Leib, Lieb’ und Leben

Jungs-Freunde auf den Straßen Veronas (v. l.): Mercutio (Erik Studte), Romeo (Benjamin Plath) und Benvolio (Oli Rickenbacher). Foto: ciu
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ciu Betzdorf. Für wenige glückselige Momente ist Gold, was glänzt, sind Romeo und Julia im Glück. Doch unter der glitzernd-kostbaren Fassade lauert das Dunkle, die Tragik. Weh und Wonne liegen ganz eng beieinander, sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille – oder ein- und desselben weiten Tuchs. Wunderbar sind die Effekte, die sich mit dem Spiel des gold-schwarzen Lakens ergeben, das in der „Romeo-und-Julia“-Inszenierung, die die Shakespeare Company Berlin am Donnerstag in die Betzdorfer Stadthalle brachte, ein Symbol für das Himmelhoch-jauchzend-zu-Tode-betrübt ist, dem die Protagonisten unterworfen sind.

Hier große Leidenschaft und die Vision, über Gräben des Hasses Brücken des Friedens bauen zu können, dort Eiseskälte und Verachtung, die in letzter Konsequenz die Liebenden auf dem Gewissen hat. Nicht Peter, der streunende schwarze Kater, von der Berliner Truppe in die Handlung montiert, ist schuld am Tod Romeos und Julias – nein, Schuld tragen die vom Stolz Beseelten, die Mächtigen der Montagues, der Capulets.

Kurzweilig war die Darbietung der Shakespeare Company Berlin, die die alte Geschichte sehr jung erzählte. Vera Kreyer, Elisabeth Milarch, Erik Studte, Benjamin Plath, Oli Rickenbacher und Stefan Plepp wechselten in den gut zweieinhalb Stunden x-mal ihre Rollen und ihre Kleidung auch. Sie fegten über die Bühne und durch den Saal, nutzten den Raum, den die Stadthalle ihnen bot, banden auch das Publikum, das Teil des Spiels um Leib, Lieb’ und Leben wurde (zum Beispiel beim Maskentanz im Haus der Capulets), mit in die Handlung ein, sangen und musizierten und taten all das mit unbändiger Energie, mit Freude am Darstellen, mit Witz und klasse Timing.

Da gibt es Gimmicks wie den, Graf Paris als Junggesellen des Jahres zu präsentieren (und beim Liedchen zur Gitarre „unplugged“), oder den, ab und an einen Espresso zu servieren und von Antipasti und Oliven zu parlieren (ja, wir sind in Italien, in Verona, wie die schwache Silhouette auf dem Vorhang zeigt). Frech und frisch ist diese Shakespeare-Fassung von Christian Leonard, der den Text auch neu und stimmig übersetzt hat. Das macht den Menschen beim Zusehen Spaß, theatererfahrenen ebenso wie den zahlreichen Schülerinnen und Schülern, die sich am Donnerstag anschauten, was aus der Unterrichtslektüre auf der Bühne entstehen kann: ein buntes, wildes Stück pures Leben, Theater, das vor allem eines braucht, gute Schauspieler. Und so genügten als Kulisse die wenigen verrückbaren, offenen Holzquader (einer war fix, das war der Balkon!) und das gold-schwarzene Tuch. Es galt das gesprochene Wort. Haften blieben starke Bilder (wie das des Trauermarschs, Julia voran!) und Sätze wie dieser: „Liebe macht vor keiner Mauer halt“. Wie wahr!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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