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Siegener zeigen Interesse am Wohnen im AK-Land
Makler sieht Chancen für Betzdorf

Nicht nur als Betzdorfer, sondern auch als Immobilienmakler sind Felix Krause Leerstände ein Dorn im Auge. Das Geschäft in diesem gewerblichen Segment ist allerdings deutlich schwieriger als im privaten Wohnungsmarkt.
  • Nicht nur als Betzdorfer, sondern auch als Immobilienmakler sind Felix Krause Leerstände ein Dorn im Auge. Das Geschäft in diesem gewerblichen Segment ist allerdings deutlich schwieriger als im privaten Wohnungsmarkt.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

thor Betzdorf. Geht Felix Krause durch Betzdorf, durch „sein“ Betzdorf, so ist der Blick ein etwas anderer als der seiner Mitbürger. Auch er sieht Schaufenster, die diesen Namen nicht mehr verdienen, Ladenlokale, die seit Wochen und Monaten auf neue Nutzer warten. Das typische Problem vieler Mittelzentren. Krause verbindet die Leerstände aber nicht unbedingt mit einem Niedergang seiner Heimatstadt, sondern erkennt durchaus Chancen. Für einen Wandel. Für Veränderung. Gerade in Zeiten wie diesen.
Besser machen als andereDer 26-Jährige ist Immobilienmakler, seit zwei Jahren selbstständig und so etwas wie der regionale Shootingstar seiner Branche. Das klingt hochtrabend, doch 149 Bewertungen im Netz mit einem Schnitt von 4,9 Sternen (bei fünf möglichen) sind mehr als eindeutig.

thor Betzdorf. Geht Felix Krause durch Betzdorf, durch „sein“ Betzdorf, so ist der Blick ein etwas anderer als der seiner Mitbürger. Auch er sieht Schaufenster, die diesen Namen nicht mehr verdienen, Ladenlokale, die seit Wochen und Monaten auf neue Nutzer warten. Das typische Problem vieler Mittelzentren. Krause verbindet die Leerstände aber nicht unbedingt mit einem Niedergang seiner Heimatstadt, sondern erkennt durchaus Chancen. Für einen Wandel. Für Veränderung. Gerade in Zeiten wie diesen.

Besser machen als andere

Der 26-Jährige ist Immobilienmakler, seit zwei Jahren selbstständig und so etwas wie der regionale Shootingstar seiner Branche. Das klingt hochtrabend, doch 149 Bewertungen im Netz mit einem Schnitt von 4,9 Sternen (bei fünf möglichen) sind mehr als eindeutig. Das schaffen selbst gute Restaurants oder Luxus-Hotels in der Regel nicht, bei einem Makler ist so eine „Note“ eigentlich undenkbar. Der Betzdorfer hat aber genau deshalb diesen Beruf gewählt, um es besser zu machen als manche Kollegen – auch wegen eigener schlechter Erfahrungen. Wer aber schon mit 20 sein erstes Mehrparteienhaus kauft, hat natürlich automatisch eine Affinität zu diesem Beruf. Mit der SZ sprach Krause über die Situation auf dem heimischen Immobilienmarkt und die Auswirkungen der Pandemie.

Stadt nach vorne bringen

Dabei muss in der Region erst einmal und grundsätzlich zwischen dem gewerblichen und dem privaten Markt unterschieden werden. „Das war schon vor Corona sehr schwierig“, sagt Krause und meint damit die Vermarktung der vielen kleinen Geschäftsflächen und Büros in Betzdorf, Wissen und anderen vergleichbaren Orten. Und seiner Einschätzung nach ist mittelfristig keine Besserung in Sicht. „Da ist die Messe gelesen.“ Das hat in seinem Fall auch nichts mit Schlechtreden eines Standorts zu. Der 26-Jährige ist auch deshalb kürzlich der Aktionsgemeinschaft Betzdorf beigetreten, „um die Stadt ein bisschen nach vorne zu bringen“.

Existenzgründern entgegenkommen

Nach Meinung von Krause muss der Markt für diese Art von Immobilien komplett neu gedacht werden. Man könne auch nicht pauschal sagen, dass die Preise der Vermieter zu hoch seien: „Oft genug sind sie durchaus angemessen, es bezahlt sie aber keiner mehr.“ Ein probates Mittel sei es, gerade jungen Existenzgründern bei der Miete auch mal entgegenzukommen und diese zu „pushen“, denn der Leerstand sei das deutlich schlechtere Signal.

Bessere Chancen bei Gewerbekomplexen

Gleichwohl bleibe es in diesem Segment ein schwieriges Geschäft, so Krause. Und klar: In der Corona-Krise sei die Zurückhaltung von potenziellen Mietern nochmals gestiegen. Deutlich besser sehe es da schon bei größeren Gewerbekomplexen aus – Beispiel Lampertz –, die man auch noch parzelliert veräußern oder vermieten könne. Was den privaten Häuser- und Wohnungsmarkt angeht, hat der junge Immobilienmakler rein gar keine Bedenken, dass die Region mittelfristig vom Aussterben bedroht ist. Im Gegenteil: „Die Preise haben grundsätzlich angezogen“, lautet seine Beobachtung, mit der er im Kreis seiner Kollegen kein Exot ist. Auch in der Pandemie sei keine gegenläufige Tendenz zu erkennen. Dabei kann der Landkreis Altenkirchen leider nicht von der neuen Stadtflucht profitieren. „Da sind wir leider 20 Kilometer zu weit weg“, sagt Krause zu den boomenden Speckgürteln der Köln-Bonner Gegend.

Siegener haben Interesse am AK-Land

Dafür aber merkt auch Krause das Interesse aus Siegen am AK-Land: „Mudersbach und Brachbach werden sehr stark nachgefragt. Das ist eine sehr, sehr interessante Gegend. Es ist ganz selten, dass da gute Objekte angeboten werden.“ Am besten verkaufen sich – unabhängig von der Lage – demnach die klassischen Einfamilienhäuser in einer Preisspanne von 180 000 bis 300 000 Euro. Was laut Krause nicht im Umkehrschluss bedeutet, dass darüber und darunter gar nichts geht. Schon rein geschäftlich ist es für ihn natürlich lukrativ, eine große Villa an einen Geschäftsführer aus dem Siegerland zu vermitteln. Doch diese Fälle seien eher die Ausnahme. Auf der anderen Seite finden auch stark renovierungsbedürftige Häuser auf dem Westerwald einen Käufer. Überhaupt hat der Betzdorfer Makler schnell gelernt: „Wenn hier bei uns ein Einfamilienhaus nicht weggeht, liegt es fast immer am Preis.“

Unsicherheit wegen Corona

Dabei sei derzeit aber auch bei den Privatleuten eine Verunsicherung zu spüren. Die Zinsen seien zwar dauerhaft niedrig, aber wer könne jetzt schon sagen, ob seine Firma im nächsten Jahr nicht doch als Folge von Corona in die Insolvenz gerate. Doch der Drang, ins Eigenheim zu investieren, sei weiter zu spüren. So arbeitet Krause jetzt und auch nach der Pandemie daran, möglichst vielen Menschen im Siegerland und Westerwald zu den eigenen vier Wänden zu verhelfen – und den eigenen Bewertungsschnitt dabei immer nahe der fünf Sterne zu halten.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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