Markthändler haben abgestimmt
Markt kehrt an alten Platz zurück

Die Zeiten, in denen die Stände und die Kunden die Decizer Straße und die Bahnhofstraße bis zur Passage bevölkerten, sind demnächst vorbei. Der Betzdorfer Wochenmarkt kehrt an den alten Standort zurück.  Archivfoto: goeb
  • Die Zeiten, in denen die Stände und die Kunden die Decizer Straße und die Bahnhofstraße bis zur Passage bevölkerten, sind demnächst vorbei. Der Betzdorfer Wochenmarkt kehrt an den alten Standort zurück. Archivfoto: goeb
  • hochgeladen von Dr. Andreas Goebel (Redakteur)

goeb  Alles zurück auf Anfang – so geht es in manchem Brettspiel. Der Betzdorfer Wochenmarkt soll schon in drei Wochen wieder an den alten Standort, sprich: Hellerstraße, zurückkehren. Das bestätigte am Montag Bürgermeister Bernd Brato auf Nachfrage der SZ. Den Ausschlag dazu habe das Ergebnis einer Umfrage unter den Markthändlern gegeben. „Wir haben immer gesagt: Es ist ein Experiment, das nach einem Jahr wieder auf den Prüfstand kommt.“

Und hier ist die Sprache eindeutig. Zwar habe man nicht die Marktkunden befragt. „Aber die große Mehrheit der Markthändler hat sich für die Rückkehr an den alten Standort ausgesprochen“, sagte Brato. Er glaube zwar nicht, dass es 40 Prozent Umsatz-Einbußen gewesen seien, die die Händler in dem Probejahr hätten hinnehmen müssen, „aber dass es spürbare Umsatz-Rückgänge gegeben hat, das liegt auf der Hand“.

Mit der Politik sei die Vorgehensweise besprochen. In der vergangenen Woche hatte es dazu einen Gesprächstermin mit den Fraktionsspitzen des Betzdorfer Stadtrats gegeben. Brato würde die Verlegung nach eigenen Worten gern sogar noch vor den rheinland-pfälzischen Sommerferien hinkriegen, spätestens nach der ersten Ferienwoche.

Wie die SZ berichtete, muss allerdings noch der Rathaus-Vorplatz umgestaltet werden. Konkret: Ein Stromverteilungskasten muss entfernt, ein Beet beseitigt und eine Lampe versetzt werden, damit vor dem Rathaus ein Platz entsteht, auf dem für Stände mehr Stellfläche vorhanden ist als früher. Ansonsten wird der Wochenmarkt dienstags und freitags wieder in der Heller- und der Bahnhofstraße seine „Zelte“ aufschlagen.

Die Verlegung des Marktes in die Innenstadt vor einem Jahr hatte besonders bei den Kunden neue Freunde gefunden. Die fanden die Stände zwischen den Geschäften der Bahnhofstraße und der Decizer Straße gemütlicher, weil alles kompakter wirkte.

Unter den Geschäftsinhabern war man nicht ganz so euphorisch. Besonders da, wo die Straßen eng sind, rückten Fahrzeuge und Auslagen manchmal zu dicht an die Schaufenster der Geschäfte heran, sodass es oft Diskussionen gab. Bei den Händlern sprach sich zuletzt eine große Mehrheit für eine Rückverlegung aus. Das Rangieren sei schwierig, Kundenströme kämen nicht durch, es habe Scherereien mit Ladenbesitzern gegeben usw. Bis auf wenige Ausnahmen plädierten alle dafür, die alte Regelung wieder einzuführen. „Wir mussten darauf reagieren“, erklärte Brato die Entscheidung. Nicht unbegründet sei die Sorge, dass der Stadt sonst weitere Händler von der Fahne gehen würden.

„Bei uns im Rathaus hängt eine alte Fotografie aus der Innenstadt. Darauf ist genau ein Marktstand zu sehen. Das gibt mir zu denken“, flocht der Bürgermeister ein. In der Tat: Früher hatte es der Wochenmarkt auch schwer. In den Anfangsjahren „bekämpften“ die Ladengeschäfte die „fliegenden Händler“ sogar noch, weil sie diese als unerwünschte Konkurrenten ansahen. Später erkannte man die Sogwirkung des etablierten Marktes.

Brato sieht verändertes Kaufverhalten, andere Lebensgewohnheiten und den demografischen Wandel als Hauptgründe dafür an, dass es der Wochenmarkt immer schwerer hat. „Mittlerweile fahren unsere Mitarbeiter auf andere Wochenmärkte in der Region und werben für den Betzdorfer Markt“, sagte Brato. Aber weil die Händler mit ihrer Ware nicht hunderte Kilometer fahren könnten, stoße man an Grenzen.

Viele Händler seien schon betagt und fänden unter den jungen Leuten keine Nachfolger mehr. Hinzu komme, dass viele Frauen heute, anders als früher, berufstätig seien. Das passe mit den Wochenmarktzeiten schlecht zusammen. „Es gab dann auch Vorschläge von Marktbesuchern, den Markt zu anderen Zeiten stattfinden zu lassen, am Nachmittag etwa. „Aber das machen die Händler aus verständlichen Gründen nicht mit, denn die müssen früh raus, teilweise fahren sie nachts auf die Großmärkte.“

Letztlich sind auch die Marktkunden mit ihren Händlern älter geworden, man sieht dienstags und freitags immer weniger junge Gesichter. Und schließlich: In vielen Haushalten wird – leider – nicht mehr frisch gekocht wie früher. Man muss nur einmal abends in die Discounter oder Supermärkte gehen und sich das Gedränge an den Regalen und Eisschränken mit den Fertiggerichten anschauen. Daran kann man erkennen, wohin es die Kundenströme heute zieht.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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