Landrat a.D. Hanns Kraemer †

Betzdorf/Koblenz. Landrat a.D. Hanns Kraemer ist, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 26. Oktober im Alter von 84 Jahren verstorben. Hanns Kraemer war zuletzt Landrat in Bad Ems und lebte seit seiner Versetzung in den Ruhestand in Koblenz. Von 1954 bis 1956 war er Bürgermeister der Stadt und von 1956 bis 1967 in Personalunion der erste hauptamtliche Bürgermeister von Stadt und Verbandsgemeinde Betzdorf.Betzdorf. Dass Frauen nicht „ja” meinen, wenn sie „nein” sagen, hat jetzt ein 19-Jähriger Dickendorfer erfahren müssen: Er wurde vom Betzdorfer Jugendschöffengericht wegen sexueller Nötigung zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Weitere Auflage: Im Rahmen einer Therapie muss sich der Angeklagte damit auseinandersetzen, dass sein Wille nicht zwangsläufig der von anderen Menschen sein muss.

Der Vorfall, der Dirk P. (alle Namen von der Redaktion geändert) auf die Anklagebank brachte, liegt fast ein Jahr zurück. In der Nacht zum 14. November wurde im Malberger Jugendtreff gefeiert. Das spätere Opfer Nadine L. hatte den Angeklagten telefonisch eingeladen. Die beiden kannten sich gut ein Jahr, hatten sich fast jeden Tag gesehen. Ein Paar waren sie aber nie gewesen – zumindest nicht richtig, auch wenn sie einige Male miteinander geschlafen hatten.

Sie trafen sich am Malberger Jugendraum, und als Dirk P. später einen Freund nach Hause fahren wollte, ist Nadine L. mitgefahren. Sie brachte das Gespräch dann auf das Thema „Partnerschaft”: „Sind wir nun zusammen oder nicht?” Dirk P. steuerte mit seinem Wagen einen Parkplatz in Malberg an: „Das Thema wollte ich nicht auf der Fahrt klären.”

Auf dem Parkplatz aber scheinbar auch nicht – zumindest nicht verbal. Laut Anklageschrift brachte Dirk P. den Sitz seiner Beifahrerin ungefragt in Schräglage und versuchte, sie zu küssen. Das aber wollte Nadine L. nicht und sagte es Dirk P. deutlich. Dann – so die Anklageschrift – habe der 19-Jährige sie festgehalten, an Brust und Genitalien berührt und versucht, ihre Beine zu spreizen. Das dauerte nach der zuvor protokollierten Aussage des Opfers einige Minuten. Sie habe sich gewehrt. Irgendwann habe der Angeklagte von ihr abgelassen, sie zum Aussteigen gebracht und im T-Shirt auf dem Parkplatz stehen lassen – wohlgemerkt im November, und der ist im Westerwald bekanntlich kein Wonnemonat.

Kuss mit angelegten Armen?

Dirk P. bestritt diese Vorwürfe: Er habe nur versucht, Nadine L. zu küssen; er habe sie dabei nicht festgehalten. Das konnte sich Richter Reiner Rühmann allerdings nicht so recht vorstellen: „Verstehe ich Sie richtig: Sie wollten Sie mit angelegten Händen küssen?” Nach und nach räumte Dirk P. dann ein, dass er mehr als nur einen Kuss wollte. Er hatte darauf spekuliert, dass der Abend im Auto auf Geschlechtsverkehr hinauslaufen würde. Als er dann eingesehen habe, dass das nicht eintreten würde, sei er enttäuscht gewesen und habe Nadine L. deshalb auf dem Parkplatz stehen lassen.

Zurück im Jugendtreff, wurde Dirk P. von vielen Jugendlichen gefragt, wo Nadine L. sei. „Weiß ich nicht”, gab er zur Antwort, um sich dann mit seinem Auto auf die Suche zu machen. Später habe er sie gefunden: Sie sei auf dem Weg in den Jugendraum gewesen und habe gelächelt, als sie ihn gesehen habe. Mit dieser Aussage rief der Angeklagte Richter Rühmann auf den Plan – schließlich hatten verschiedene Zeugen in den Vorvernehmungen ausgesagt, Nadine L. sei völlig verstört zurückgekommen.

Nadine L. selbst machte keine Aussage. Nach langer Beratung hatten sich nämlich der Angeklagte und sein Anwalt Michael Koslowski dazu entschlossen, ein Geständnis abzulegen. „Nicht in allen Punkten, aber im Kern”, wie Rühmann bemerkte. So blieb dem Opfer zumindest die unangenehme Befragung vor Gericht erspart, und auch die übrigen Zeugen mussten nicht gehört werden.

„Das Fahrverbot tut weh”

Weil die Tat – wie auch einige Verkehrsdelikte mit Nötigungscharakter, bei denen Nadine L. ebenfalls das Opfer war – in Verbindung mit dem Auto stand, plädierte Staatsanwalt Kurt Martin auch für ein Fahrverbot. „Bei dem Wort Fahrverbot sind Sie wieder aufgewacht”, bemerkte Reiner Rühmann bei der Urteilsverkündung – wohl wissend, dass „das Fahrverbot ein bisschen weh tut.”

Trotzdem: Der Angeklagte muss einen Monat ohne seinen Führerschein auskommen, zwei Jahre Bewährung überstehen, 40 Sozialstunden ableisten und im Zuge einer Psychotherapie lernen, den Willen anderer Menschen zu respektieren. „Es ist elementar, die Bedürfnisse anderer zu akzeptieren”, sagte Rühmann, „und wenn Sie das nicht lernen, sehen wir uns bald wieder.” damo

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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