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Amtsgericht Betzdorf
Männer-Freundschaft zerbricht an Motorrad

Andreas F. und Thomas R. fuhren zeitweise in derselben Hobby-Rennserie. Doch die Freundschaft ist zerbrochen, die Sache mit dem verliehenen Motorrad landete sogar vor Gericht.
  • Andreas F. und Thomas R. fuhren zeitweise in derselben Hobby-Rennserie. Doch die Freundschaft ist zerbrochen, die Sache mit dem verliehenen Motorrad landete sogar vor Gericht.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

dach Betzdorf. Es fing alles an mit einem geplatzten Motor und einem ebensolchen Traum: Weil das Motorrad beim letzten Rennen der Saison plötzlich streikte, holte Andreas F. eben keine Punkte – und musste seinen schärfsten Konkurrenten in der Gesamtwertung doch noch vorbeiziehen lassen. Am Ende dieser Geschichte mit vielen Wendungen landete der 39-Jährige auf der Anklagebank des Betzdorfer Amtsgerichts.
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Denn: Andreas F. hatte sich für dieses Rennen das Motorrad von seinem Freund Thomas R. (beide Namen geändert) ausgeliehen, der selbst dafür auf einen Start bei der Hobby-Rennserie verzichtete. „Der Motorschaden war natürlich eine sehr unangenehme Sache“, sagte der Angeklagte. Das habe er auf jeden Fall korrigieren, seinem Freund ein intaktes Motorrad zurückzugeben wollen.

dach Betzdorf. Es fing alles an mit einem geplatzten Motor und einem ebensolchen Traum: Weil das Motorrad beim letzten Rennen der Saison plötzlich streikte, holte Andreas F. eben keine Punkte – und musste seinen schärfsten Konkurrenten in der Gesamtwertung doch noch vorbeiziehen lassen. Am Ende dieser Geschichte mit vielen Wendungen landete der 39-Jährige auf der Anklagebank des Betzdorfer Amtsgerichts.
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Denn: Andreas F. hatte sich für dieses Rennen das Motorrad von seinem Freund Thomas R. (beide Namen geändert) ausgeliehen, der selbst dafür auf einen Start bei der Hobby-Rennserie verzichtete. „Der Motorschaden war natürlich eine sehr unangenehme Sache“, sagte der Angeklagte. Das habe er auf jeden Fall korrigieren, seinem Freund ein intaktes Motorrad zurückzugeben wollen. Also nahm er das Bike von der Rennstrecke in Oschersleben mit ins Daadener Land und zerlegte es in einer angemieteten Scheune in seine Einzelteile.

Geliehenes Motorrad: Polizei leitet Verfahren ein

Die Sache zog sich. Andreas F. und Thomas R. sprachen immer mal wieder über das Fortkommen der Reparaturarbeiten. Schließlich einigte man sich darauf, dass Andreas F. die Maschine am Muttertag 2020 – also ein knappes Dreivierteljahr nach dem Motorplatzer – bei Thomas R. vorbeibringt.
Doch Thomas R. traute dem Braten nicht, fuhr zur Scheune und lugte durchs Fenster. Er entdeckte sein Motorrad, allerdings weit vom „Zustand: fahrbereit“ entfernt. Und er bekam es auch nicht an Muttertag zurück, sondern am Morgen darauf, eben nicht „fertig“. Da hatte er aber bereits die Polizei eingeschaltet. Zunächst habe die gemeint, das sei eine Privatsache zwischen den beiden Motorradenthusiasten, so Thomas R. Aber dann ist wohl ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Unterschlagung ins Rollen gekommen.

Andreas F. und Thomas R. haben beide Benzin im Blut. Sie lernten sich auf der Rennstrecke in Assen kennen, wurden enge Freunde, wie der Angeklagte schilderte: Bereits 2018 habe Thomas R. ihm seine Maschine für ein Rennen geliehen. Er habe seinem Freund hingegen dabei geholfen, über einen Burn-out hinwegzukommen.

Angeklagter spricht vor dem Amtsgericht Betzdorf von privaten Problemen

Nun ging es Andreas F. in der Zeit, in der er den kapitalen Schaden an dem Motorrad beheben wollte, aber selbst nicht sonderlich gut: Trauerfälle in der Familie, Probleme mit der Ehefrau und ein Arbeitsunfall, dessen Tragweite er erst nach einiger Zeit begriffen habe. „Ich konnte meinen beruflichen und privaten Verpflichtungen nicht nachkommen“, sagte der 39-Jährige: „Säulen, die mich gehalten haben, sind eingestürzt.“

In dieser Zeit klappte es mit der Reparatur der Maschine offenbar nicht sonderlich gut. Thomas R. bezeichnete es so: „Andreas hat sich entzogen. Den haben wir nicht mehr in die Finger bekommen.“ Er habe aus dessen Umfeld dann diverse Geschichten gehört, unter anderem von einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Daher sei er eben selbst zur Scheune gefahren, für ihn nicht gerade ein Katzensprung.
Andreas F. führte seinerseits aus, dass bei allem auch sein Bruder und seine Schwägerin gewisse Rollen spielten: „Die Basis dieser Geschichte ist Neid, Missgunst und Eifersucht.“

Oberstaatsanwalt sieht keine strafrechtliche Relevanz

Nun mag Oberstaatsanwalt Sven Regner vielleicht privat ein Faible für Seifenopern haben, beruflich jedenfalls nicht: „Ich hab’ das Gefühl, dass die Polizei mit ihrer ersten Einschätzung Recht gehabt hat.“ Sprich: Es handele sich hier um eine Sache zwischen zwei Männern, bei der der Staat fehl am Platze sei. „Ich sehe momentan nicht, warum das was Strafrechtliches sein soll.“ Denn bei einer Unterschlagung müsse sich Andreas F. angemaßt haben, selbst Eigentümer des Motorrads zu sein.

Ob ihm denn daran gelegen sei, dass Andreas F. bestraft werde, fragte der Oberstaatsanwalt Thomas R., der als Zeuge im Saal war: „Ich hab’ kein Interesse, dass er wer weiß wie verknackt wird. Aber ich fände es angemessen, wenn ihm ein ordentlicher Denkzettel verpasst würde.“ Andreas F. spiele sich stets als Chef auf, habe narzisstische Züge. „Gut, aber das ist keine Unterschlagung“, bilanzierte der Oberstaatsanwalt, bevor er einen Freispruch beantragte, dem Richter Tim Hartmann auch nachkam.
Sie sollten sich doch privatrechtlich einigen – oder im Gespräch, empfahl Regner. Aber so wird es wohl nicht kommen. Thomas R: „Wir werden nicht mehr gleichzeitig eine Rennstrecke befahren.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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