SZ

Parallelen zum „Fall Metzelder“
Kinderpornos: Rechtsanwalt aus dem AK-Land verurteilt

Ein Rechtsanwalt aus dem Kreis Altenkirchen wurde wegen des Besitzes und der Verbreitung von kinder- und jugendpornografischem Material vom Schöffengericht Betzdorf verurteilt.
  • Ein Rechtsanwalt aus dem Kreis Altenkirchen wurde wegen des Besitzes und der Verbreitung von kinder- und jugendpornografischem Material vom Schöffengericht Betzdorf verurteilt.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Betzdorf. Es ist eine Erkenntnis, die nicht erst seit der Verurteilung von Christoph Metzelder gereift ist: Kinderpornografie ist kein Thema, das sich am Rande der Gesellschaft abspielt, nur in bestimmten Milieus. Die sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen, der Missbrauch, reicht quer durch alle Schichten. Das zeigte sich am Dienstag vor dem Schöffengericht Betzdorf. Dort wurde Günter Z. (Name geändert), ein bestens situierter Rechtsanwalt aus dem Kreis Altenkirchen, wegen des Besitzes und der Verbreitung von kinder- und jugendpornografischem Material zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Es ist, wenn man so will, der „Fall Metzelder“ des AK-Landes, offenbaren sich doch viele Parallelen.

thor Betzdorf. Es ist eine Erkenntnis, die nicht erst seit der Verurteilung von Christoph Metzelder gereift ist: Kinderpornografie ist kein Thema, das sich am Rande der Gesellschaft abspielt, nur in bestimmten Milieus. Die sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen, der Missbrauch, reicht quer durch alle Schichten. Das zeigte sich am Dienstag vor dem Schöffengericht Betzdorf. Dort wurde Günter Z. (Name geändert), ein bestens situierter Rechtsanwalt aus dem Kreis Altenkirchen, wegen des Besitzes und der Verbreitung von kinder- und jugendpornografischem Material zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Es ist, wenn man so will, der „Fall Metzelder“ des AK-Landes, offenbaren sich doch viele Parallelen.

Verteidiger will Mandanten aus der Schusslinie holen

Der Prozess selbst war in den vergangenen zwei Jahren schon diverse Male angesetzt, aber immer wieder mit unterschiedlichen Begründungen abgesetzt worden. Nun fand er weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Lediglich bei der Verlesung der Anklageschrift und der reinen Urteilsverkündung blieben die Türen nicht geschlossen. Beantragt hatte das Verteidiger Clemens Louis, dessen Strategie sonnenklar war: Seinen Mandaten so weit wie möglich aus der Schusslinie zu holen.
Der Essener Rechtsanwalt gibt im Internet auch Rechtstipps, wenn Polizei und Staatsanwaltschaft wegen der Verbreitung von Kinderpornografie ermitteln.

Es griff hier der Schutz der Persönlichkeitsrechte. Denn im Rahmen der Beweisaufnahme musste Günter Z. Einblicke in seine Vorlieben und Neigungen geben. Nach dem Antrag der Verteidigung war das Gericht praktisch gezwungen, diesem stattzugeben: „Ein Angeklagter hat die gleichen Rechte wie jeder andere“, stellte Richterin Beatrice Haas später im Gespräch mit der SZ klar.

Rechtsanwalt soll Hunderte Fotos besessen und hochgeladen haben

Dass durch den Ausschluss aber auch Spekulationen das Feld geebnet werden – auch dieses Dilemmas war sich die Vorsitzende bewusst. Zudem Louis am Vortag telefonisch um eine Verständigung gebeten hatte. Der „Deal“ dabei: Sollte Günter Z. ein „glaubhaftes“ Geständnis ablegen, soll es eine Bewährungsstrafe zwischen einem und zwei Jahren plus 1000 Euro Geldbuße geben. Darauf ließen sich alle Prozessbeteiligten ein, auch Staatsanwalt Julian Simon. Haas wollte aber ausdrücklich festgehalten haben, dass dies ein ganz normales juristisches Vorgehen sei und nichts mit der Person des Beschuldigten zu tun habe.

Zur Anklage: Der Anwalt soll in den Jahren 2016 und 2017 Hunderte Fotos besessen und in einschlägigen Chats hochgeladen haben. Staatsanwalt Simon nannte Günter Z. einen „Sammler und Verbreiter“. Zu sehen waren meist junge Mädchen, teils im Grundschulalter, und Jugendliche in eindeutigen Posen. Wie die Ermittler ihm auf die Schliche kamen, ist unklar. Fest steht, dass es sowohl in der Kanzlei als auch in der Privatwohnung Durchsuchungen gab, wobei Laptops und DVDs sichergestellt wurden.

Kinderpornos als Vergehen - nicht als Verbrechen

Bei der Urteilsverkündung kam heraus, dass das Verfahren in zwei Fällen eingestellt wurde. Und bei einem anderen Vorwurf war nicht mehr von 684 Dateien die Rede, sondern noch von 59. Letztlich sah es das Gericht als erwiesen an, dass in elf Fällen kinderpornografisches und in zwei Fällen jugendpornografisches Material vorhanden war.
Für die Strafe von eineinhalb Jahren gilt eine dreijährige Bewährungszeit, die 1000 Euro müssen an den Verein „Brücke“ Altenkirchen gezahlt werden.

Ob das Urteil auch Auswirkungen auf die Zulassung des Anwalts hat, ist noch unklar. Besitz und Verbreitung besagter Bilder werden noch als Vergehen und nicht als Verbrechen eingestuft, was der Gesetzgeber aber bald ändern will.
Was bei diesem Prozess noch auffiel: Es herrschte in den Unterbrechungen (in Abwesenheit der Gerichts) eine fast schon locker-entspannte Atmosphäre: Clemens Louis scherzte mit dem Staatsanwalt und erzählte Anekdoten aus seinem Arbeitsalltag. Natürlich ging es auch um das Impfen und die Einschränkungen – und irgendwann beteiligte sich sogar Günter Z. an der Diskussion. Spätestens da wirkte die Verhandlung, als ginge es hier um eine Ordnungswidrigkeit und nicht um Kinderpornografie.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

13 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen