Jugend braucht Perspektive

Über Jugendsozialarbeit sprach Rita Schneider-Zuche.  Foto: goeb

goeb Betzdorf. Ihr Forum zum Tag der Arbeit, das elfte bisher, hielt gestern der Caritasverband Rhein-Wied-Sieg (Geschäftsstelle Betzdorf) im vollbesetzten Barbarasaal der Stadthalle ab. Diesmal stand der Austausch mit zahlreichen Gästen, Partnern und Rednern unter dem Leitgedanken „Jugend braucht Perspektive – 25 Jahre Ökoprojekt“.

Das Ökoprojekt bietet bekanntlich eine Möglichkeit, Jugendarbeitslosigkeit einzudämmen, indem Minderqualifizierten eine begleitete Arbeitsmöglichkeit gegeben wird, die ihre Chance zur Aufnahme in den ersten Arbeitsmarkt bzw. in eine Ausbildung verbessert. Außerdem ist das Projekt unter der Leitung von Dr. Frank Wörner auch ein wichtiges Werkzeug zur Erhaltung der Naturschutzgebiete im Kreis.

Der Vorsitzende des Caritasverbandes, Paul Freyaldenhoven, zitierte in seiner Begrüßungsansprache den Sozialwissenschaftler Heinz Bude. In seinem aktuellen Buch „Die Ausgeschlossenen – das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft“ geht er auf ein Paradox ein. Auf der einen Seite wachse die Nachfrage nach motivierten und qualifizierten Arbeitskräften, auf der anderen Seite verschärfe sich die Bereitschaft zum Ausschluss anderer.

Während die einen selbstbewusst die Bedingungen ihres Arbeitsvertrages aushandeln könnten, müssten sich die anderen auf Bedingungen einlassen, die ihre Verwundbarkeit entblößten und ihre Gefährdung besiegelten.

Jugend brauche Perspektive, dafür plädierte der Vorsitzende. Jugendlichen eine Teilhabe am Erwerbssystem zu sichern, das sei eine drängende soziale Frage, die unbedingt gelöst werden müsse.Berührend war sicherlich der Film über das Ökoprojekt, der im Anschluss gezeigt wurde, denn hier kamen die Jugendlichen selbst zu Wort und wurden bei ihrer Tätigkeit in der Natur gezeigt. Vor der Kamera sprachen sie frei über ihre Erwartungen und Träume, aber auch über ihre Ängste.Dabei wurde deutlich: Sie träumen von einem ganz normalen Leben, von Ausbildung und Festanstellung, von der Unabhängigkeit von staatlicher Unterstützung, von Haus und Familie. „In zehn Jahren“ sagte ein junger Mann, „möchte ich sagen können, dass sich das Kämpfen gelohnt hat.“Auch dass sie bereit sind, viel dafür zu tun, wurde immer wieder deutlich. Die Projektarbeit wurde von ihnen überwiegend positiv beurteilt, anders fiel die Einschätzung zu Themen wie Hartz IV und 1-Euro-Jobs aus. Da gab es auch Kritik.Als Hauptreferentin sprach Rita Schneider-Zuche, Abteilungsleiterin im Caritasverband der Diözese Trier. Sie lobte, dass die Jugendlichen den zunächst gewählten Filmtitel „So jung – und schon am Ende?“ (eine überregionale Themenvorgabe) auf eigenen Wunsch geändert hätten in: „Das Ökoprojekt: Ein Sprungbrett ins Leben“.Schneider-Zuche streifte die kath. Jugendsozialarbeit insgesamt und betonte die Wichtigkeit des Öko-Projekts. „Ihr Engagement verdient alle Anerkennung.“ Sie ermunterte die Betreuer, so engagiert weiterzumachen wie bisher. Ohne Rudolf Düber im Hintergrund stünde das Öko-Projekt nicht da, wo es steht.“Gleichzeitig kritisierte sie, dass das Projekt regelmäßig am seidenen Faden baumele, weil die Finanzierung auf wackeligen Beinen stehe. Auch die Arge und Leonhard Epping (IG Metall) äußerten sich im Rahmen kurzer Ansprachen.Dass das Öko-Projekt 25 Jahre auf dem Buckel hat – eine lange Zeit also – wurde an einer ulkigen Filmsequenz deutlich. Eine junge Frau gab ihrer Projektzeit Bestnoten. „Ich erinnere mich gern daran zurück“, sagte sie. „Meine Mama und mein Papa waren auch schon hier. Die haben sich hier kennen gelernt.“

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