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Fa. NeurologIQ
Kreativ zur künstlichen Intelligenz

Dieses Trio steht hinter dem Namen NeurologIQ: Tim Klein, Sebastian Weide und Firmengründer Simon Sack (v. l.). Auch wenn es um künstliche Intelligenz geht, kommt das reale „Bandfeeling“ im Unternehmen nicht zu kurz.
  • Dieses Trio steht hinter dem Namen NeurologIQ: Tim Klein, Sebastian Weide und Firmengründer Simon Sack (v. l.). Auch wenn es um künstliche Intelligenz geht, kommt das reale „Bandfeeling“ im Unternehmen nicht zu kurz.
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  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Siegen/Bruche/Mudersbach. Was war zuerst da? Die berühmte, eigentlich philosophische Frage wie bei der Henne und dem Ei stellt sich in diesem Fall nicht: Künstliche Intelligenz als eines der großen Themen des jungen 21. Jahrhunderts setzt immer einen natürlichen Grips voraus – am besten eine ganze Menge Grips. Denn noch programmieren sich Apps und Anwendungen nicht von selbst. Noch nicht. Simon Sack ist jedenfalls nach wie vor Herr über seine Tastatur. Bei dem 24-Jährigen aus Bruche taucht dabei eine ganz andere Frage auf: Gute Gene oder einfach nur gut zugehört im Unterricht am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium?

Die Antwort ist letztlich vollkommen egal.

thor Siegen/Bruche/Mudersbach. Was war zuerst da? Die berühmte, eigentlich philosophische Frage wie bei der Henne und dem Ei stellt sich in diesem Fall nicht: Künstliche Intelligenz als eines der großen Themen des jungen 21. Jahrhunderts setzt immer einen natürlichen Grips voraus – am besten eine ganze Menge Grips. Denn noch programmieren sich Apps und Anwendungen nicht von selbst. Noch nicht. Simon Sack ist jedenfalls nach wie vor Herr über seine Tastatur. Bei dem 24-Jährigen aus Bruche taucht dabei eine ganz andere Frage auf: Gute Gene oder einfach nur gut zugehört im Unterricht am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium?

Die Antwort ist letztlich vollkommen egal. Fakt ist: Der Informatik-Student an der Uni Siegen ist in jungen Jahren schon Geschäftsführer von zwei Firmen, die sich ganz den spannenden Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz bei der Optimierung von Arbeitsabläufen in der Industrie widmen. Sein 2018 gegründetes Start-up hört auf den Namen NeurologIQ Visual Computing, in Berlin sitzt die FinWave GmbH als Tochterunternehmen. Und auch wenn Sack mit NeurologIQ im alten Gerling-Gebäude an der Spandauer Straße in Siegen residiert, so ist es eigentlich ein „AK-Unternehmen“: Denn komplettiert wird die junge Firma durch Sebastian Weide aus Mudersbach und den aus Hinhausen stammenden Tim Klein. Und alle drei sind nicht das, was man gemeinhin unter einem „Nerd“ versteht.

Angefangen hat dabei alles 2014: Da gründete Sack noch als Schüler die Lichttechnik-Firma „Refraction Light Design“ – und machte die Erfahrung, dass eine Gewerbeanmeldung in der Verwaltung 10,36 Euro kostet. „Die hatte ich erstmal gar nicht dabei.“ Der Brucher war auch über sein Engagement beim Chor „Haste Töne“ auf die Geschäftsidee gekommen, bei Veranstaltung für Ton und Beleuchtung zu sorgen, und machte sich regional schnell eine Namen in der Szene.

Als Glücksgriff sollte sich dann seine Begegnung mit Peter Klein erweisen. Der Geschäftsführer der Firma Wezek aus Steinebach wollte von Sack eigentlich nur das Geräusch einer simulierten Sprengung für die Grube „Bindweide“ haben. Als er aber dann hörte, dass der Brucher eigentlich Informatik-Student ist, witterte er die berühmte Win-win-Situation. Sack durfte erste kleinere Aufträge für Kunden programmieren, als Inhaber der gerade gegründeten NeurologIQ auf eigene Rechnung.

Und klar: „Am Anfang musst du schon um Vertrauen kämpfen“, sagt Sack, schließlich stand hinter ihm kein renommiertes IT-Unternehmen mit einer ellenlange Liste von Referenzen. Schon da ging es ihm aber darum, Kameras in Produktionsabläufe zu integrieren.

Durch weitere Kontakte entstand dann im Jahr 2019 die FinWave GmbH. Deren Spezialgebiet ist die Prozessoptimierung bei Banken. Und glaubt man Sack, gehören bereits einige durchaus bekannte Kreditinstitute zu den Kunden.

