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Fensterausstellung im Betzdorfer „nahdran“
Lachen und Weinen, Leben und Tod

Karin Zimmermann und Anja Schneider-Schuhen (r.) haben ein Schaufenster im „nahdran“ gestaltet: Die Exponate sollen dazu motivieren, sich mit Themen wie Tod und Trauer zu befassen.
  • Karin Zimmermann und Anja Schneider-Schuhen (r.) haben ein Schaufenster im „nahdran“ gestaltet: Die Exponate sollen dazu motivieren, sich mit Themen wie Tod und Trauer zu befassen.
  • Foto: Gaby Wertebach
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

gum Betzdorf. Eigentlich hätte die „Ökumenische Woche für das Leben“ schon im Mai stattgefunden, und zwar unter der Überschrift „Dem Sterben Leben geben“. Aber wie so viele andere Veranstaltungen fiel auch diese der Pandemie zum Opfer. Das war für Karin Zimmermann, Sozialpädagogin im Ambulanten Hospizdienst der Caritas, und Anja Schneider-Schuhen, Gemeindereferentin und ausgebildete Trauerbegleiterin in der Pfarreiengemeinschaft Gebhardshain/Elkenroth, Grund genug, das Thema auf eine andere Weise aufzugreifen: Sie haben ein Schaufenster im „nahdran“ in der Bahnhofstraße gestaltet.
Verdrängung der eigenen EndlichkeitWelche Zeit könnte auch besser zum Thema Sterben und Tod passen als der Monat November?

gum Betzdorf. Eigentlich hätte die „Ökumenische Woche für das Leben“ schon im Mai stattgefunden, und zwar unter der Überschrift „Dem Sterben Leben geben“. Aber wie so viele andere Veranstaltungen fiel auch diese der Pandemie zum Opfer. Das war für Karin Zimmermann, Sozialpädagogin im Ambulanten Hospizdienst der Caritas, und Anja Schneider-Schuhen, Gemeindereferentin und ausgebildete Trauerbegleiterin in der Pfarreiengemeinschaft Gebhardshain/Elkenroth, Grund genug, das Thema auf eine andere Weise aufzugreifen: Sie haben ein Schaufenster im „nahdran“ in der Bahnhofstraße gestaltet.

Verdrängung der eigenen Endlichkeit

Welche Zeit könnte auch besser zum Thema Sterben und Tod passen als der Monat November? Die Tage werden kürzer, die Blätter fallen, und die Fröhlichkeit des Sommers weicht der Melancholie. Die Zeit im Zeichen der Vergänglichkeit erinnert an den Umgang mit Begrenztheit und Tod. Viele Menschen verdrängen aber die damit verbundenen Gedanken und Gefühle an die eigene Sterblichkeit. Im geschäftigen, zielgerichteten Alltag haben der Gedanke daran und oft vor allem auch die Trauer keinen Platz. Es wird noch nicht einmal mit der Familie oder dem Partner darüber gesprochen, wie die Bestattung oder die letzte Phase des Lebens gestaltet werden sollen.

Ein „letztes Hemd“ ohne Taschen

Ein Bestatter hat aus seinem Fundus für die Fenstergestaltung im „nahdran“ ein „letztes Hemd“ zur Verfügung gestellt. Das Gewand hat keine Taschen, was versinnbildlichen soll, dass der Mensch keine irdischen Güter mit ins Jenseits nehmen kann.
Der kleine Koffer für die letzte Reise ist gefüllt ist mit Gegenständen wie dicken Socken oder einem kleinen Plüschteddy. Anschaulich sind die Symbole des Abschieds, der Trauer, des Glaubens und Trostes, der Hoffnung, Nähe und Freundschaft zusammengestellt – sie wollen eine Anregung geben: „Was würde ich mitnehmen, was einpacken auf dem letzten Weg? Gegenständliches oder Ideelles?“
Literaturhinweise zur Thematik, Bücher und Impulse lassen sich dort entdecken; sie alle sollen dazu animieren, sich dem Thema Sterben und Tod auf eigene Weise anzunähern.

Sterbebegleitung darf weiter stattfinden

„Die Fenstergestaltung ist auch dazu geeignet, sich mit Kindern möglichst unbefangen dem Thema Sterben und Tod zu nähern“, erklärt Anja Schneider-Schuhen. Sie hat bereits in einer Grundschule und in Oberstufen-Klassen Fragen zum Thema beantwortet.
Gemeinsam mit rund 35 Ehrenamtlichen unterstützen, begleiten und betreuen Karin Zimmermann und Anja Schneider-Schuhen Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörige. Trotz Corona darf die Sterbebegleitung weiter stattfinden, ob in der Familie, der Klinik oder in Pflegeheimen. Die Konfession spielt keine Rolle. Sie schenken den Kranken Schutz und Zuwendung, wobei sie selbstverständlich die Vertraulichkeit wahren. Sie achten die Wünsche und Bedürfnisse schwerstkranker Menschen und ihrer Angehörigen und bringen etwas Lebensnormalität in eine Extremsituation.

Zeit für Gespräche und zum Zuhören

Die Familie und Freunde werden entlastet, und oft kann dazu beigetragen werden, dass die Betroffenen in ihrer gewünschten Umgebung bleiben können. Vor allem aber sind die Trauerbegleiter Entschleuniger. Sie schenken etwas, das heute rar geworden ist: Zeit. Zeit für Gespräche, Zeit zum Zuhören.
Oft ist es einfach nur die bloße Anwesenheit, die Ruhe, Schutz und Entspannung vermittelt, wenn Karin Zimmermann, Anja Schneider-Schuhen und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter sich engagieren, sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen.

Persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod

Hospizbegleiter kann jeder nach einer Ausbildung von zehn Monaten werden, der sich für die Fragestellungen und die Unterstützung am Ende des Lebens interessiert. Die erste Veranstaltung dazu ist die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben und Tod. „Da geht es selten ohne Tränen ab“, berichtet Karin Zimmermann. „Allein schon die Frage, was man abgeben würde, wenn man wüsste, dass man sterben muss, ist sehr schwer zu beantworten.“
Dass sie teilhaben an einem ganz besonderen Lebensabschnitt, ist manchmal schwer, oft aber auch erfüllend. Und wenn es sich auch um traurige und endliche Abschiedssituationen handelt, so wird doch häufig viel gelacht. „Es ist wichtig, dass neben Angst, Trauer und Anspannung auch das Lachen seinen Platz hat“, so Karin Zimmermann. Und irgendwie gehören Lachen und Weinen ja auch zusammen, wie das Leben und der Tod.
Wer mehr wissen will, kann sich an Karin Zimmermann wenden, entweder unter Tel. (0 27 41) 93 77 31 oder per E-Mail an hospiz-ambulant@caritas-betzdorf.de. Alternativ hilft auch Anja Schneider-Schuhen gerne weiter, Tel. (0 27 41) 4 10), anja.schneider-schuhen@bgv-trier.de.

Autor:

Gaby Wertebach (Freie Mitarbeiterin) aus Betzdorf

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