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MdB Sandra Weeser zieht erste Bilanz
Keine Themen zum Wegducken

Sandra Weeser hat seit der letzten Wahl einen Sitz im Berliner Parlament – Zeit für eine erste Zwischenbilanz.
  • Sandra Weeser hat seit der letzten Wahl einen Sitz im Berliner Parlament – Zeit für eine erste Zwischenbilanz.
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  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Betzdorf. Ob dieser Artikel wirklich eine Halbzeitbilanz ist, weiß nicht mal die, um die es geht. Sandra Weeser würde jedenfalls nicht darauf wetten, dass die Große Koalition in Berlin wirklich bis zum Ende der Legislaturperiode durchhält. „Ich weiß es nicht, wir sollten die Landtagswahlen abwarten. Es wird alles an der Frage hängen, wo sich die SPD regenerieren will.“

In dieser Einschätzung schwingt – auch wenn man es so lesen könnte – keine Häme mit: Als stellvertretende Landesvorsitzende der Liberalen kennt Sandra Weeser das Tal der Tränen selbst nur zu gut. 2011 flogen die Liberalen aus dem Mainzer Landtag, zwei Jahre später blieb ihnen die Mitwirkung im Bundestag verwehrt. „Das kann reinigend sein, so etwas mal durchzumachen.

damo Betzdorf. Ob dieser Artikel wirklich eine Halbzeitbilanz ist, weiß nicht mal die, um die es geht. Sandra Weeser würde jedenfalls nicht darauf wetten, dass die Große Koalition in Berlin wirklich bis zum Ende der Legislaturperiode durchhält. „Ich weiß es nicht, wir sollten die Landtagswahlen abwarten. Es wird alles an der Frage hängen, wo sich die SPD regenerieren will.“

In dieser Einschätzung schwingt – auch wenn man es so lesen könnte – keine Häme mit: Als stellvertretende Landesvorsitzende der Liberalen kennt Sandra Weeser das Tal der Tränen selbst nur zu gut. 2011 flogen die Liberalen aus dem Mainzer Landtag, zwei Jahre später blieb ihnen die Mitwirkung im Bundestag verwehrt. „Das kann reinigend sein, so etwas mal durchzumachen. Entscheidend ist: Wie kommt man am Ende des Tages da raus?“

Dass die FDP sich gefangen hat, steht außer Frage – einige Wochen nach der Bundestagswahl sah es ja sogar danach aus, dass die Liberalen wieder auf den Regierungsbänken landen würden. Bis zu diesem Sonntagabend im November, als Christian Lindner die Koalitionsverhandlungen platzen ließ. Aus heutiger Sicht ein Fehler? „Die Entscheidung war richtig. Es hätte die FDP beschädigt, wenn wir in einer Koalition nicht das hätten halten können, was wir versprochen haben. Aber, Hand aufs Herz: Die Entscheidung, die Verhandlungen zu beenden, hätte früher kommen müssen“, meint die Betzdorferin. „In der öffentlichen Wahrnehmung war das einfach zu spät.“

Ihr persönlich hat das anschließende zähe Ringen um die neuerliche Große Koalition aber durchaus ins Blatt gespielt: Es hat ihr den Start erleichtert. Denn die FDP musste sich in Berlin erst einmal neu finden. Nur 20 der 80 Abgeordneten in der Fraktion hatten Erfahrung als Bundestagsabgeordnete, die Fraktion hatte keinen einzigen Mitarbeiter. Und am Anfang war nicht einmal Geld da, um die Beschäftigten zu bezahlen: „Das gibt’s erst, wenn der Fraktionsstatus anerkannt ist. Also haben wir Abgeordnete den Vorschuss aus unserer Tasche gezahlt.“ Und auch, um die Abläufe in Berlin zu verinnerlichen, sich im Dschungel der Lobbyisten zu orientieren und die eigene Arbeit zu organisieren, war ein bisschen Vorlauf nicht schlecht: „So konnten wir Neulinge uns in Ruhe einfinden.“

