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Prozess um Hassbotschaften in sozialen Medien
Junger Frau mit „Gnadenschuss“ gedroht

Die Plattform Instagram nutzte jetzt ein Betzdorfer für wilde Droh- und Beleidigungstiraden. Dafür –, und für eine Körperverletzung – gab es jetzt im ganz realen Gerichtssaal eine Geldstrafe.
  • Die Plattform Instagram nutzte jetzt ein Betzdorfer für wilde Droh- und Beleidigungstiraden. Dafür –, und für eine Körperverletzung – gab es jetzt im ganz realen Gerichtssaal eine Geldstrafe.
  • Foto: Pixabay (Symbolfoto)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nb Betzdorf. „Alles Opfer (außer Jannik)“ hieß die Instagramgruppe – und willentlich war hier keiner Mitglied. Außer eben: Jannik T., Gründer der Gruppe. „Alles Opfer“: Das war praktisch noch eine der harmloseren Beleidigungen des 25-Jährigen, der in Betzdorf lebt. In der virtuellen Welt schrieb er immer wieder zwei jungen Frauen und bombardierte sie regelrecht mit obszönen, sexistischen und rassistischen Beleidigungen und Bedrohungen. So ließ er eine der beiden unter anderem wissen: „Den Gnadenschuss kriegst du von mir.“
Angeklagter schlägt Kontrahenten ins GesichtDass der Hass im Netz Folgen im realen Leben haben kann, bekam der nicht vorbestrafte Jannik T.

nb Betzdorf. „Alles Opfer (außer Jannik)“ hieß die Instagramgruppe – und willentlich war hier keiner Mitglied. Außer eben: Jannik T., Gründer der Gruppe. „Alles Opfer“: Das war praktisch noch eine der harmloseren Beleidigungen des 25-Jährigen, der in Betzdorf lebt. In der virtuellen Welt schrieb er immer wieder zwei jungen Frauen und bombardierte sie regelrecht mit obszönen, sexistischen und rassistischen Beleidigungen und Bedrohungen. So ließ er eine der beiden unter anderem wissen: „Den Gnadenschuss kriegst du von mir.“

Angeklagter schlägt Kontrahenten ins Gesicht

Dass der Hass im Netz Folgen im realen Leben haben kann, bekam der nicht vorbestrafte Jannik T. (Namen von der Redaktion geändert) jetzt zu spüren: Er musste sich vor Strafrichter Tim Hartmann im Betzdorfer Amtsgericht verantworten.
Auf der Anklagebank saß ein ruhiger, durchaus reflektiert wirkender junger Mann. Dieser Eindruck ließ sich nur schwer mit dem überein bringen, was Amtsanwalt Mies da aus der Anklageschrift vorlas. Neben den genannten Beleidigungen und Bedrohungen in dem sozialen Netzwerk gab es auch einen Vorfall aus dem „echten“ Leben: Im Januar dieses Jahres soll Jannik T. im Rewe-Markt in Scheuerfeld zuerst Sophia B. beleidigt und sich anschließend mit deren Kumpel vor dem Geschäft geschlagen haben. Dabei verpasste er laut Anklage seinem Kontrahenten einen Schlag ins Gesicht.
Bewiesen wurde dies durch die übereinstimmenden Zeugenaussagen von Sophia B., ihrem Begleiter und einem damaligen Marktmitarbeiter.

Frauen in sozialen Medien beleidigt

Die 21-jährige Sophia B. war auch eine der Frauen, die einen Teil der nicht zitierfähigen Hasstiraden auf Instagram abbekamen. Die andere war ihre Freundin Melek M. Sie berichtete von der „Alles Opfer“- Gruppe, von Nachrichten von gefälschten Profilen, bei denen sie aber schließlich wusste, dass Jannik T. dahinter steckte, von den üblen Hass- und Drohbotschaften.
Sie habe den Bruder von Jannik T. gekannt, aber nicht den Angeklagten selbst, so Melek M. Allerdings sei man wohl eine Zeit lang gemeinsam in der Berufsschule gewesen, sie habe sich aber nicht an ihn erinnern können.
Richter Hartmann hatte da schon so eine leichte Ahnung und bohrte vorsichtig bei Jannik T. nach. Der hatte zwar anfänglich reines Schweigen angekündigt, bestätigte aber in dürren Sätzen, dass er „mit einigen Leuten persönliche Differenzen“ habe. Auch sei nicht nur beim Supermarkt-Vorfall – dort hatte ein Test 1,7 Promille ergeben – Alkohol im Spiel gewesen, sondern auch bei den Beleidigungen im virtuellen Raum.

Angeklagter gesteht Hassbotschaften

Wenn man Differenzen hat, gehe man denen aus dem Weg, riet Amtsanwalt Mies dem Angeklagten. „Was soll der Kindergarten?“, hatte er zuvor mit Blick auf die Instagram-Gruppe gefragt. Fern halten, fertig – ansonsten sehe man ja, wo das ende. Alles ein „Kindergarten“, bekräftigte er gleich noch mal. Und fügte an: „Das kostet hier alle nur unnötig Zeit.“
Hartmann verlass noch die Chatprotokolle und Jannik T. bestätigte abermals: „Das, was das steht, habe ich geschrieben.“
Mies forderte in seinem Plädoyer eine Geldstrafe – dass die Tagessatz-Höhe sehr niedrig ausfiel, war der Tatsache geschuldet, dass Jannik T. seit Kurzem ohne Einkommen ist. Den 40 Tagessätzen à 10 Euro folgte Hartmann mit seinem Urteil. Er gab Jannik T. noch mit auf den Weg: „Man sieht, dass soziale Medien auch Probleme mit sich bringen können.“

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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