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Urteil vor dem Amtsgericht Betzdorf
Mann tritt Ehefrau in den Unterleib

Ein Ehepaar kriegt sich mehr als nur in die Haare.  Den „Reflex“ nahm die Richterin am Amtsgericht Betzdorf dem Angeklagten nicht ab.
  • Ein Ehepaar kriegt sich mehr als nur in die Haare. Den „Reflex“ nahm die Richterin am Amtsgericht Betzdorf dem Angeklagten nicht ab.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

goeb Betzdorf. Sie: „Es war ja lange bekannt, dass wir miteinander Schluss machen wollten.“ Er: „Sie fluchte immer auf Russisch. Einmal hat sie die Tür vom Badezimmer eingetreten.“
Strindberg’sche Szenen einer Ehe rollte das Betzdorfer Amtsgericht unter Vorsitz von Richterin Beatrice Haas in diesen Tagen in einer Verhandlung auf. Angeklagt war der 35-jährige Nicolai S. aus der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain. Er soll seine ebenfalls russischstämmige und drei Jahre jüngere Ehefrau Galja wüst beleidigt und sie dann in den Unterleib getreten haben.
Und genau um diesen Tritt drehte sich die gut dreistündige Verhandlung. War es nur eine reflexartige Abwehr, als sie auf ihn zugestürmt war und ihm den Laptop entreißen wollte? Hatte er sie nur „gepusht?“, wie der beredte Nicolai S.

goeb Betzdorf. Sie: „Es war ja lange bekannt, dass wir miteinander Schluss machen wollten.“ Er: „Sie fluchte immer auf Russisch. Einmal hat sie die Tür vom Badezimmer eingetreten.“
Strindberg’sche Szenen einer Ehe rollte das Betzdorfer Amtsgericht unter Vorsitz von Richterin Beatrice Haas in diesen Tagen in einer Verhandlung auf. Angeklagt war der 35-jährige Nicolai S. aus der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain. Er soll seine ebenfalls russischstämmige und drei Jahre jüngere Ehefrau Galja wüst beleidigt und sie dann in den Unterleib getreten haben.
Und genau um diesen Tritt drehte sich die gut dreistündige Verhandlung. War es nur eine reflexartige Abwehr, als sie auf ihn zugestürmt war und ihm den Laptop entreißen wollte? Hatte er sie nur „gepusht?“, wie der beredte Nicolai S. darlegte, der die meisten Wortbeiträge zu seiner Verteidigung trotz Rechtsanwalt neben ihm selbst lieferte. Oder war es ein gezielter Tritt in den Bauch der einst Geliebten, mit der zusammen er einen Dreikäsehoch von Sohnemann hat?

Wüste Beleidigungen in russischer Sprache

Geliebt wird das Kind von beiden. Im Saal lief der Kleine unentwegt von Papa (Anklagebank) zu Mama (Zeugenstand) und herzte seine Eltern. Er bekam gar nicht mit, dass was nicht stimmte, dass sich Mama und Papa gegenseitig mit Vorwürfen überhäuften.
Jener Tag im April dieses Jahres, an dem sich das Geschilderte ereignete, war auch der letzte gemeinsame Tag nach neun Jahren Ehe. Sie rief nach dem Tritt aus dem Bad die Polizei an, die kam, nahm den Vorfall auf und erteilte dem Ehemann Hausverbot ohne Rückkehrrecht.
Interessant waren die unterschiedlichen Versionen des Hergangs, die die beiden ablieferten. Er behauptete, seine Exfrau habe ihm, kurz nachdem er abends von der Arbeit nach Hause kam, das Kind übergeben und sich aufgebrezelt zu einer Freundin begeben. „Angeblich zu einer Freundin“, schob er hinterher. „Ich habe dann entdeckt, dass der Kleine die Windel voll hatte, und das schon lange, denn es war alles angetrocknet.“
Bei ihrer Ankunft gegen 22 Uhr habe es Streit gegeben. „Bei mir kommt das Kind zuerst“, betonte der Mann. Sie habe andere Dinge, die vorgehen, „zum Beispiel Rumhuren“. Schnell wechselte man beiderseits Beleidigungen auf Russisch. Das Gericht ließ sich einige der russischen Vokabeln übersetzen: Hure, Hurensohn, Pickelfresse, Nichtsnutz und ähnliche „Komplimente“ tauschte man aus.
Er habe mit Kopfhörern und PC auf dem Sofa gelegen, als sie sich abrupt genähert und nach dem PC gegriffen habe. „Ich dachte, sie will ihn kaputt machen, weil sie immer alles kaputt macht. Da habe ich sie mit dem Bein reflexartig weggepusht.“

Polizei bestätigt Verletzungen der Ehefrau

Richtig in den Bauch getreten habe er sie, konterte das mutmaßliche Opfer. Zurückgeflogen sei sie, habe Schmerzen gehabt und sogar eingenässt. Wütend sei sie aus deswegen gewesen, „weil er wie immer seine PC-Spiele gemacht hat und unser Sohn daneben gelegen hat“.
Die Verletzung bestätigte ein Polizeibeamter, der befragt wurde. Er hatte ein Foto von ihrem Bauch gemacht, auf dem rote Abschürfungen zu sehen waren. Und, ja, sie habe eingenässt. Während der Verteidiger es für möglich hielt, dass die Frau im Bad Wasser benützt haben könnte, um den Vorfall zu dramatisieren, hielt ihm die Staatsanwältin vor, dass es in einer solchen Extremsituation völlig unwahrscheinlich sei, zu solchen Mitteln zu greifen. Sie sei empört über diese These. Die beiden mochten sich nicht. Die Staatsanwältin warf dem Anwalt vor, er bagatellisiere, er fand, sie sei aggressiv.
Auf die Frage des Verteidigers, warum sie nicht gleich zum Arzt gegangen sei, erwiderte die Frau, es sei schon spät gewesen und sie habe sich ums Kind gekümmert. Am nächsten Tag habe sie ihren Hausarzt aufgesucht. Der habe weitere Schritte aber nicht für nötig befunden.

Einlassungen des Opfers absolut glaubhaft

Richterin Beatrice Haas entsprach in ihrem Urteil ganz der Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie verurteilte den Mann zu 70 Tagessätzen à 30 Euro. Eigentlich habe sie zu 90 Tagessätzen tendiert, räumte sie ein. „Schon Ihre Einlassung hat mir gezeigt, dass Ihrerseits ein bedingter Vorsatz da war.“ Sie wollte aber nicht ausschließen, dass auch die Zeugin beleidigt habe.
Wie die Staatsanwältin rügte auch die Richterin, dass aufseiten des Ex-Mannes kein Unrechtsempfinden da sei. Die Einlassungen des Opfers seien für sie absolut glaubhaft gewesen. Auch sie machte keinen Hehl aus ihrer Meinung zu der „Wasser-These“. Das sei abwegig.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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