MGV Scheuerfeld vor Aus? »2002 ein Schlendrianjahr«

Traditionschor in tiefer Krise / Sechs Monate Bedenkzeit

suk Scheuerfeld. »Es geht um den MGV!« Mit diesen Worten wurden die Mitglieder des MGV Scheuerfeld zur Jahreshauptversammlung eingeladen. Dass es den Anwesenden am Freitag im Vereinslokal »Zu den Linden« jedoch wirklich um den Verein und ihr gemeinsames Hobby, den Chorgesang ging, konnte man zwischenzeitlich nicht recht glauben. Beschimpfungen, teils unter der Gürtellinie, gegenseitige Schuldzuweisungen und wenig konstruktive Zwischenrufe bestimmten das Bild bei dieser Versammlung, die doch so wichtig für den Fortbestand des Vereins war, wie der Vositzende, Klaus Arend, bei der Begrüßung betonte. Er verglich das Verhalten der Anwesenden im Verlauf der Versammlung mit einem »Kindergarten« und traf damit den Nagel auf den Kopf.

Die Tagesordnung wurde bis zu dem Punkt »Neuwahlen« noch ordnungsgemäß abgehandelt, auch wenn die Vorstandsmitglieder schon in den Berichten ihre Verärgerung über den Verlauf des letzten Jahres nur schwer verbergen konnten. Von beschämender Probenarbeit sprach Klaus Arend, ebenso wie Schriftführer Jochem Schütz, dem es nach eigener Aussage sehr schwer gefallen sei, den Jahresbericht zu schreiben. Es war schlicht nichts los beim MGV.

Schon im ersten Halbjahr waren die Proben zeitweise nur zu 75 Prozent besucht, was bei einem Klangkörper mit insgesamt 26 Sängern fatal ist. An örtlichen Verpflichtungen wie der Seniorenfeier oder dem Volkstrauertag hat man nur kläglich teilnehmen können und Auftritte bei Sängerfesten mussten wegen Abwesenheit von mehr als der Hälfte der Sänger abgesagt werden. »Das letzte Jahr war ein Schlendrianjahr, in dem sich der MGV zu einem Partyverein gewandelt hat«, sagte der Schriftführer verbittert.

Offensichtlich ist der Brief des Vorstandes an alle Mitglieder, der an das Pflichtbewusstsein und das Engagement der Sänger appellierte, im letzten Sommer auf wenig fruchtbaren Boden gefallen. Nach der Sommerpause wurden deshalb alle Termine abgesagt. Auch der Dirigent Gerd Pfeiffer, der mit großem Engagement seiner Tätigkeit nachkommt, war erschüttert von der Lage. Es fehle den Sängern die richtige Einstellung.

Die Vorstandsneuwahlen gestalteten sich unter diesen Umständen entsprechend schwierig, Versammlungsleiter Willibald Dohm hatte es nicht leicht. Resignation und Misserfolg veranlassten den kompletten Vorstand, sich nicht für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung zu stellen. Der weitere Verlauf der Sitzung und die Suche nach neuen Kandidaten für den Vorstand, hier zunächst für den Vorsitzenden, spottete jeder Beschreibung. Nahezu jeder Anwesende, selbst der Dirigent, wurden für den Vorsitz vorgeschlagen und wenig konstruktive Diskussionen wollten nicht enden.

Einerseits wurde der bisherige Vorstand beschuldigt, Hauptverursacher dieser Misere zu sein, andererseits reichte dieser den schwarzen Peter an die Mitglieder weiter, für die der MGV oftmals nur noch eine untergeordnete Rolle spiele. Am Ende war es aufgrund der »totalen Verweigerung aller Mitglieder«, wie Willibald Dohm die Situation beschrieb, nicht möglich, einen neuen Vorstand – ob alt oder neu – zu wählen.

Die leidigen Diskussionen endeten mit folgendem Beschluss: Der Vorstand wird auf Bitten des Vereins noch ein weiteres halbes Jahr kommissarisch den Verein weiterführen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Probenarbeit und die Einstellung auf ein Vielfaches besser wird. Anders ausgedrückt wurde das Problem lediglich aufgeschoben, wie Jochem Schütz im Pressegespräch betonte.

Bleibt abzuwarten, ob die Mitglieder, egal ob Vorstand oder Aktive, diese »Bewährungsfrist« positiv nutzen und sich des Stellenwertes eines Gesangvereins für das kulturelle Leben in einem Ort wie Scheuerfeld bewusst werden. Entscheidend wird hier nicht zuletzt der Altersdurchschnitt unter den Aktiven sein, sind doch lediglich neun Sänger zwischen 20 und 60 Jahre alt, dagegen 17 zwischen 60 und über 80 Jahre. Zahlen, die nachdenklich machen sollten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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