Tradition wird nun mancherorts anders gehandhabt
Klappern am Fenster

Solche Szenen – wie hier 2019 in Herdorf – wird es in diesem Jahr nicht geben. Zwar will man im Städtchen auch auf die Straße zum Klappern, aber nur in Zweier-Teams. In anderen Dörfern rappelt man aus dem Fenster oder der Haustür.  Archivfoto: rai
  • Solche Szenen – wie hier 2019 in Herdorf – wird es in diesem Jahr nicht geben. Zwar will man im Städtchen auch auf die Straße zum Klappern, aber nur in Zweier-Teams. In anderen Dörfern rappelt man aus dem Fenster oder der Haustür. Archivfoto: rai
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Kreis Altenkirchen. Kleppern, klappern, rappeln, rommeln: Der Brauch an den Kartagen hat oftmals von Dorf zu Dorf unterschiedliche Bezeichnungen. Die große Gemeinsamkeit in diesem Jahr ist allerdings: Nirgendwo wird der Tradition so gefrönt, wie es sonst üblich ist.

Auch hier greift das Coronavirus tief in die gesellschaftlichen Gepflogenheiten ein. Doch während die Osterfeiern in den Kirchen in diesem Jahr ausfallen müssen, gibt es beim Klappern nicht per se eine Absage.

In Herdorf will man, Stand jetzt, trotzdem vor die Tür gehen. Obermessdienerin Lisa Schischkowski erläuterte beim Anruf der SZ, dass man zunächst geplant hatte, in Fünfergruppen durchs Dorf zu ziehen. Dann kamen die noch umfangreicheren Kontaktauflagen. Nun will man in Herdorf Zweier-Teams bilden, im Idealfall Geschwister gemeinsam losschicken, die sowieso zusammen unter einem Dach leben. „Wir versuchen das erstmal so“, sagt Schischkowski, die allerdings betont, dass das „Stand heute“ sei.

Man verzichte dieses Jahr allerdings auf die Unterstützung der jüngeren Mess-dienerjahrgänge. „Das ist uns zu riskant.“ Dafür hätten bereits einige „Ehemalige“ Bereitschaft signalisiert, bestimmte Straßenzüge zu übernehmen. Und so müssen die Herdorfer an Karfreitag um 7, 12 und 18 Uhr und am Karsamstag um 7 Uhr nicht auf die gewohnten Klänge verzichten wenn auch etwas dünner als sonst. Das anschließende Spendensammeln an den Haustüren (für die Messdienerkasse) fällt aber dieses Jahr aus, zumindest für den Moment. Das wolle man im Laufe des Jahres nachholen, sagt die Obermessdienerin.

In Dermbach sieht’s anders aus. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht durchs Dorf zu gehen“, sagt Ilonka Schneider auf Nachfrage. Hier sollen die Kinder an den Fenstern und in den Haustüren stehen und drei Minuten für reichlich Lärm sorgen und damit die Glocken ersetzen. An beiden Kartagen geschieht das jeweils um 7, 12 und 18 Uhr. Das sei „mit allen abgeklärt“, etwa mit dem Ordnungsamt und dem Ortsvorsteher. Die Idee für diese Form des Klepperns hatten sich die Dermbacher bei den Grünebachern geholt.

Denn auch hier geht man in den „Standbetrieb“, und zwar bereits am Gründonnerstag, 18 Uhr (außerdem an Karfreitag um 6, 12, und 18 Uhr, zudem an Karsamstag um 6 Uhr). Einige Jugendliche aus dem Dorf hätten diesen tollen Einfall gehabt, berichtete Ortsbürgermeister Mike Pfeifer „seinen“ Grünebachern in der entsprechenden WhatsApp-Gruppe. Über die Art und Weise der üblichen Belohnung fürs Rappeln werde man sich noch Gedanken machen, so der Orts-Chef. Der Vorschlag stieß auf zahlreiche positive Kommentare. Unter anderem vom Vorsitzenden des örtlichen Gesangsvereins: „Muss ich den Rappelkasten doch vom Speicher holen...“, schrieb Markus Lück.

„Trotz der derzeit nötigen Distanz Gemeinschaft erleben und sich und die Gemeinde auf das Osterfest vorbereiten“: So heißt es in einem Schreiben der Messdienerschaft St. Elisabeth Elkenroth. Auch hier will man „von zuhause aus aktiv werden“. Einbezogen werden hier auch die Erstkommunionkinder. „Jeder wird dann zu den gewohnten Zeiten für eine Minute am Fenster, auf dem Balkon oder vor der Haustüre kleppern.“

Eigentlich genauso sieht es in Gebhardshain aus. Pastor Rudolf Reuschenbach verweist im Telefonat auf die Maßgabe des Bistums Trier und den entsprechenden Aufruf #WirKlappernZuHause. Daran könne sich jeder eigenverantwortlich beteiligen. Und: Selbstverständlich müsse auch das Einsammeln der Dankesgabe ausfallen.

In Alsdorf will man aufgrund der aktuellen Entwicklung dieses Jahr mit dem Klappern schlicht pausieren. 2021 soll es dann weitergehen. „Die Tradition soll auf jeden Fall erhalten bleiben“, sagt Cécile Himmrich.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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