"Abenteuer Eisenbahn"
Massive Kritik an Bahnsteigen in Betzdorf

Schwierige Situation: Hermann Reeh macht gemeinsam mit seiner Ehefrau Inge die Landtagsabgeordnete Sabine Bätzing-Lichtenthäler auf die miserablen Ein- uns Ausstiege am Betzdorfer Bahnhof aufmerksam.
  • Schwierige Situation: Hermann Reeh macht gemeinsam mit seiner Ehefrau Inge die Landtagsabgeordnete Sabine Bätzing-Lichtenthäler auf die miserablen Ein- uns Ausstiege am Betzdorfer Bahnhof aufmerksam.
  • Foto: Büro Bätzing-Lichtenthäler
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sz Betzdorf. „Mit der DB reisen Sie entspannt und weitgehend barrierefrei.“ Das verspreche die Deutsche Bahn in ihrem Internetauftritt, heißt es in einem Schreiben aus dem Büro von Sabine-Bätzing Lichtenthäler. Doch wer als Rollstuhlfahrer von Betzdorf aus eine Zugreise antreten möchte, erlebe häufig das Gegenteil, lässt die SPD-Landtagsabgeordnete und Sozialministerin mitteilen. Hermann Reeh aus Steinebach habe selbst leidvolle Erfahrungen machen müssen. Davon habe er jetzt Bätzing-Lichtenthäler bei einem Vor-Ort-Termin am Betzdorfer Bahnhof berichtet.

Reehs Ehefrau Inge ist demnach bei Bahnfahrten auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Zugang zu den Bahnsteigen sei dabei noch das kleinste Problem. Diese könnten barrierefrei über Aufzüge (sofern sie funktionieren) oder den Übergang von der Park-and-ride-Anlage erreicht werden, erläuterte Reeh.

Das eigentliche „Abenteuer Eisenbahn“ beginne für das Ehepaar bei Einfahrt des Zuges. Auf der Siegstrecke verkehrten neben den Talent-2-Triebwagen und den Doppelstockwagen des Rhein-Sieg-Expresses (RE 9) auch die Dieseltriebwagen der Dreiländerbahn (Hessische Landesbahn, HLB). Zudem kann man dort in die Heller- und Daadetalbahn umsteigen. Aber: Egal welcher Zugtyp einfährt, die Einstiegshöhe passe nirgendwo. Denn die Bahnsteige in Betzdorf seien niedriger als der heutige Standard. Dadurch klaffe eine für Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe unüberwindliche Lücke zwischen Bahnsteigkante und Zugtür.

2011 hätten sich die Bahn und die Bundesländer auf eine Reform des Bahnsteighöhenkonzepts geeinigt. Im Zuge von Sanierungen sollten Einheitlichkeit und Barrierefreiheit erreicht werden, lässt Bätzing-Lichtenthäler weiter mitteilen. Als Regelhöhe seien für Bahnsteige 76 cm festgeschrieben worden. In Kirchen etwa seien daraufhin die Bahnsteige entsprechend angepasst worden.

Hermann Reeh bricht dabei für das Personal der Hessischen Landesbahn eine Lanze. Deren Triebwagen hätten eine leicht anzubringende Rampe für Rollstuhlfahrer an Bord, die bei Bedarf von den Zugbegleitern ausgelegt werde. Beim gemeinsamen „Praxistest“ am Betzdorfer Bahnhof konnte sich die SPD-Politikerin selbst von der unproblematischen Hilfe beim Ein- und Aussteigen überzeugen.

Ganz andere Erfahrungen habe man mit der Deutschen Bahn machen müssen. „Die Zugbegleiter steigen in Betzdorf in der Regel nicht aus, sodass man mit ihrer Hilfe nicht rechnen kann“, berichtet Reeh.

Eine weitere Schwierigkeit für Rollstuhlfahrer sei, dass man erst bei Einfahrt des Zuges erkennen könne, welcher Fahrzeugtyp gerade verkehre. Denn das Fahrrad- und Rollstuhlabteil befindet sich beim Talent 2 in der Mitte, bei Doppelstockzügen ganz am Anfang bzw. Ende des Zuges. „Dann fängt man mit dem Rollstuhl an zu rennen – in meinem Alter nicht mehr so ganz leicht“, so Reeh. Auch auf eine Rampe als Einstiegshilfe warte man bei der DB vergebens: „Ich fahre meine Frau mit dem Rollstuhl bis an die Türe. Sie steigt aus. Ich helfe ihr beim Einsteigen. Dann hole ich den Rollstuhl nach.“

Hermann Reeh berichtete über folgende Begebenheit am Kölner Hauptbahnhof: „Eine Zugbegleiterin des RE 9 fuhr für uns die Rampe in einem Doppelstockzug aus. Auf die Frage, wo wir aussteigen wollen, antworteten wir ‚Betzdorf‘. Sie sagte, dass sie dort aber die Rampe nicht ausfahren können. Wir sollten doch eine Haltestelle weiter bis Kirchen fahren. Wir hatten aber unser Auto in Betzdorf stehen. Also sind wir mühsam dort ausgestiegen. Hilfe haben wir dabei keine bekommen.“

Bätzing-Lichtenthäler kann den Frust nachvollziehen. Sie will die Problematik umgehend dem DB-Konzernbevollmächtigten vortragen und auf kurzfristige Verbesserungen drängen. Der Einsatz von Rampen sei eine praktikable Lösung.

Die Parlamentarierin will bei der Gelegenheit auch die „unendliche Geschichte“ des Lückenschlusses am unfertigen Gleis 107 thematisieren. Nach wie vor fehle die notwendige Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes.

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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