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Buch über das Gebhardshainer Land
Konrad Schwan kämpft für den Erhalt von Bräuchen

Konrad Schwan fühlt sich seiner Heimat seit jeher verbunden – jetzt hat er ein Buch über die Traditionen und Bräuche des Gebhardshainer Landes geschrieben.
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  • Konrad Schwan fühlt sich seiner Heimat seit jeher verbunden – jetzt hat er ein Buch über die Traditionen und Bräuche des Gebhardshainer Landes geschrieben.
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damo Kausen. Wenn jemand Land und Leute im AK-Kreis kennt, dann ist das Konrad Schwan. Klar, das liegt an seiner Vita und seinem jahrzehntelangem kommunalpolitischen Engagement. Aber nicht nur: Viel hat Schwan auch seinem offenen Wesen zu verdanken. Er redet mit unzähligen Mitmenschen, er hört ihnen zu – und er kennt unzählige Geschichten und Geschichtchen. Und doch weiß auch er nicht, warum aus dem Bollerwagen in Steineroth früher immer wieder die Antwort „Kuckuck!“ kam, wo doch eigentlich „Miau“ richtig gewesen wäre.
Konrad Schwan möchte Bräuche erhalten
Schwan erzählt diese Episode schmunzelnd, und man merkt ihm an, dass ihm das Brauchtum seiner Heimat am Herzen liegt. „Bräuche sind für mich ein Stück Heimat“, sagt er, „sie tragen zur Identität bei.

damo Kausen. Wenn jemand Land und Leute im AK-Kreis kennt, dann ist das Konrad Schwan. Klar, das liegt an seiner Vita und seinem jahrzehntelangem kommunalpolitischen Engagement. Aber nicht nur: Viel hat Schwan auch seinem offenen Wesen zu verdanken. Er redet mit unzähligen Mitmenschen, er hört ihnen zu – und er kennt unzählige Geschichten und Geschichtchen. Und doch weiß auch er nicht, warum aus dem Bollerwagen in Steineroth früher immer wieder die Antwort „Kuckuck!“ kam, wo doch eigentlich „Miau“ richtig gewesen wäre.

Konrad Schwan möchte Bräuche erhalten

Schwan erzählt diese Episode schmunzelnd, und man merkt ihm an, dass ihm das Brauchtum seiner Heimat am Herzen liegt. „Bräuche sind für mich ein Stück Heimat“, sagt er, „sie tragen zur Identität bei. Deshalb wäre es sicher nicht verkehrt, wenn sich der eine oder andere Brauch noch lange halten würde“. Dazu gehört aber auch, sie präsent zu halten – und schon das ist Grund genug für den Vorsitzenden des Kreisheimatvereins, ein Buch über die Bräuche und Gepflogenheiten des Gebhardshainer Landes zu schreiben.

Aber zuerst einmal zurück zum Kuckuck. Einer der alten Bräuche, der es nicht geschafft hat, bis in unsere Zeit zu überdauern, ist der des „Mai-Mieschens“. Schwan erzählt: Früher seien zu Beginn des Wonnemonats die Kinder von Haus zu Haus gezogen, und zwar mit einem Handkarren. Darauf lag, eingewickelt in eine Decke und unter Maiengrün verborgen, ein Kind – das „Mai-Mieschen“. Und die Leute mussten erraten, wer da versteckt im Karren kauert: „Mai-Mieschen, wer bist du?“ Überall im Gebhardshainer Land hat das Mai-Mieschen mit „Miau“ geantwortet – nur in Steineroth nicht.
Diese Anekdote zeigt: Manche Bräuche haben sich auf ein einzelnes Dorf beschränkt. Andere hingegen waren im gesamten Gebhardshainer Land verbreitet. Und viele gab es auch nur dort. Am kleinsten dürfte die Schnittmenge mit den Daadener Nachbarn sein – was mit den unterschiedlichen Konfessionen zu erklären ist: „Wenn ich über religiöses Brauchtum des Gebhardshainer Landes referiere, dann dauert das stundenlang. Und wenn Ulrich Meyer denselben Vortrag für das Daadener Land hält, ist er nach 20 Minuten fertig“, meint Schwan schmunzelnd.

Manche Bräuche im Gebhardshainer Land sind geblieben

Natürlich nehmen die religiösen Feste im Jahreslauf einen breiten Raum in seinem Buch ein – und es ist spannend zu lesen, wie gewaltig die Veränderungen im Laufe der Zeit sind. „Früher war die Adventszeit eine stille Zeit, fast wie eine zweite Fastenzeit“, skizziert Schwan ein Beispiel: „Da wäre es undenkbar gewesen, eine Weihnachtsfeier im Advent auszurichten. Und niemand wäre auch nur auf die Idee gekommen, schon eine Woche vor Weihnachten den Christbaum in seiner guten Stube aufzustellen.“
Manches ist aber auch weitgehend unverändert erhalten geblieben: Noch immer hängt Jahr für Jahr an der Spitze des Gebhardshainer Kirmesbaums eine Fleischwurst, und die Naurother haben es geschafft, ihren Hondach über die Zeit zu retten.

Andere Bräuche, die schlichtweg nicht mehr in unsere Zeit passen, sind verschwunden – zum Beispiel die „Ziegenprämierung“ auf der Molzhainer Kirmes. Das ist leicht zu erklären: Wer hat schon heute noch eine Ziege? „Früher sah das ganz anders aus“, erinnert Schwan an die „Gebhardshainer Bergmann-Kuh“ und die „Betzdorfer Eisenbahner-Kuh“. Und dass die Herbstferien heute nicht mehr „Kartoffelferien“ heißen, liegt auch auf der Hand: „Früher hatte mindestens der Hälfte der Haushalte eine kleine Landwirtschaft“, ruft Schwan in Erinnerung, „und natürlich mussten auch die Kinder mit anpacken“.
Mehr dazu findet sich im Kapitel „Kinderarbeit“ – und zwar schon ziemlich bald: „Das Buch ist praktisch fertig“, freut sich Schwan im SZ-Gespräch: In wenigen Wochen wird das 140-seitige Werk im Buchhandel und beim Autor selbst erhältlich sein.

Konrad Schwan fühlt sich seiner Heimat seit jeher verbunden – jetzt hat er ein Buch über die Traditionen und Bräuche des Gebhardshainer Landes geschrieben.
Hier im Bild ist eine Ziegenprämierung zu sehen: In Konrad Schwans Buch „Das Leben im Gebhardshainer Land im Wandel der Zeit“ finden sich auch zahlreiche alte Bilddokumente, die Einblick in längst vergangene Tage gewähren.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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