüngung gewonnen und umgepflanzt oder in der Baumschule gekauft wird – zwischen 6 Cent und 1,10 Euro. Muss man sie vor Verbiss schützen, kommen nach Straubingers Rechnung rund 5 Euro drauf: Eine Pflanzschutzhülle aus Draht liege im Einkauf bei 2,50 Euro, hinzu komme der Arbeitslohn. Und wenn man nicht jede einzelne Tanne separat schützen will, sondern ein ganzes Waldstück einzäunt, fallen laut Straubinger pro Hektar 4000 bis 6000 Euro für den Zaun an.

In den Hatzfeldt’schen Wäldern gibt’s schon seit Jahren weder Schutzhüllen noch Zäune. „Das kann man machen, wenn man ein paar Obstbäume schützen will. Im Wald kann das keine Alternative sein“, sagt Straubinger – wohl wissend, dass es in vielen Revieren auch im AK-Land so gehandhabt wird. „Aber es ist rechnerisch nicht darstellbar.“

Und das gelte in diesem Jahr noch mehr als je zuvor: Seit Jahren wütet der Borkenkäufer, und zwei trockene Sommer in Folge haben den Wald massiv in Mitleidenschaft gezogen. Es gilt, gigantische Flächen, die brachliegen, zu klimastabilen Wäldern umzuformen – und zwar nicht nur, damit der Wald irgendwann wieder Geld abwirft. Sondern vor allem auch aus ökologischer Sicht: Denn gerade in Zeiten des Klimawandels sind die Wälder als CO2-Senken von elementarer Bedeutung.

Und so ist die Zufriedenheit über die Ausweitung der Jagdzeit im Schloss Schönstein durchaus nachvollziehbar. Und für die Bewohner des Unterholzes hat Franz Straubinger zumindest einen kleinen Trost in petto: „Insgesamt verlängert sich zwar die Jagdzeit, aber nicht die Zeitspanne, in der wirklich intensiv gejagt wird. Das bleibt so, wie es war: Im Winter sind die Bewegungsjagden wichtig, im Frühjahr die ersten Wochen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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