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Nicht die erste Auseinandersetzung vor Gericht
Mann wirft Messer nach seiner Frau

Hat der Ehemann in voller Absicht ein Knippchen in Richtung seiner Frau geworfen? Das war die Kernfrage der Verhandlung.
  • Hat der Ehemann in voller Absicht ein Knippchen in Richtung seiner Frau geworfen? Das war die Kernfrage der Verhandlung.
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Betzdorf. Jürgen R. und seine Exfrau Christine sind sich nicht zum ersten Mal im Gerichtssaal begegnet: Der 52-Jährige und seine frühere Partnerin haben nach Angaben seines Anwalts eine schmutzige Scheidung hinter sich, und selbst nach der Trennung war die gemeinsame Zeit noch nicht endgültig aufgearbeitet. Jetzt begegneten sie einander erneut vor den Augen einer Richterin, nur dass diesmal keine Familienrichterin, sondern ihre Kollegin aus der Strafabteilung zuständig war.
Denn an einem Abend im Frühjahr 2019, als Jürgen R. und Christine R. (Namen geändert) noch zusammenlebten, lief eine der vielen Streitigkeiten ziemlich aus dem Ruder. Es hatte mit einer verbalen Auseinandersetzung angefangen, und wenige Minuten später waren die Emotionen derart hochgekocht, dass Jürgen M.

damo Betzdorf. Jürgen R. und seine Exfrau Christine sind sich nicht zum ersten Mal im Gerichtssaal begegnet: Der 52-Jährige und seine frühere Partnerin haben nach Angaben seines Anwalts eine schmutzige Scheidung hinter sich, und selbst nach der Trennung war die gemeinsame Zeit noch nicht endgültig aufgearbeitet. Jetzt begegneten sie einander erneut vor den Augen einer Richterin, nur dass diesmal keine Familienrichterin, sondern ihre Kollegin aus der Strafabteilung zuständig war.
Denn an einem Abend im Frühjahr 2019, als Jürgen R. und Christine R. (Namen geändert) noch zusammenlebten, lief eine der vielen Streitigkeiten ziemlich aus dem Ruder. Es hatte mit einer verbalen Auseinandersetzung angefangen, und wenige Minuten später waren die Emotionen derart hochgekocht, dass Jürgen M. ein Küchenmesser nach seiner Frau warf.

Messer haarscharf am Kopf vorbeigeflogen

Das jedenfalls ist die Version der 51-Jährigen. „Es gab an diesem Abend mal wieder eine lautstarke Auseinandersetzung“, erinnerte sich Christine R. im Zeugenstand. Schauplatz sei die Küche gewesen, sie habe an der Spüle gestanden, ihr Mann am Tisch gesessen. „Und dann ist er aufgesprungen und hat das Messer nach mir geworfen.“ Das Knippchen sei haarscharf an ihrem Kopf vorbeigeflogen: „Ich konnte den Luftzug spüren.“

Mutter und Tochter verbarrikadieren sich

Getroffen wurde die 51-Jährige nicht: Das Messer prallte gegen die Scheibe und landete in der Spüle. Anschließend – mittlerweile hatte sich die erwachsene Tochter schützend zwischen ihre Eltern gestellt – sei es nicht besser geworden: „Er hat gesagt: ,Du wärst schon lange tot, wenn ich mir dafür nicht die Hände schmutzig machen müsste’“, berichtete Christine R. Den Rests des Abends verbarrikadierte sich die Mutter mit ihrer Tochter in deren Zimmer, am nächsten Morgen erstatteten sie Anzeige. „Und die beiden Tage danach habe ich mit meiner Tochter bei meinen Eltern geschlafen.“
Soweit die Aussage der 51-Jährigen – aber die stand im krassen Widerspruch zur Version, die der Angeklagte zum Besten gab. Ja, es habe einen Streit gegeben, aber es sei vor allem seine Frau gewesen, die rumgebrüllt habe. Er habe das Besteck, mit dem er zuvor gegessen habe, in die Spüle gelegt. „Naja, vielleicht eher wütend in die Spüle geworfen“, korrigierte er sich. Aber gezielt nach seiner Frau habe er das Messer definitiv nicht geworfen.

Tochter widerspricht Angeklagtem

Allerdings: Diese Deutung hatte er exklusiv. „Auf keinen Fall, so sah das für mich überhaupt nicht aus“, verwies die 25-jährige Tochter die Aussage des Angeklagten ins Reich der Fabel. Die Spüle sei schließlich unten – warum also sei das Messer dann in Kopfhöhe knapp an ihrer Mutter vorbeigeflogen?
Weil beide Zeuginnen den Vorfall durchaus schlüssig, übereinstimmend und ohne jeden Belastungseifer schilderten, schenkte der Vertreter der Staatsanwaltschaft ihnen Glauben. Für Michael Seibert stand damit fest, dass sich der Angeklagte eine versuchte gefährliche Körperverletzung hat zuschulden kommen lassen. Allerdings relativierte der Ankläger die Tat: Er gehe nicht davon aus, dass Jürgen R. das Messer zielgerichtet auf seine Frau geworfen habe. „Sicher hat er es nicht im Stile eines Messerwerfers geworfen“, meinte Seibert. Und so forderte er keine Haftstrafe, sondern nur eine moderate Geldstrafe: 30 Tagessätze zu je 30 Euro.

Richterin glaubt Zeuginnen

Dem folgte auch Richterin Beatrice Haas – obwohl der Verteidiger zuvor einen Freispruch gefordert hatte, weil seinem Mandanten die Tat nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden könne. Aber die Juristin vor Kopf sah das anders – für sie waren die Aussagen der Zeuginnen absolut glaubwürdig, Aber auch Beatrice Maas wertete die Tat eher als Kurzschlussreaktion denn als zielgerichteten Versuch des Angeklagten, seine Ehefrau ernsthaft zu verletzten. „Ich denke nicht, dass es Ihr Ziel war, dass das Messer im Kopf steckenbleibt.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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