Jetzt, da der Politikbetrieb läuft, ist von der Ruhe wenig geblieben. Weser schätzt ihre Wochenarbeitszeit auf rund 100 Stunden, mehr als 15-mal ist die 49-Jährige für Redebeiträge ans Mikro des Bundestags getreten, und dass sie für die Liberalen einen Platz im Wirtschaftsausschuss besetzt, darf als Vertrauensbeweis der Fraktionsführung verstanden werden – schließlich ist es mehr als nur ein Klischee, dass von 80 FDP-Abgeordneten 78 „Wirtschaftsausschuss“ antworten würden, wenn man sie nach ihrem bevorzugten Tätigkeitsfeld fragen würde.

Dass Sandra Weeser in Berlin immer wieder in Erscheinung tritt, liegt vor allem an den Schwerpunkten, die sie für ihre Fraktion beackert. Sie ist für Rüstungsexporte, Energie und Außenhandel zuständig – alles keine Themen, um sich in der hinteren Reihe der Fraktion wegzuducken.

Und doch überlagert eine Baustelle gerade alle anderen: der Klimawandel. „An der Klimadebatte kommt man nicht vorbei“, sagt sie, „was aber auch dazu führt, dass andere wichtige Themen zu kurz kommen“. Und auch die Art, wie die Diskussion aktuell geführt wird, geht ihr teilweise gegen den Strich. Speziell das Bauern-Bashing hält Weeser für verfehlt: „Ich kaufe auch Bio, und ich hab zuhause auch einen Biogarten“ (wenn auch einen, der regelmäßig von einem Reh geplündert wird...). Aber: „Eine immer größere Weltbevölkerung werden wir mit Bio allein nicht ernähren können.“ Ohnehin seien beim Klimaschutz alle gefordert: „Wenn all die, die über den Klimawandel reden, vor der eigenen Haustür kehren würden, wären wir einen großen Schritt weiter“, sagt sie und kommt auf Fleisch aus dem Discounter und jährliche Urlaubsreisen mit dem Flugzeug zu sprechen.

Dass man bei den Stichworten Flugzeug und Klimawandel in diesen Tagen an die Vereidigung der neuen Verteidigungsministerin denkt, liegt auf der Hand: Mitten in der Sommerpause sind schließlich hunderte Abgeordnete nach Berlin gejettet – die CO<sub>2</sub>-Bilanz des Amtsantritts von Annegret Kramp-Karrenbauer dürfte verheerend ausfallen. Auch Sandra Weeser ist nach Berlin geflogen: „Weil die Bahn für mich keine Alternative ist, wenn ich pünktlich sein muss. Fast immer, wenn ich mit dem Zug fahre, komme ich zu spät an.“ Das gilt übrigens auch für den Abend nach der Vereidigung der neuen Ministerin: „Mein Flugzeug ist auf die Minute pünktlich gelandet, und ich hab mich gefreut, noch pünktlich zum Essen mit meiner Familie zuhause zu sein.“ Dann hatte allerdings der RE 9 Verspätung: erst fünf Minuten, dann zehn, dann fünfzehn – nach drei Stunden wurde der Zug ersatzlos gestrichen. Weesers Fazit liegt auf der Hand: Ein paar Prozentpunkte weniger Mehrwertsteuer werden nicht reichen – bei der Bahn muss sich mehr tun.

Und was muss sich bei ihr tun, damit sie ihre erste Legislaturperiode am Ende als vollen Erfolg betrachten kann? Sie will weiter Themen setzen – wie zum Beispiel mit ihren Umfragen in der Wirtschaft. So hat ihr Büro für die gesamte FDP-Fraktion bundesweit Unternehmen zu den Themen Zollabwicklung und Energie befragt. „Das hat wertvolle Erkenntnisse geliefert, nach denen wir unser Handeln ausrichten können.“ Zweites erklärtes Ziel: „Ich möchte im Wahlkreis noch intensiver als Ansprechpartnerin wahrgenommen werden.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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