Mehr Frauen in die Räte

19 Prozent Frauenbeteiligung in den politischen Gremien ist Marion Pfeiffer zu wenig.  Foto: Bündnis 90/Die Grünen
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sz Betzdorf. Sophie Gräfin von Hatzfeldt-Wildenburg-Schönstein, eine der herausragenden politischen Frauen im Kreis Altenkirchen des 19. Jahrhunderts, würde sich angesichts der aktuellen Rolle der Frauen in den Parlamenten die Augen reiben. Auch 90 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts sind weibliche Ratsmitglieder eher selten anzutreffen, schreibt Marion Pfeiffer, Stadtratsmitglied der Bündnisgrünen in Betzdorf, in einem Pressebericht.

Bei der Kommunalwahl 2009 seien von insgesamt 177 Ratssitzen in den VG-Räten Kirchen, Betzdorf, Gebhardshain, Wissen, Daaden und der Stadt Herdorf nur 34 Sitze an Frauen gegangen, das entspreche 19,2 Prozent. Diese schlechte Quote durchziehe nahezu alle wesentlichen politischen Gremien in Deutschland. „Und das, obwohl die Medien uns glauben lassen wollten, dass nach der erneuten Wahl von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin Frauen auch die letzte Männerbastion erobert hätten.“

Warum übernehmen so wenige Frauen in Deutschland politische Verantwortung?, fragt Pfeiffer. Was machen andere Staaten besser, z. B. Norwegen, wo zurzeit zehn von 19 Ministerposten in der Regierung weiblich besetzt sind? Wie können wir die politische Frauenpräsenz in der Kommune steigern?

Die Vorschlagslisten zur Kommunalwahl 2009 bestätigten die Vermutung, dass Frauen, die auf aussichtsreichen Listenplätzen nominiert sind, in der Regel auch gewählt werden. Leider legten die hiesigen politischen Parteien, mit Ausnahme der Grünen, so Pfeiffer weiter, keinen Wert auf Quotierung. Dabei scheine die Einführung der verpflichtenden Frauenquote einer der Königswege zu sein, wie die norwegische Politik zeige. Dort würden Vorstände und Aufsichtsräte gesetzlich verpflichtet, mindestens 40 Prozent der Sitze mit Frauen zu besetzen.

Ein weiterer Hemmschuh für Frauen, aktiv in die Politik einzusteigen, sei deren Unkenntnis und/oder Angst vor den zu bewältigenden Aufgaben. Das rheinland-pfälzische Frauenministerium startete hierzu ein Mentoring-Programm, das Neueinsteigerinnen mit erfahrenen Politikerinnen über einen Zeitraum von über einem Jahr zusammenbringt. Die Mentorin stehe der Anfängerin mit Tipps und Ratschlägen unterstützend zur Seite und erleichtere ihr den Zugang zu politischen Netzwerken. Die Grünen arbeiteten seit einigen Jahren erfolgreich mit diesem System. Vor allem gelte es aber erst einmal, Zugang zu den Frauen zu bekommen.Pfeiffer meint: Das Modell des männlichen Alleinverdieners, wie auch das der teilzeitbeschäftigten Zuverdienerin habe ausgedient. „Wir müssen die vielen Frauen, die stark in der Familie und/oder im Beruf engagiert sind, entlasten. Eine völlig verausgabte Frau hat keine Motivation für eine ehrenamtliche politische Tätigkeit.“Die Initiative der Kreise Altenkirchen, Neuwied und Westerwald, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, werde zum einen den Frauen und Männern bei der Gleichstellung helfen, zum anderen auch der Wirtschaft, die auf die qualifizierte Besetzung der Arbeitsplätze angewiesen sei. Verbündete fänden Frauen auch in der jüngeren Männergeneration, die Gleichberechtigung im Alltag bereits erlebt habe durch das Aufwachsen mit erwerbstätigen Müttern und gut ausgebildeten Schwestern. Diese Männer seien emanzipiert und fänden wesentlich leichter zu ihrer verantwortungsvollen Rolle innerhalb der Familie.Pfeiffer abschließend: „Ein französischer Politiker hat einmal gesagt, dass eine völlige Gleichberechtigung nicht erreicht ist, bevor unfähige Frauen in hohen Positionen sitzen.“ Frauen und Männer müssten gleiche Rechte und Chancen auf allen Entscheidungsebenen haben, nur so könne das Versprechen der Gleichstellung eingelöst werden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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