Nun ist, wie eingangs beschrieben, NeurologIQ keine One-Man-Show. Denn Sack erkannte relativ schnell, dass er seinem Nachnamen ein „gasse“ anfügen kann, wenn er nicht einzelne Bereiche und Aufgaben delegieren würde. Bewusst entschied er sich dafür, alte Buddies anzusprechen. Sebastian Weide ist eigentlich gelernter Mediendesigner, folgte dann aber der Lebensweisheit „Du musst das machen, was du wirklich machen willst“. So wurde aus ihm auch ein professioneller Schlagzeuger. Auf Sack traf Weide erstmals beim „Rock-gegen-rechts“-Konzert 2015 in Alsdorf, wobei man einige private Gemeinsamkeiten entdeckte. Der Kontakt riss nie ab, nun kümmert sich Weide bei NeurologIQ um die Kommunikation im Netz und arbeitet auch wieder in seinem ursprünglichen Beruf.

Ebenfalls einen musikalischen Background hat Tim Klein. Er war jahrelang Gitarrist bei „Destination Anywhere“, der vielleicht bekanntesten Band aus der Region in der jüngeren Vergangenheit, die es immerhin bis zu „Rock am Ring“ geschafft hat. Sack hatte einst angefragt, ob er die Beleuchtung bei den Konzertshows übernehmen könne. Der Hinhausener, der jetzt in Siegen lebt, hat aber nicht nur Songs geschrieben, sondern sich auch um das Booking und die Finanzen von „Destination Anywhere“ gekümmert. Zusätzlich hat er sein BWL-Studium abgeschlossen. Sein Aufgabengebiet bei NeurologIQ ist also selbsterklärend. Was Klein letztlich zum Einstieg bewogen hat, ist aber wohl das „Bandfeeling“, das er in diesem Start-up erlebt. Die drei kreativen Freigeister verstehen sich offenbar.

Unternehmensgründer Sack kann sich jedenfalls nunmehr auf das Wesentliche konzentrieren. Und das ist das Visual Computing. Der IT-Student, der sich nach seinem 1,0-Bachelor-Abschluss gerade auf dem Weg zum Master befindet, versucht sich an einer einfachen Erklärung: „Das bedeutet, aus Bildern die größtmöglichen Informationen zu ziehen und damit Probleme zu lösen.“ Einsatzgebiete können die Vermessung oder die Qualitätskontrolle sein.

Eigentlich sind besagte Lösungen bestens geeignet, um in einer Situation wie der Pandemie ihren Durchbruch zu erleben. Doch auch Sack machte wie viele anderen Dienstleister im März zunächst einmal die Erfahrung, dass ein Auftrag nach dem anderen storniert wurde. Doch der überzeugte Pragmatiker handelte sofort und versuchte, die Kunden von den Vorteilen einer sogenannten „augmented reality“ – einer erweiterten Wirklichkeit – in der Krise zu überzeugen. So kann ein Experte z. B. vom Homeoffioce aus beim Kunden befindliche Techniker bei einer Videokonferenz durch Zusatzinformationen im Bild anleiten, indem Teile einer Maschine markiert werden. Unter 100 schwarzen Knöpfen werde so garantiert der richtige gedrückt.

Die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz in diesem Bereich kennt natürlich auch Sack noch nicht. Die Technologie sei noch ein Teenager. Dass das Ganze manchmal an die Terminator-Filme erinnert, in denen sich die Algorithmen selbstständig gemacht haben, kann er verstehen: „Wir bauen aber keine Kampfroboter.“ Und die Kamera ist für ihn kein überwachendes Werkzeug, sondern ein unterstützendes. Langfristig muss es seiner Meinung nach darum gehen, mit kreativen Lösungen dem Menschen monotone Arbeitsprozesse zu ersparen. Noch eher privat experimentiert der 24-Jährige gerade mit einer Drohne, die Schafe auf einer Weide oder Autos in einem Wohngebiet erfassen und zählen kann.

Es bleibt extrem spannend, nicht nur bei NeurologIQ. Denn hört man Tim Klein genau zu, befindet sich „Destination Anywhere“ derzeit in einer Pause, trotz Abschiedstour. Ob es hier zu einer Re-Union kommt oder das IT-Unternehmen seine einzige Band bleiben wird, dürfte am Arbeitsaufkommen liegen. Die Chancen, die Jungs nochmals auf der Bühne zu sehen, stehen in dieser Hinsicht also eher schlecht.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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